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Kultur

Profitable Grenzgänge

Tschechien wird 2004 Mitglied in der EU. Doch noch gibt es Stolpersteine: Die Kinderprostitution im deutsch-tschechischen Grenzgebiet blüht. Auch deutsche Bürger profitieren von dem illegalen Geschäft mit Kindern.

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Prostitution in der Grenzregion: blühendes Geschäft

Für deutsche Pädophile hat sich die Kleinstadt Cheb zur regelrechten Sex-Oase entwickelt. Sie liegt nur einen Steinwurf sowohl von der bayerischen als auch der sächsischen Grenze entfernt. Das Problem Kinderprostitution ist nicht neu bei den Behörden in Tschechien. Im tschechischen Innenministerium gibt man sogar zu, dass es gelegentlich Kinderprostitution im deutsch-tschechischen Grenzgebiet gebe. Sie sei aber keineswegs organisiert.

Das sehen die beiden Frauen vom Sozialprojekt "Karo", die deutsche Sozialpädagogin Cathrin Schauer und die slowakische Pädagogin Ludmila Irmscher, anders. Als Streetworker haben sie andere Erfahrungen gemacht. Ursprünglich wurde "Karo" 1994 als Projekt zur Prävention von HIV/ Aids und sexuell übertragbaren Krankheiten bei Prostituierten und DrogenkonsumentInnen in der deutsch-tschechischen Grenzregion gegründet.

Mekka für Pädosexuelle

Die Region zwischen Deutschland und Tschechien hat sich längst zum Mekka für Pädosexuelle entwickelt, so die Sozialarbeiterinnen. Die hätten längst erkannt, dass dieser Markt vorhanden ist. Sie fahren gezielt in diese Region, wo sie versuchen, ihre Perversion auszuleben.

Cathrin Schauer und Ludmila Irmscher sind gut bekannt in der Grenzregion, in der sie ihre Schützlinge mehrmals in der Woche betreuen. Praktisch nebenbei machen sie verdächtige deutsche Autokennzeichen aus, die sie dann weiterleiten an die Ermittlungsbehörden. Zu viel versprechen sie sich jedoch von dieser Aktion nicht.

Machtlose Schadensbegrenzungen

Den Behörden fehlen meistens Beweise und Zeugen: "Im Bereich des Kindersextourismus ist das, was wir im Moment tun, nur ein stückweit Schadensbegrenzung und natürlich Krisenintervention bei den betroffenen Kindern", so Irmscher.

Ihre Kollegin schildert, wie die Kinder in die Regionen gebracht werden: "Es werden Kinder aus der Slowakei oder den GUS-Staaten gezielt in die Grenzregion der Euroregion verschleppt. Ältere Kinder, die schon länger in der Prostitution arbeiten, werden oft dazu benutzt, als Aufpasser oder zum Anlernen für die Jüngeren zu fungieren."

Gier und Geld

Die Täter kommen nach Angaben der beiden Erzieherinnen oft aus den Familien der Kinder. "Mütter, die ihre eigenen Kinder zu diesem Zweck anbieten; also praktisch an Pädophile verkaufen, und das zum Teil natürlich aus materieller Armut." Auch wenn man den Kindern direkt helfen wollte, seien einem die Hände gebunden, so Ludmila Irmscher: "Wir können nicht auf die Straße gehen, das Kind einfach mitnehmen, weil das dann Kindesentführung ist."

Das Sozialprojekt KARO ist seit zwei Jahren Mitglied im bundesweiten Koordinierungskreis Frauenhandel und wird sowohl von der EU als auch vom sächsischen Familienministerium finanziert. Im Innenministerium hat man bereits reagiert: Mit der Verteilung von Flugblättern im Grenzgebiet, die "das Problembewusstsein vor allem bei den Männer stärken sollen", so Innenminister Horst Rasch. Zudem unterstützt das Sozialministerium seit acht Jahren finanziell Streetworker, die vor Ort aktiv sind.

Deutsche Kunden

Ob mit Kinder- oder Erwachsenenprostitution: In diesem Geschäft lässt sich viel Geld verdienen. Da sich daran nicht nur kriminelle Geschäftemacher, sondern auch ganz unauffällige Bürger auf beiden Seiten der Grenze beteiligen, wird man ohne konsequente grenzüberschreitende Zusammenarbeit nicht sehr viel erreichen können. Sachsens Innenminister Rasch will zumindest die Kooperation mit den tschechischen Behörden ausweiten: "Bezüglich Prostitution von Kindern und Jugendlichen haben wir verschiedene Gespräche geführt, insbesondere dort die konkrete Zuarbeit von unseren Kollegen und Kolleginnen der tschechischen Polizei zu bekommen und dann entsprechend im strafrechtlichen Bereich diese Dinge, die zur Anzeige gekommen sind, zu verfolgen."

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