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Kultur

Prinz Eisenherz wird generalüberholt

Im "New York Journal" erblickte Prince Valiant alias Prinz Eisenherz vor 75 Jahren das Licht der Welt und eroberte sie im Sturm. In Deutschland erscheinen die Geschichten der ersten Stunde nun in neuem Glanz.

Leise surrt der Scanner, Pixel für Pixel, Minute um Minute. Der Computer hat viel zu tun mit einer Hälfte einer großen Zeitungsseite. Die andere hängt heraus, vergilbtes, dünnes und an den Rändern kaputtes Papier. Sehr altes Papier: ein originaler, 1951 in einer Zeitung in den USA veröffentlichter Comicstrip. Ein ganzer Stapel davon liegt im Büro von Achim Dressler, der seit Jahren diese "Fullpages", die ganzseitigen Zeitungsdrucke mit Prince Valiant, sammelt.

Aus blond wird schwarz mit Pony

Comicheft Prinz Eisenherz (Foto: Michael Borgers)

Prince Eisenherz ist ein Held der Comicgeschichte

Der Mittelalterheld ist eine der populärsten Figuren der Comicgeschichte. Ihr Schöpfer, Zeichner und Autor Harold R. Foster, gilt als einer der virtuosesten seines Faches. Am 13. Februar 1937 erscheint der Beginn seiner Mittelaltersaga zum ersten Mal in einer Zeitung. Bis 1971 zeichnet der US-Amerikaner dann Woche für Woche eine neue Seite. 1788 werden es insgesamt. Es sind auch die erfolgreichsten Jahre für den Prinzen: Zeitungen auf der ganzen Welt drucken die Geschichte ab, Hollywood verfilmt sie. Verlage sammeln und veröffentlichen die Geschichten in eigenen Heften, zig Millionen Kinder und Erwachsene fiebern mit.

In Deutschland braucht der schwarzhaarige, für seinen markanten Pony bekannte Ritter zwei Anläufe. 1939 erscheint er erstmals in der Kinderzeitschrift "Papagei". Allerdings unter dem Namen "Prinz Waldemar", der wiederum ein Gefährte des eigentlichen Prinzen ist und den Herausgebern wohl als der besser geeignete Protagonist erscheint. Er hat blonde Haare und passt damit besser ins Weltbild der Nazizeit. Dennoch endet auch sein Weg bald, nach nur wenigen Ausgaben wird "Prinz Waldemar" eingestellt. Erst Anfang der 1950er Jahre gelingt dann der Durchbruch: Aus Prince Valiant wird Prinz Eisenherz.

Qualität, wem Qualität gebührt

Alte Original-Prinz Eisenherz-Ausgaben und ihre digital überarbeiteten Fasungen (Foto: Michael Borgers)

Original-Prinz und Überarbeitung

Die Deutschen schließen ihn gleich in ihr Herz. Dabei sind Comics in den frühen Jahren der Bundesrepublik unter den sogenannten Bildungsbürgern nicht gut gelitten. Das Schundimage haftet ihnen an. Doch der Prinz hebt sich positiv ab. Der Text findet sich in Blocksatz unter dem Bild, nicht in einer Sprechblase. Außerdem spielt die Erzählung im Mittelalter, ein Hauch von historisch Wertvollem weht mit. Auch Achim Dressler darf sich das Heft kaufen, das ihm zuvor ein Mitschüler gezeigt hatte und er fängt sofort Feuer für den Comichelden. Ein Feuer, das auch noch brennt, als er erwachsen ist.

Mitte der 2000er Jahre dann die Gelegenheit: Ein großer Verlag verstößt Eisenherz aus seinem Programm, der Bonner Unternehmer greift zu. Den Lizenzgeber in den USA überzeugt er mit seinem Ansatz: Die alten Geschichten sollen endlich in gebührender Qualität auf den Markt kommen, er will sie restaurieren. Denn veröffentlicht wurden sie in den vergangenen Jahrzehnten wieder und wieder. Nur die Qualität der Zeichnungen wurde dabei nicht besser, als Besitzer einer Comic-Buchhandlung weiß er das genau. Und beschließt, das Geschäft mit Superman, Asterix und Co aufzugeben - um sich fortan ganz auf Prinz Eisenherz zu konzentrieren, als sein deutscher Verleger.

Bewahrer des Foster-Erbes

Verleger Achim Dressler (Foto: Michael Borgers)

Achim Dressler

Mehr als fünf Jahre später: Achim Dressler sitzt am Computer. An den Wänden seines Altbaubüros hängen gerahmte Comicstrips des Prinzen, auf den zwei Bildschirmen vor ihm erscheinen sie als digitale Version. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm nimmt er sich Zeichnung für Zeichnung vor: Er schärft die Konturen, ergänzt fehlende Stellen, lässt die Farben wieder satter und genauer erscheinen. Fast zwei Tage braucht er für eine Seite, an der ihr Schöpfer damals bis zu 80 Stunden saß. Harold R. Foster betrieb einen enormen und beispiellosen Aufwand für ein Wegwerfprodukt wie eine Zeitung, für die seine Arbeit bestimmt war.

Auch deshalb würde dem Eisenherz-Schöpfer, würde er noch leben, die neue Version gefallen, ist sich Achim Dressler sicher. Mit seinem Bocola-Verlag versteht er sich als Bewahrer des Foster-Erbes. Und als Verbesserer. "Wir bringen die Geschichten in die perfekte Form, die auch er gewollt hätte, hätten damals die Möglichkeiten bestanden." Gerade sitzt er am abschließenden 18. Band, den Jahrgängen 1970/71. Prinz Eisenherz wird ihn aber weiterhin begleiten. John Cullen Murphy zeichnete die Geschichten bis 2004 weiter - auch diese Zeichnungen des Nachfolgers von Harold R. Foster will Achim Dressler in neuem Glanz erscheinen lassen.

Autor: Michael Borgers
Redaktion: Marlis Schaum