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Wirtschaft

Produktfälscher entdecken deutsche Maschinen

Internationale Marken- und Produktfälscher beschränken sich schon längst nicht mehr auf modische Kleidung oder Luxusartikel. Zunehmend geraten auch Maschinen und Motoren ins Visier der Produktpiraten.

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Objekt der Begierde:
deutsche Industrieanlagen


Nach einer internen Untersuchung des Verbandes der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) hat inzwischen jedes zweite Mitgliedsunternehmen mit Einbußen durch internationale Marken- und Produktpiraterie zu kämpfen. Immer mehr Mitgliedsfirmen fragten um Rat, was bei illegalen Kopien zu tun sei. Überraschend sei, so VDMA-Rechtsexperte Heiko Beplat, dass seit zwei bis drei Jahren in fast allen Bereichen des Maschinenbaus illegale Kopien beklagt werden - sie reichen von Wälzlagern, Ersatzteilen für Auto- und Flugzeugmotoren bis hin zu Fördertechnikgeräten oder ganzen Werkzeugmaschinen. Teilweise würden sie eins zu eins nachgebaut, inklusive Bildmaterial, Prospekten und Bedienungsanleitungen. Bei Plagiaten würden oft billigere Werkstoffe verwendet als bei den Originalen, was mitunter auch Sicherheitsrisiken berge.

China als Hauptplagiator

China WTO-Mitglied

Geldsegen für chinesische Fälscher

Nach Recherchen des VDMA werden die Plagiate überwiegend, nämlich zu 75 Prozent, in Ostasien produziert. Von jedem zweiten befragten Unternehmen sei China als Ursprungsland der Nachbauten genannt worden. Diether Klingelnberg, Präsident des VDMA, rät seinen Mitgliedsfirmen als Abwehrstrategie, chinesische Zulieferanten mit einzubinden und außerdem die Entwicklungszyklen zu verkürzen: "Wenn ein Chinese eine Maschine nachgebaut hat, sollten wir schon eine neue am Markt haben."

Der VDMA schätzt in seiner internen Studie die Umsatzverluste in der Spitze auf bis zu zehn Prozent, im Schnitt lägen sie bei drei Prozent. Nimmt man diese Relation als Maßstab, dann entsteht dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau pro Jahr ein finanzieller Schaden von 400 bis 500 Millionen Euro. Aber die Dunkelziffer ist hoch.

Rechtsstreitigkeiten kosten Zeit und Geld

Oft werden solche Plagiate rein zufällig entdeckt - wenn die Nachahmer ihre Produkte auf internationalen Messen anbieten. Einen wirksamen Schutz gegen Plagiate gibt es allerdings kaum. Der VDMA rät seinen Mitgliedern, sich einen größtmöglichen Schutz für Produkte und Marken durch gewerbliche Schutzrechte zu sichern. Aber auch das hilft oft nicht weiter. Verbandschef Klingelnberg meint, dass es immer besser ist sich zu einigen als sich zu wehren, "weil Patentstreitigkeiten und Schutzrechtstreitigkeiten sehr zeitaufwendig sind und unheimlich viel Geld kosten."

Und so kommt es, dass in jedem dritten entdeckten Fall überhaupt nichts passiert. Bei einem weiteren Drittel kommt es zu einer außergerichtlichen Einigung - nur der Rest landet vor einem Richter.

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