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Fokus Osteuropa

Profitiert Russland vom Iran-Embargo?

Russland wird auch durch das Iran-Embargo nicht mehr Erdöl exportieren können. Zunächst muss die steigende Nachfrage im eigenen Land gestillt werden. Russland könnte aber von möglichen Ölpreissteigerungen profitieren.

Die Flaggen des Iran und der nationalen iranischen Ölgesellschaft (Foto: dpa)

EU verhängt Importverbot für Erdöl aus dem Iran

Russische Experten wie Dmitri Tschernajdjew von "Alfa Capital", einem der führenden russischen Unternehmen in der Asset-Management-Branche, rechnen nicht mit einem Anstieg der Ölexporte: "Trotz einer Steigerung der russischen Ölförderung im vergangenen Jahr sind die Exporte von Rohöl und Erdölprodukten zurückgegangen. Auch in diesem Jahr wird die Förderung wahrscheinlich zunehmen, aber zugleich wird auch die Binnennachfrage wachsen".

Eine Erdöl-Pumpstation in Sibirien (Foto: Matthias Tödt)

Die Ölförderung in Sibirien wächst nicht schnell genug

Gregori Birg vom unabhängigen russischen Forschungszentrum "Investcafe" sieht das ähnlich. Er weist darauf hin, dass die Förderung in der für Russland so wichtigen Erdöl-Region Westsibirien stetig zurückgeht. Gleichzeitig nehme sie in den vielversprechenden Regionen Ostsibiriens und auf der Jamal-Halbinsel nicht schnell genug zu. "In den kommenden Jahren wird es sehr schwierig sein, die Stagnation und den leichten Rückgang der Erdölförderung in Russland zu überwinden", sagte er.

Birg geht deswegen davon aus, dass vor allem die Golfstaaten vom EU-Ölembargo gegen den Iran profitieren werden. Im Unterschied zu Russland könnten diese nämlich ihre Förderung steigern. "Saudi-Arabien hat bereits angekündigt, im Falle eines Embargos seine Förderung zu erhöhen, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait dürften folgen", so Birg.

Preissteigerung im Interesse Moskaus

Die Experten glauben dennoch, dass Russland Nutzen aus dem Iran-Embargo ziehen könnte. Denn das Embargo werde zu Preissteigerungen an den Ölbörsen führen, erst recht wenn der Iran seine Drohung wahrmachen und die Straße von Hormus blockieren würde. In diesem Fall wäre ein Fünftel des globalen Erdöl-Handels betroffen. Durch die Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet, verläuft der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Ölhäfen Kuwaits, Bahrains, des Irak, der Vereinigten Arabischen Emirate und des Iran sowie ein Großteil des Schiffsverkehrs Saudi Arabiens.

Der Persische Golf, die Straße von Hormus und der Golf von Oman in einer Satellitenaufnahme (Foto: NASA)

Die Straße von Hormus ist strategisch wichtig

"Ein Stopp der Lieferungen aus dem Persischen Golf würde die Weltkarte der Öllieferungen völlig verändern. Eine Verdoppelung des Ölpreises wäre in diesem Fall nicht auszuschließen", sagt Nikolaj Podlewskich von der russischen Investmentgesellschaft Zerich Capital Management. "Für Russland wäre das ein deutliches Plus, denn eine Verdoppelung des Ölpreises würde uns erlauben, die Einnahmen um das Anderthalbfache zu steigern", fügt der Experte hinzu.

Haushaltslage vom Ölpreis abhängig

In den Berechnungen des russischen Wirtschaftsministeriums ist der Ölpreis der wichtigste Wachstumsfaktor. Nach Angaben des Ministeriums wird bei einem Preis von etwa 110-120 Dollar pro Barrel Russlands Staatsetat im Jahr 2012 defizitfrei sein. Zum Vergleich: 2011 betrug der durchschnittliche Ölpreis 109,35 Dollar pro Barrel. Selbst wenn der Ölpreis unter 200 Dollar pro Barrel bliebe und sich bei 120-125 Dollar einpendeln würde, so der Experte Gregori Birg, könnte Russland noch in diesem Jahr einen Haushaltsüberschuss erwirtschaften.

Russland gehört zu den bedeutendsten Erdöl-Förderländern der Welt. Schätzungen zufolge befinden sich zwölf Prozent der weltweiten Ölvorräte in der Russischen Föderation - vor allem in Westsibirien, in der Region Sachalin, in Nordkaukasien, der Republik Komi und in den Erdölgebieten im Wolga-Ural-Bereich. Seit Ende der 1990er Jahre ist die Bedeutung der Energiewirtschaft in Russland durch die Zunahme der Ölexporte bei steigenden Ölpreisen deutlich gewachsen.

Autorin: Evlalia Samedova / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann

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