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Wirtschaft

Prinzen, Prunk, Profite

Karneval hat sich in Deutschland längst zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt. Doch angesichts von Konjunkturflaute und kaufunlustigen Verbrauchern sitzt das Geld für Faschingsfeiern nicht mehr ganz so locker.

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Karneval am Kölner Dom

Beim Kölner Karnevalskaufhaus "Karnevalswierts" geht es zu wie beim Schlussverkauf: Auf den letzten Drücker müssen noch Pappnase, Perücke und Kostüm her. Und so drängeln sich die Jecken in dem mehr als 3000 Quadratmeter großen Geschäft für Karnevalsartikel. Für Geschäftsführer Frank brummt das Geschäft ganzjährig, der große Run hat direkt nach Weihnachten angefangen. "Karneval ist eigentlich krisensicher", sagt er, "denn gerade wenn's den Leuten nicht so gut geht, hat man eigentlich die Neigung, Karneval noch mehr zu feiern. Dann fahren vielleicht auch viele Leute nicht in Urlaub und sagen sich, dann feier' ich dieses Jahr schön Karneval. Die ganzen Verrückten sagen sich dann, lieber drei mal im Monat weniger essen gehen und dann schön feiern."

Vier Milliarden Umsatz

Fastnachtsbräuche-Bayerische Schellenrührer im Schnee Mittenwald

Bei Schneetreiben ziehen die sogenannten Schellenrührer am Unsinnigen Donnerstag durch Mittenwald (10.2.1994). Ziel des Umzuges von Wirtshaus zu Wirtshaus ist es, den Winter auszutreiben. Die Tage vor der alljährigen Fastenzeit werden in Mainz und Umgebung als Fastnacht, im Rheinland als Karneval, im schwäbisch-alemannischen Gebiet als Fasnet und im bayerisch-österreichischen Raum als Fasching gefeiert. Offizieller Beginn ist jeweils der 11.11., elf Uhr elf.

Dass Karneval neben dem Alkohol auch das Geld fließen lässt, weiß auch Franz Wolf, Präsident vom "Bund Deutscher Karneval" nur zu gut. Fast jede Branche profitiere davon. "Das fängt an, dass die Damen zum Friseur gehen, wenn sie zu irgendeiner Veranstaltung gehen oder dass man mit dem Taxi hin fährt oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, dass man sich ein Kostüm kauft oder schneidert, Getränke, Gastronomie und all diese Dinge sind durch das Wirtschaftsprüfungsinstitut McKinsey errechnet worden und daraus ergibt sich dann, ohne zu flunkern, dass in Deutschland der Karneval etwa vier Milliarden Euro im Jahr umsetzt."

Krise

Doch bei den Vereinen in den Karnevalshochburgen an Rhein und Main kriselt es. Offenbar immer weniger Jecke sind bereit, bei einem närrischen Sitzungsabend mit allem drum und dran ein paar Hunderter zu lassen. Wolf sagt: "Es gibt in diesem Jahr selbst in Köln, einer der so genannten Karnevalshochburgen, zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren Vereine, die große Probleme haben, die ihre Veranstaltungen nur zu 80 Prozent verkauft bekommen, wo immer einige Tisch leer bleiben und das sind die ersten Anzeichen."

Franz Wolf weiß auch schon, wer schuld ist: "Das ist für mich ein unmögliches Ding, was die Gastronomie gemacht hat, die hat ja zum Teil einfach nur D-Mark- in Euro-Preise umgewandelt, das kann ja kein Mensch mehr bezahlen."

Leere Säle, leere Kneipen, leere Kassen - die Städte kürzen ihre Zuschüsse und bei den jecken Gönnern sitzen die Geldspenden auch nicht mehr so locker. Dabei fehlt es an allen Ecken und Enden. Rund 400.000 Euro muss eine größere Karnevalsgesellschaft in der Kasse haben, um vom Büttenredner über die Kapelle bis zum Dixiklo alles zu bezahlen.

Schweigen über Honorare

Darum haben die Karnevalsgesellschaften kurzer Hand eingeführt, was bei großen Sportereignissen längst üblich ist, nämlich den Verkauf von Übertragungsrechten. "Das ist unsere Haupteinnahmequelle überhaupt, diese Fernsehsitzung und die Honorare, die wir von der ARD, vom ZDF und von RTL bekommen", sagt Wolf. "Der Rosenmontagszug wird vom WDR übertragen als unser so genannter Haussender und sonst von niemandem, die anderen dürfen nur aktuell berichten - also so die üblichen drei Minuten."

Von siebenstelligen Beträgen wird gemunkelt, die der WDR dafür springen lässt. Doch über die wahren Zahlen hüllt man sich in vornehmes Schweigen.

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