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Kultur

Pro: Inklusion im Leistungssport

Mitte August wird die Leichtathletik-WM ohne Markus Rehm beginnen, Oscar Pistorius hingegen war als Prothesenträger bei den Olympischen Spielen dabei. Inklusion - was spricht dafür und wie kann sie aussehen?

Die Paragrafen

Auf dem Papier sind sich alle einig. Menschen mit Behinderungen dürfen nicht diskriminiert werden. In der UN-Konvention, die die Rechte von Menschen mit Behinderungen beschreiben, wird unter anderem die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt eingefordert. Ein pauschaler Ausschluss von der Teilnahme bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spiele wäre demnach nicht gerechtfertigt. Die Bundesregierung hat diese Behindertenrechtskonvention 2009 ratifiziert.

Sie hat es nicht nur ratifiziert, es gibt auch Bestrebungen die Inklusion, also die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilnahme am Leben, im Sport voranzutreiben. In einem

Papier des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

heißt es: "Der Leistungssport von Menschen mit Behinderungen wird durch das Bundesministerium des Innern grundsätzlich nach den gleichen Kriterien gefördert wie der Spitzensport der Nichtbehinderten."

Die Vorbilder

Sportler sind oftmals Vorbilder. Erfolgreiche Athleten mit Behinderungen können daher anderen Menschen, mit angeborenen oder durch Unfälle verursachten Einschränkungen, Mut machen, in Bereichen aktiv zu werden, die sie für sich bis dato nicht entdeckt hatten. Auch der Weitspringer

Markus Rehm beschrieb,

wie er nach seinem Unfall und der Amputation des Unterschenkels wieder Mut bekam, Sport zu treiben, weil er im Krankenhaus Videos von anderen Sportlern ansah. Die Teilnahme von nichtbehinderten und behinderten Sportlern Seite an Seite wäre "eine sehr kraftvolle Botschaft", meint auch Reyk Albrecht, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Ethikzentrums der Universität Jena. "Das wäre ein klares Signal: Wenn wir die Möglichkeit haben, dann wollen wir euch auch vollständig teilhaben lassen, an dem was möglich ist - auch im Spitzensport."

Die Auslegung

Inklusion bedeutet nicht nur, dass Menschen ohne und mit Hilfsmitteln gemeinsam in einem Wettbewerb um den Sieg kämpfen. Vergleichbare Trainingsmöglichkeiten oder finanzielle Unterstützung bedeuten ebenfalls Gleichberechtigung. "Auch die Prämien, die Medaillen etwa, haben zum Beispiel mit Inklusion im Spitzensport zu tun", sagt Reinhild Kemper, Vize-Präsidentin für Bildung und Wissenschaft Special Olympics Deutschland (SOD). "Bei den Paralympics haben die Sportler früher weniger Geld gewonnen. Das ist mit den Spielen in Sotschi erst angeglichen worden."

Die Natürlichkeit des Körpers

Nahaufnahmen von Athleten bei den Olympischen Spielen zeigen uns im Fernsehen und auf Fotos scheinbar makellose Körper. "Prothesen sieht man, da kommen direkt Fragen auf: Ist das nicht illegal? Ist das nicht Technikdoping?", sagt der Sportphilosoph Arno Müller. Doch: "Es gibt auch Ungleichheiten, die nicht sichtbar sind." Andere Sportler hätten vielleicht ein künstliches Hüftgelenk oder eine Knieoperation hinter sich, aus der sie womöglich gestärkt hervorgehen. Ihr Körper ist nicht mehr im ursprünglichen Zustand. Bei all den Fortschritten durch Medizin, Ausrüstung und Ernährung müssen die Grenzen zwischen dem, was uns natürlich erscheint und dem was beeinträchtigt oder abgewandelt erscheint, womöglich neu gezogen werden.

Die Chancengleichheit

Die Sportwelt kann nur Gewinner küren, wenn die erbrachte Leistung vergleichbar ist. Die Leistung von dem südafrikanischen Sprint-Star Oscar Pistorius zu vergleichen mit Sportlern ohne Prothesen scheint auf den ersten Blick nicht möglich zu sein. Studien allerdings ergaben, dass sich die Vor- und Nachteile der Prothesen die Wage halten und ein Vergleich somit möglich ist. Solange es Möglichkeiten gibt, gravierende Vorteile auszuschließen, könnten auch andere Sportler mit Hilfsmitteln an herkömmlichen Wettbewerben teilnehmen.

Wie genau man es mit den Messungen nehmen muss, ist Ansichtssache. Mit anderen Vor- und Nachteilen lebt die Sportwelt schließlich schon jetzt: Berufssportler treten gegen Athleten an, die nur nach Feierabend trainieren können. Einige Länder können sich teurere Ausrüstungen leisten als andere. Absolute Chancengleichheit bleibt auch ohne die Diskussion um behinderte und nichtbehinderte Teilnehmer Wunschdenken.

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