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Nordkorea

Privat-Uni in Pjöngjang sucht US-Unterstützung

Bei Hochschulkontakten zwischen den USA und Nordkorea ist Vorsicht geboten. Die texanische A&M-Universität bietet Expertise für bessere Nahrungsmittelversorgung an, muss aber auf Sanktionen Rücksicht nehmen.

Zum ungezwungenen Abschluss gab es ein gemeinsames texanisches Barbecue. Nach den Gesprächen einer Delegation der naturwissenschaftlich-technischen Hochschule von Pjöngjang (englische Abkürzung PUST) an der staatlichen amerikanischen Universität Texas A&M  (TAMU) in der Nähe von Houston betonten beide Seiten, weiter in Kontakt bleiben zu wollen. Und wenn möglich soll es auch einen Gegenbesuch der Wissenschaftler aus Texas in Pjöngjang geben, sagt Edwin Price.

Er leitet das Zentrum für Konflikt- und Entwicklungsforschung an der landwirtschaftlichen Fakultät der TAMU und war selbst auch schon in Nordkorea, wie er der DW erzählt. "Ich war 2010 auf Einladung dort. Ein Absolvent der TAMU und gleichzeitig einer der führenden Köpfe der internationalen Allianz evangelikaler Christen hat die Reise organisiert. Er bemühte sich um Unterstützung für die Hochschule."

Portrait von Dr. Edwin C. Price, Center on Conflict and Development at Texas A&M University (Texas A&M University)

Dr. Edwin Price ist Leiter des Zentrums für Konflikt- und Entwicklungsforschung an der landwirtschaftlichen Fakultät der Texas A&M

US-Kirchen unterstützen Privat-Uni für Nordkoreas Elite

Das ist kein Zufall: Die naturwissenschaftlich-technische Hochschule von Pjöngjang ist die erste und bis heute einzige private Hochschule Nordkoreas. Sie wurde von dem koreanisch-stämmigen US-Amerikaner und evangelikalen Christen Chin-Kyung "James" Kim gegründet und vor sechseinhalb Jahren eröffnet. Mehr als 550 Studenten, Kinder der Führungsschicht, sind dort zurzeit eingeschrieben. Geleitet wird sie von evangelikalen Missionaren aus dem Ausland, auch sämtliche Dozenten stammen aus dem Westen. Hauptsponsor der PUST sind nach Angabe von Price texanische Kirchen. Ihren Glauben dürfen die Lehrkräfte auch auf dem Privat-Campus allerdings nicht praktizieren, Christen werden in Nordkorea stark verfolgt.

Trotz der Förderung aus dem Westen war der Besuch einer nordkoreanischen Universitätsdelegation ausgerechnet in den USA doch ungewöhnlich. Worum es dabei ging – oder auch nicht ging – erläutert Edwin Price gegenüber der DW: "Es gab keine konkreten Ziele für Kooperationen oder dergleichen. Man darf nicht vergessen, dass es keine im Auftrag der nordkoreanischen Regierung entsandte Delegation war, sondern vielmehr Vertreter einer privaten Universität im Land."

Gruppenfoto von Studenten und Lehrkräften der PUST aus dem Jahr 2014 (imago/Xinhua)

Im September 2010 nahm die PUST den Lehrbetrieb auf - zunächst mit 50 Studenten

Ernährungslage in Nordkorea nicht thematisiert

Bei allen sechs Teilnehmern der Delegation – darunter auch der Hochschulgründer James Kim - habe es sich zudem um amerikanische Staatsbürger gehandelt. "Der Fokus unserer Gespräche lag auf der Ausbildung von Studenten in Nordkorea, die eines Tages dazu beitragen sollen, die Nahrungssicherheit in ihrem Land zu verbessern", sagt Price. Die aktuelle Ernährungssituation und die chronischen Mängel, mit denen Nordkorea zu kämpfen hat, habe man allerdings nicht thematisiert. In den 90er herrschte in Nordkorea zeitweise eine Hungersnot. Die Nahrungsmittelrationen beliefen sich im vergangenen Jahr nach UN-Angaben auf 360 Gramm pro Tag, die niedrigste Menge der vergangenen fünf Jahre.

Drei zentrale Anliegen hätten die Gesandte der nordkoreanischen Uni konkret angesprochen. "Erstens brauchen sie Absolventen oder Lehrkräfte von US-Universitäten, um ihre Studenten zu unterrichten. Zweitens benötigen sie Unterrichtsmaterialien, um die Lehrpläne für die Studienfächer Landwirtschaft, Finanzwesen, Elektrotechnik, Informatik, Gesundheitswesen und Pflege zu verbessern." Und drittens fehle es an Saatgut und Equipment für Lehr- und Forschungszwecke. Hier wolle die TAMU nach Möglichkeit helfen, erklärt Price.  Wobei er betont, dass sämtliche Unterstützung von Seiten der Texaner immer nur "in Einklang mit bestehenden Sanktionen und den Richtlinien unserer Hochschule" stehen muss.

Nordkoreanische Bäuerin auf ausgetrocknetem Feld (Foto: AP/Wong Maye-E)

Im Sommer 2015 meldete Nordkorea die schlimmste Dürre seit 100 Jahren

Friedensengagement der texanischen Uni

Die texanische Universität ist nach Medienberichten nicht die einzige Uni in den USA, die von PUST kontaktiert wurde. Doch bis auf die texanische Ausnahme hätten alle darum gebeten, den Namen ihrer Hochschule nicht öffentlich zu nennen und lieber anonym zu bleiben. Für seine Uni habe das Engagement in Nordkorea sowohl akademische als auch altruistische Hintergründe, sagt Edwin Price. "Wir sind davon überzeugt, dass Ernährungssicherheit für den Frieden auf der Welt ein zentraler Bestandteil ist." Mit konfliktreichen Regionen hat die TAMU bereits Erfahrung, etwa durch Projekte in Afghanistan oder in Zentralafrika.

"Wir haben die Pläne im Vorfeld mit vielen Kollegen und der Verwaltung besprochen, und es gab keine Einwände gegen den Besuch. Auch mehrere Dekane und ihre Stellvertreter haben sich beteiligt." Für den Fall einer regelmäßigen Zusammenarbeit beider Hochschulen bekräftigt Edwin Price: "Alles, auch jede mögliche Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien, werden wir nur in Abstimmung mit dem ‚Office of Foreign Assets Control‘ des US-Finanzministerium durchführen.“ Das ist die Behörde, die für die Durchführung der amerikanischen Handels- und Finanzsanktionen zuständig ist.

Also sehr viel Vorsicht auf Seiten der Amerikaner. Und auch von Seiten der nordkoreanischen Uni gibt man sich bescheiden, was die Wünsche bezüglich einer solchen Kooperation betrifft. "Was die PUST am dringendsten braucht, sind Menschen, die nach Pjöngjang kommen, um für einen begrenzten Zeitraum vor Ort zu unterrichten und dabei mehr über die Hochschule zu erfahren." Das sagte PUST-Leiter James Kim seinem texanischen Gegenüber Price zum Abschluss des Besuchs.

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