Prognose sieht Separatisten bei Katalonien-Wahl vorn | Aktuell Europa | DW | 21.12.2017
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Regionalwahl

Prognose sieht Separatisten bei Katalonien-Wahl vorn

Eine erste Prognose nach der Regionalwahl in Katalonien sieht das Lager der Unabhängigkeitsbefürworter vor einer Mehrheit. Die Zeitung "La Vanguardia" beruft sich dabei auf eine Nachwahlbefragung.

In einer Nachwahlbefragung der angesehenen Zeitung "La Vanguardia" kommen die Parteien der Unabhängigkeitsbefürworter auf bis zu 71 Sitze. Die Gegner der Abspaltung kommen demnach auf 55 bis 62 Sitze. Für die absolute Mehrheit sind mindestens 68 Sitze im Regionalparlament nötig, wo es insgesamt 135 Sitze gibt. Die Umfrage beruht auf einer repräsentativen Befragung von 3200 Wählern.

Ganz vorne liegen demnach die linksnationalistische Partei ERC des separatistischen Spitzenkandidaten Oriol Junqueras mit 34 bis 36 Sitzen sowie die liberale Partei Ciudadanos von Unabhängigkeits-Gegnerin Inés Arrimadas mit 34 bis 37 Sitzen. Auf dem dritten Platz landet nach der Prognose mit 28 bis 29 Sitzen die separatistische Liste JuntsxCat (Gemeinsam für Katalonien) des Ende Oktober abgesetzten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont, der erneut als Spitzenkandidat antrat. Die absolute Mehrheit würde demnach wie erwartet von allen Parteien deutlich verpasst.

Spanien Neuwahl des Regionalparlaments in Katalonien (picture alliance/dpa/AA/B. Abkulut)

Unabhängigkeits-Gegnerin Inés Arrimadas vor ihrer Stimmabgabe

Hohe Wahlbeteiligung

Bei der Wahl, die für die wohlhabende Region als wegweisend angesehen wird, zeichnete sich eine vergleichsweise hohe Beteiligung ab: Sie lag zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale bei knapp 70 Prozent. 2015 waren es zur gleichen Zeit 63 Prozent. Etwa 5,5 Millionen Katalanen waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Ein belastbares offizielles Ergebnis soll nicht vor 22.30 Uhr bekanntgegeben werden.

Es werden schwierige Koalitions-Verhandlungen erwartet, da es auch innerhalb der beiden Lager - der Separatisten und der sogenannten "verfassungstreuen" Parteien - zum Teil große Meinungsverschiedenheiten gibt. Der abgesetzte und nach Belgien geflohene katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hatte die Unabhängigkeit der Region ausgerufen und damit das Eingreifen der Zentralregierung ausgelöst. Bereits das Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober war von der spanischen Justiz als illegal kassiert worden. Die Verfassung Spaniens von 1978 sieht eine Abspaltung einer Region nicht vor.

Puigdemont äußerte sich aus dem Exil heraus kämpferisch: "Heute demonstrieren wir erneut die Kraft eines unbeugsamen Volkes. Auf dass uns der Geist des 1. Oktober stets leiten möge", twitterte er. Da ihm in Spanien die Verhaftung als Aufrührer droht, konnte er seine Stimme nicht persönlich abgeben. Stattdessen machte eine mit Vollmacht ausgestattete 18-jährige Katalanin in einem Wahllokal nahe Barcelona das Kreuz für ihn.

rb/cgn (dpa, rtr)

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