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Amerika

Pro - Für einen geordneten Abzug

Ein rascher Abzug aus Afghanistan widerspricht politischer Vernunft, sagt Said Musa Samimy in seinem Kommentar und plädiert für eine militärisch geordnete und zielorientierte Exit-Strategie.

Samimy Said Musa (Foto: dw)

Samimy Said Musa

Trotz aller berechtigten Sorgen der Bürger sowie populistischer Gemütsverfassung einiger Kreise wäre es strategisch undurchdacht, militärisch inkonsequent und politisch unplausibel, sich für einen raschen Abzug aus Afghanistan einzusetzen.

Die Konsequenzen einer derartigen halb durchdachten Entscheidung wären für die Stabilität nicht nur Afghanistans, sondern für die gesamte Region fatal. Erinnert werden soll aber auch an das ursprüngliche Ziel des Militär-Engagements im afghanischen Vielvölkerstaat: die akute Gefahr des internationalen Terrorismus zu dämpfen. Diese Gefahr ist nicht einmal ansatzweise gebannt.

Sprung ins kalte Wasser

Die seit Jahrhunderten gemachten Erfahrungen mit dem Militär-Engagement am Hindukusch sprechen eine eindeutige Sprache: Afghanistan kann militärisch allein nicht befriedet werden; vor allem dann nicht, wenn das Militär-Engagement halbherzig und unkoordiniert erfolgt, und insbesondere wenn kein Ende abzusehen ist.

Das Militär-Engagement in Afghanistan glich einem Sprung ins Wasser, wobei der internationalen Gemeinschaft weder dessen Temperatur noch dessen Tiefe bekannt war. Die internationalen Militärkräfte waren weder in ihrer nationalstaatlichen Zusammensetzung, noch in ihrem konzeptionellen Potential und noch weniger seitens einer adäquaten technischen Ausrüstung dazu prädestiniert, diese Herkules-Aufgabe am Hindukusch zu erfüllen.

Militäreinsatz mit fatalen Folgen

Die Strategie der internationalen Gemeinschaft zielte ursprünglich auf die Stabilisierung der politischen Verhältnisse sowie den ökonomischen Aufbau des Landes ab. Das sollte durch geringfügigen Militärbeistand flankiert werden. Im Laufe der Zeit wurde jedoch der Militäreinsatz zum Hauptbestandteil der Afghanistan-Strategie - mit fatalen Konsequenzen vor allem für die Stimmung in der Bevölkerung. Die anfänglich euphorische Einstellung, das Militär als Garant für die Sicherheit zu sehen, erfuhr einen Wandel: Die militärische Präsenz wurde als Besatzung wahrgenommen.

Behutsamer Truppenabzug

Um die Notwendigkeit des ausländischen Militärs in Afghanistan überflüssig zu machen, sollte eine behutsame, im Einzelnen auf einander abgestimmte Exit-Strategie erarbeitet werden: Eine Strategie, die dem ökonomischen und zivilen Aufbau gegenüber dem militärischen Engagement klare Priorität einräumt. Gleichzeitig muss dafür gesorgt werden, dass die afghanischen Sicherheitskräfte in die Lage versetzt werden, eigenständig für die Sicherheit des Landes sorgen zu können. Diese Kräfte müssen adäquat ausgebildet, angemessen ausgerüstet und entsprechend entlohnt werden. Die Realisierung eines derartigen Planes mit konkretem Zeithorizont kann als Garant dafür gelten, dass Afghanistan nicht in chaotische Verhältnisse zurückfällt. Erst dadurch wird verhindert, dass die Schluchten des Hindukusch wiederum zu Brutstätten des internationalen Terrorismus werden.

Autor: Said Musa Samimy

Redaktion: Stephanie Gebert