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Profil

Das Profil ist mehr als nur eine Darstellung des Gesichts in der Seitenansicht. Es gibt einem Menschen unverwechselbare Kontur. Viele wollen sich deshalb profilieren. Und die wenigsten denken dabei an Autoreifen.

Wenn Firmen neue Mitarbeiter suchen – und das soll ja vorkommen –, möchten sie natürlich wissen, mit wem sie es eventuell zu tun bekommen. Deshalb ist in den Stellenausschreibungen zu lesen, wie die oder der Neue sein soll. Also zum Beispiel: extrem belastbar; auch nach einem 16-Stunden-Arbeitstag noch fit und motiviert; bereit, für die Firma die nächsten Jahre den Urlaub sausen zu lassen; einverstanden, auf die Familie an so einigen Wochenenden zu verzichten. Außerdem ist man/frau kreativ, durchsetzungsfähig und höchstens 30 Jahre alt. Vier bis fünf Hochschulabschlüsse bringt man eh mit, auch langjährige einschlägige Berufserfahrung, und schon steht einer steilen Karriere nichts mehr im Wege.

Der Ursprung des Profils

Die Zeiten sind hart, aber modern; und wer da mithalten will, muss eben einiges zu bieten haben, um den Anforderungsprofilen potentieller Arbeitgeber entsprechen zu können. Kommt Ihnen das alles bekannt vor? In Ordnung. Sie können es getrost vergessen, merken sich aber bitte ein Wort: Profil. Es ist in "Anforderungsprofilen" beinahe untergegangen, aber wir brauchen es noch, denn Profil ist in dieser Woche unser Stichwort. Eigentlich ist es ein Fremdwort.

Im frühen 17. Jahrhundert aus dem Italienischen und mit gewisser Wahrscheinlichkeit nahezu gleichzeitig aus dem Französischen entlehnt. Es bedeutete seinem lateinischen Ursprung entsprechend "Umriss", "Querschnitt", "Längsschnitt" und im Wortsinne auch "Durchschnitt". Profil war zunächst einmal Fachwort der Mathematik, dann der Bau- und insbesondere der Festungsbaukunst; im weiteren Sinne der Architektur.

Seitenansicht des Kopfes

Immer häufiger wurde es dann anstelle des Wortes "Seitenansicht" verwendet. Mitte des 18. Jahrhunderts wird "Profil" zusehends auf den menschlichen Körper, vor allem auf den Kopf angewandt. Darstellungen des Gesichts in Seitenansicht hießen von nun an Darstellungen "im Profil" und wurden gleichzeitig mit dem neuen Wort zur Mode. Der Umriss eines Kopfes in Seitenansicht konnte mit einem einzigen Strich in einer einzigen Linie gezeichnet werden. Eine Technik, der sich bis heute vor allem Karikaturisten bedienen.

Das Profil ist im wörtlichen wie im übertragenen Sinn etwas Umrisshaftes und dennoch gibt es seinem Gegenstand unverwechselbare Kontur. Wer glaubt, er habe kein Profil im Sinne herausragender Eigenschaften, kreativ und so weiter, der kann sich insofern selbst profilieren, in dem er oder sie die erwünschten Fähigkeiten für einen bestimmten Aufgabenbereich entwickelt und hartnäckig trainiert. Bis zur Perfektion.

Profil-Neurotiker und Autoreifen

Es gibt nicht wenige Mitmenschen, die schließlich Opfer von Profilierungssucht, oder, aus Angst, besonders im Beruf zu wenig zu gelten, zu Profilneurotikern werden. Da gerät das Persönlichkeitsprofil zum Zerrbild, die ehedem löbliche Absicht, etwas aus sich zu machen, wird zum Zwang. Leider ist der Profilneurotiker nicht nur der Mann von nebenan; man kann ihn überall finden und je nachdem über welche Möglichkeiten er – oder sie – verfügt, wird er – oder sie – zwangsläufig versuchen, sich abzureagieren. Das kann ziemlich gefährlich werden.

Wenden wir uns zum Schluss einer Art Profil zu, über das wir Eindeutiges und Verlässliches sagen können. Es ist das Profil auf den Autoreifen: jene durch Stollen, Riffelungen, Rillen und Einkerbungen bewirkte Struktur auf der Lauffläche. Dass Winter- und Sommerreifen sich deutlich unterscheidende Profile haben, ist bekannt. Herumgesprochen hat sich auch, dass viel Profil auf den Reifen gut und wenig Profil schlecht ist.

Anforderungen an Persönlichkeiten

Persönlichkeitsprofile aber lassen sich nicht in solche Schemata pressen. Das ist nicht zuletzt ein Grund dafür, weshalb es so schwer fällt, Bewerbungen zu schreiben, die eben weniger die eigene Person beschreiben, als vielmehr einem "Anforderungsprofil" gerecht werden sollen.

Fragen zum Text

Zeichnet man den Kopf eines Menschen im Profil, dann …

1. zeichnet man ihn mit Bleistift.

2. zeichnet man ihn in der Seitenansicht.

3. zeichnet man ihn sehr klein.

Möchte sich jemand profilieren, dann …

1. möchte er/ sie immer faul sein.

2. möchte er/ sie Menschen zeichnen.

3. möchte er/ sie sich in seinen Fähigkeiten verbessern.

Ein Profil befindet sich …

1. in einer Autotür.

2. in einem Autoreifen.

3. in einem Fahrrad.

Arbeitsauftrag

Wir suchen eine/ en neue/ n Mitarbeiter/ in – schreiben Sie eine Stellenanzeige für einen Job ihrer Wahl. Beschreiben Sie die Anforderungen des Jobs und die Vorraussetzungen, die man für den Job mitbringen sollte. Tauschen Sie anschließend die Anzeigen mit einem Mitschüler/ einer Mitschülerin aus und schreiben Sie eine Bewerbung für die Stelle.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Ingo Pickel / Beatrice Warken

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