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Kultur

Problem und Schlüssel zum Erfolg in einem: Afrikas Eliten

Viele Gegenden Afrikas stecken in tiefer Armut, sind vom Wirtschaftswachstum der Industrie- und Schwellenländern abgekoppelt und kämpfen täglich gegen Hunger und Korruption. Gibt es einen Ausweg?

Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung

Konferenz-Teilnehmer in der Konrad-Adenauer-Stiftung

Wirkungsvolle Armutsbekämpfung muss bei den Eliten ansetzen, da waren sich die die Teilnehmer der Konferenz "Elite Macht Afrika" in Berlin einig. Denn das Versagen der Eliten sei der wichtigste Grund, warum die Menschen in Afrika nicht am globalen Wirtschaftswachstum teilhaben sondern arm bleiben.

Aus Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers Robert Kappel müsse man genau genommen bei den Wirtschaftseliten beginnen, wenn man Armut in Afrika bekämpfen wolle. "Blicke man auf den Mechanismus, der zur Armut führe, so erkenne man, dass das mangelnde Wachstum der Unternehmen ein Problem darstelle. "Die Lehre muss doch sein", sagt Kappel, "dass wir darauf setzen, den Mittelstand zu fördern.“ Wenn lokales Wachstum sich um ein bis zwei Prozent erhöhe, wüchsen die Einkommen der Bevölkerung viel stärker, nämlich um drei bis vier Prozent. "Damit steigt das Wohlstandsniveau etwas an, und das kann einen Multiplikatoreffekt auslösen."

Fatoumata Sirè Diakitè mit Gesprächsleiterin Ute Schaeffer Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung

Fatoumata Sirè Diakitè mit Gesprächsleiterin Ute Schaeffer (r.)

Mangelndes Verantwortungsbewusstsein

Noch aber fühlen sich die afrikanischen Eliten in Wirtschaft, aber auch in Politik und Gesellschaft dem Gemeinwohl ihrer Länder zu wenig verpflichtet. Und die Entwicklungshilfe von westlichen Geberstaaten lähme jegliche Form von Eigeninitiative, meint Fatoumata Sirè Diakitè, Botschafterin aus Mali. Entwicklungshilfe allein sei nicht wirkungsvoll. Wichtiger sei das Engagement von lokalen Eliten. Selbst wenn diese ihre Länder auf Zeit verlassen und emigrieren. "Was die malische Diaspora an Geld nach Mali überweist, macht drei Mal mehr aus als die Entwicklungspolitik. Und die Malier, die sich im Ausland befinden, stoßen damit ganz konkrete Projekte in ihren Heimatdörfern an."

Ob Bürgermeister, Lehrer oder diplomierter Absolvent einer europäischen Hochschule – ihnen komme die Verantwortung für ihr Land zu. Doch zu oft gelte für Afrika, dass die politischen Rahmenbedingungen Elitenwachstum und Elitenwandel behinderten. Dass gelte leider auch für Mali, das häufig für seinen demokratischen Wandel gelobt werde, sagt Thomas Scheen, der für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" aus Afrika berichtet. "Politische Veränderungen durch Eliten können nur dann stattfinden, wenn die Politik es zulässt. Und da – tut mir leid – kann ich in Afrika keine großen Fortschritte feststellen."

Sehnsucht nach Vernunft und Führung

Angesichts der wachsenden Geschwindigkeiten in einer globalisierten Wirtschaft und Wissensgesellschaft herrsche die Gefahr, dass die afrikanischen Eliten den Anschluss verlieren, warnt der Kameruner Wirtschaftsethiker Tumenta Kennedy vom Wittenberg-Zentrum: "Hier sind die afrikanischen Eliten gefordert ihre Kompetenzen zu definieren. Wir brauchen politischen Unternehmergeist. Das bedeutet Entscheidungsträger, die bereit sind, in schwierigen Situationen vernünftige Entscheidungen im Interesse ihrer Bevölkerung zu treffen."

Eliten dürften keine Egoisten sein, einigten sich die Teilnehmer der Diskussion, die am 14. Oktober stattfand und von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert wurde. Zu oft stünden sie sich selbst näher als zum Beispiel ihren Wählern, wirtschafteten in ihre eigene Tasche. Viel mehr müssten sie Entscheidungen im Interesse des Gemeinwohls treffen. Und genau das geschehe bisher viel zu selten, gab selbst die malische Botschafterin Diakitè zu verstehen. "Teil der Elite sein, das bedeutet einen gewissen Wissensstand zu haben und dieses Wissen auch weitergeben zu wollen, in den Dienst der Gesellschaft stellen zu wollen. Das heißt, sein Wissen mit den anderen teilen, sein Wissen seinem Dorf, seinem Land zur Verfügung zu stellen."

Schuss in den Ofen: Entwicklungshilfe

Vielleicht sind die Geberstaaten, ist die Entwicklungspolitik mit daran schuld, dass sich diese Einstellung bei den afrikanischen Eliten nicht schnell genug durchsetzt. Denn Entwicklungspolitik befeuere eine gewisse Lethargie, spitzte der Journalist Thomas Scheen die Diskussion zu: "Wir schaffen Abhängigkeiten. Wir machen eigentlich unglaublich viel kaputt. Wenn ich mal bei dem Beispiel Mali bleibe: Wenn der Haushalt dort zur Hälfte durch Geber finanziert ist, dann frage ich mich schon, was haben die eigentlich gemacht in den letzten 50 Jahren aus eigener Kraft?"

Wie viele andere Staaten auch hat sich Mali bisher nicht aus der Armutsfalle befreien können. Das Land steht immer noch auf dem fünftletzten Platz des Indexes für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen – Tendenz fallend. Entschlossene und engagierte Eliten wären in der Lage, das Land aus dieser Falle zu führen. Voraussetzung dafür aber bleibt: Eliten dürfen keine Egoisten sein.

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