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Politik

"Proleten aller Parlamente"

Der Ton macht die Musik, das gilt auch, wenn sich Bundestagsabgeordnete gegenseitig als Proleten bezeichnen. "Schweinebande" scheint hingegen nicht umstritten. Szenen aus dem deutschen Parlament.

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Turbulent ging es bei der jüngsten Bundestagssitzung zu, als die Linkspartei mit roten Streik-Leibchen der Gewerkschaft Verdi auftrat, um ihre Solidarität mit den Werktätigen zu bekunden. Empörung brach sich Bahn bei Union und FDP, "Schweinebande" rief ein Unionsabgeordneter in Richtung Linkspartei.

Zu seiner Entschuldigung sei gesagt, dass es sich dabei nur um ein Zitat handelte. Das Copyright gehört Linksfraktionschef Oskar Lafontaine, der Kollegen der anderen Bundestagsparteien mit der gleichen Vokabel beschimpft haben soll.

Postwendende Rüge

Der Unterschied: Lafontaine bekam bei seinem Wahlkampfauftritt in der Provinz Beifall. Der Unionsabgeordnete dagegen erntete für seine Retourkutsche im Parlament sofort eine Rüge des Tagungspräsidenten.

Soweit so gut. Oder so schlecht, mit Blick auf die politische Kultur.

Doch der empörte FDP-Abgeordnete Ernst Burgbacher setzte noch eins drauf: "Schämt ihr euch eigentlich nicht? - diese Proleten!" rief er in Richtung Linkspartei. Dafür gab es postwendend ebenfalls eine Rüge aus dem Präsidium.

Ehrenbezeichnung "Prolet"

Das jedoch rief den Linkspartei-Abgeordneten Dieter Dehm auf den Plan. In einem Brief an die Tagungsleitung bat er, den Ordnungsruf gegen die politische Konkurrenz wieder zurückzunehmen. Denn "Prolet" sei für ihn als linken Unternehmer eine Ehrenbezeichnung.

Vor Jahren hatte Dehm es einer Boulevardzeitung dagegen untersagen lassen, ihn "roter Millionär" zu nennen. In Zukunft, so meint der Musikmanager, werde es heißen "Proleten aller Parlamente, vereinigt euch!".

  • Datum 24.03.2006
  • Autorin/Autor Bernd Gräßler, Berlin
  • Schlagwörter fernschreiber
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  • Permalink http://p.dw.com/p/89e9
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