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Politik

Professorin warnte schon 2005 vor Amokläufer

Der US-Bundesstaat Virginia lässt die Umstände des größten Schulmassakers in der Geschichte der USA von einer Sonderkommission untersuchen und reagiert damit auf die Kritik an dem Verhalten von Polizei und Universität.

Policeman vor einem Universitätsgebaude in Virginia, Quelle: AP

Bewachung am Campus der Universität von Virgina

Zwei Tage nach dem Amoklauf in Blacksburg im US-Bundesstaat Virginia sind die Hintergründe der Bluttat und das Tatmotiv weiter unklar. Die Wahrscheinlichkeit eines Liebes- oder Eifersuchtsdramas wurde am Mittwoch (18.4.07) im Zuge der Ermittlungen jedoch immer kleiner. Dozenten und Mitstudenten berichteten in US-Medien von vielen Anzeichen auf ein gestörtes Verhalten des 23-jährigen Südkoreaners Cho Seung-Hui.

Makabere Gedichte

Porträt Amokläufer Cho Seung-Hui

Der Amokläufer Cho Seung-Hui

Die Englisch-Professorin Lucinda Roy sagte dem Sender CNN, sie sei schon länger besorgt wegen des Zorns des Täters und seiner makaberen Gedichte gewesen. Sie habe ihn aus einer Klasse genommen und ein Semester lang einzeln unterrichtet. Dies sei vor rund eineinhalb Jahren gewesen. Roy hatte auch Polizei und Uni-Verwaltung informiert.

Nach Angaben zweier ehemaliger Zimmergenossen war Chos Verhalten "unüblich", er habe von Selbstmord gesprochen und drei Frauen nachgestellt. Die Behörden bestätigten laut CNN, dass im vergangenen Jahr gegen Cho ermittelt wurde, weil er eine Frau persönlich und per E-Mail verfolgt haben soll. Ian MacFarlane, der mit dem Täter in einem Kurs war, sagte CNN zufolge, Cho habe "sehr anschauliche" und "extrem beunruhigende" Theaterstücke geschrieben. Sie seien "wie aus einem Albtraum" gewesen. "Die Stücke waren voller perverser, makaberer Gewalt mit Waffen, die ich mir nie hätte vorstellen können."

Gab es einen Abschiedsbrief?

Spekulationen über einen Abschiedsbrief wurden zurückgewiesen: "Cho hat keine Suizid-Nachricht hinterlassen", sagte Steve Flaherty, Polizeisprecher des Bundesstaates Virginia. Jedoch berichtete der Sender ABC News, dass Cho eine Art Botschaft mit dem Text "Ihr habt mich dazu gebracht, das zu tun" hinterlassen habe. Bereits am Dienstag hatte die "Chicago Tribune" über diese Notiz berichtet, in der sich der Todesschütze über "rich kids", über "Verkommenheit" und "betrügerische Scharlatane" auf dem Campus beschwert habe.

Es schien weitgehend ausgeschlossen, dass der Todesschütze sein erstes Opfer, die Studentin Emily Hilscher, aus Eifersucht oder im Streit getötet hat. Deren Mitbewohnerin Heather Haugh sagte der "Los Angeles Times", dass Hilscher den Mann nicht persönlich gekannt habe und dass auch ihr der Name Cho völlig unbekannt gewesen sei.

Externe Ermittler

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Virginia, Timothy Kaine, hat eine unabhängige Untersuchung des Polizeieinsatzes bei dem Amoklauf an der Universität in Blacksburg angekündigt. Ein Gremium aus externen Ermittlern solle Vorwürfen nachgehen, die Campus-Polizei habe nach den ersten Schüssen am Montagmorgen zu spät reagiert, sagte der Demokrat Timothy Kaine am laut "Washington Post". Bei der Untersuchung solle es auch um die Frage gehen, ob die Universität richtig auf Warnhinweise über das auffällige Verhalten des aus Südkorea stammenden Amokschützen reagiert habe.

Ehrung für rumänischen Professor

In Seoul zeigten sich viele mit den Opfern des Amoklaufs solidarisch, Quelle: AP

Auch in Seoul zeigten sich viele mit den Opfern des Amoklaufs solidarisch

Der aus Rumänien stammende Professor Liviu Librescu, der während des Uni-Massakers getötet wurde, ist posthum in seiner Heimat geehrt worden. Rumäniens Staatspräsident Traian Basescu erkannte dem Wissenschaftler für sein "Heldentum" während den höchsten Staatsorden zu. Der 76-jährige Librescu hatte sich dem Attentäter in den Weg gestellt, um seinen Studenten die Flucht zu ermöglichen. Librescu hatte 1952 die Polytechnische Universität in Bukarest absolviert, wanderte 1978 nach Israel aus und später in die USA.

Neue Debatte über Waffengesetze

Nach dem blutigsten Amoklauf in der Geschichte der USA dauerte die Diskussion um die Waffengesetze an. Gouverneur Kaine sagte, an einer Debatte über Waffenkontrolle sei er nicht interessiert. Der demokratische Mehrheitsführer im US-Senat, Harry Reid, warnte vor übereilten Schritten für eine stärkere Waffenkontrolle. Zuvor hatten einige Parteimitglieder eine neue Gesetzesinitiative angeregt. Eine Verschärfung von Waffengesetzen ist in den USA von jeher ein heikles Thema im Präsidentschaftswahlkampf.

Nach Angaben des Besitzers eines Waffengeschäfts war Cho "unauffällig", als er vor einem Monat eine 9-Millimeter-Pistole vom Typ Glock kaufte. Zudem benutzte der Schütze auch eine Walther vom Kaliber 22, so die Polizei. (kas)

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