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Kultur

Priesterinnen, nicht Hexen

Frauen als Priester - in der katholischen Kirche undenkbar. So war es auch in der Church of England - bis vor zehn Jahren. Seitdem hat sich viel verändert - und einiges nicht.

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Frauen, die etwas zu sagen haben, verändern die Kirche gewaltig

Die Church of England ist eine Kirche voller Widersprüche. Auf der einen Seite stellt sie den Erzbischof von Canterbury und ist damit so etwas wie die Mutter-Diözese der weltweiten Anglican Communion. Auf der anderen Seite gibt es innerhalb der Church of England immer wieder Grabenkämpfe zwischen Reformern und Traditionalisten. Eine der umstrittendsten Entscheidungen wurde vor zehn Jahren getroffen. Am 12. März 1994 wurden die ersten Frauen in der Church of England zu Priesterinnen ernannt. Frauen im Priestergewand - das ist bei den Anglikanern bis heute ein Streit-Thema.

Träume und Widerstände

Etwa auch in der All Saints Church in Hackney im Osten von London. Am Altar steht an diesem Sonntag Rose Hudson Wilken. Vor zehn Jahren war sie eine der ersten Frauen, die in der Church of England zu Priesterinnen ernannt wurden. Mit diesem Beruf sei ein Traum wahr geworden, sagt sie. "Andererseits gibt es immer noch viel Widerstand gegen uns Priesterinnen."

Die ersten Priesterinnen wurden in der Kathedrale von Bristol ins Amt eingeführt. Allerdings unter Protest: Konservative Priester und Bischöfe haben damals Kirchturm-Glocken läuten lassen und die Frauen im Priestergewand als Hexen bezeichnet.

Für die meisten Gottesdienstbesucher in der Gemeinde von Rose Hudson Wilken ist es inzwischen aber etwas völlig normales, dass vorne am Altar eine Frau steht und kein Mann. "Als ich ein Junge war, da gab es noch keine weiblichen Priester. Jetzt komme ich seit einigen Jahren wieder in diese Kirche, und ich muss sagen, die Priesterinnen machen gute Arbeit", sagt einer der Gottesdienstbesucher. "Ich glaube, Priesterinnen verstehen uns Frauen einfach besser. Und die meisten Leute, die heute in die Kirche kommen, sind schließlich Frauen. Priesterinnen machen unsere Gottesdienste frischer, neuer. Das ist wichtig gerade in einer Institution wie der Church of England, die so Männer-dominiert ist", sagt eine Frau.

"Warum hat Gott seinen Sohn geschickt?"

Die englische Staatskirche hat vor zehn Jahren allerdings großzügige Ausnahme-Regelungen eingeführt, um konservative Gruppen zu besänftigen. Kirchengemeinden etwa, die sich gegen die Ernennung einer Priesterin aussprechen, werden auch weiterhin nur von Männern betreut. Eine solche Gemeinde befindet sich gleich in der Nachbarschaft von Rose Hudson Wilken. "Warum hat Gott uns Jesus als Sohn auf die Welt geschickt und nicht als Tochter?" fragt dort eine Gläubige. "Ich bin für Gleichberechtigung, aber ich kann Priesterinnen einfach nicht akzeptieren."

Die Frage, ob man Frauen zum Priesteramt zulassen dürfe, war in England jahrelang diskutiert worden. Vor zehn Jahren schien die Entscheidung unausweichlich, denn in anderen anglikanischen Diözesen in Asien und Afrika gab es Priesterinnen schon seit den 1970er Jahren, die Church of England wollte nicht das Schlusslicht sein. Die Priesterin Rose Hudson glaubt, es sei das Beste gewesen, was der Church of England passieren konnte. "Viele Leute in der Kirche sehen erst jetzt, was sie ohne uns Frauen eigentlich verpasst haben. Ich war gerade in Jamaica, auch dort wurden vor zehn Jahren die ersten Priesterinnen ordiniert. Und dort gehen die Frauen inzwischen auch in solche Armen-Viertel, in die sich ein männlicher Priester niemals hineinwagen würde. Wir Frauen verändern die Kirche einfach gewaltig."

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