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Politik

Pressestimmen zum G-20-Treffen: "Mehr als ein Fototermin"

Kein neues Bretton Woods: Dennoch fand mit dem Weltfinanzgipfel in Washington ein historisches Ereignis statt. Die internationalen Kommentatoren bewerten das Treffen mit über 20 Teilnehmerstaaten überwiegend als positiv.

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"Luxemburger Wort" aus Luxemburg

"Der Welt-Finanzgipfel in Washington ist nicht die Geburtsstunde eines neuen Bretton-Woods, aber einer neuen Ordnung geworden. Das Historische des Washingtoner G20-Treffens liegt weniger in den dort gefassten Beschlüssen als daran, wer diese Schlüsse befasst hat: Mit mehr als 20 großen Teilnehmerstaaten war erstmals die Weltbevölkerung nicht nur repräsentativ, sondern sogar mehrheitlich auf einem Gipfel vertreten. Für die alten G8-Mächte wird damit quasi offiziell eine Epochenwende, das Ende der Hegemonie des Westens, dokumentiert. War der Gipfel darüber hinaus sinnvoll? Gastgeber George W. Bush ist ein Präsident auf Abruf, und sein gewählter Nachfolger hat sich ganz bewusst von dem Treffen ferngehalten, um nicht zum Sündenbock gemacht zu werden. Doch selbst wenn Washington nur eine Zwischenetappe auf dem langen Weg aus der Finanz- und Wirtschaftskrise bleibt, war das Treffen nötig. Vor allem damit keine Zeit verloren wird und die wichtigsten Volkswirtschaften der Welt ihre Anstrengungen frühzeitig koordinieren. Gerade weil Gegenmaßnahmen nicht von heute auf morgen Erfolg haben werden, darf keine Zeit verloren werden. Schließlich beruht die Wirtschaft zu einem Gutteil auf Psychologie, wobei Vertrauen in die Märkte die wichtigste Voraussetzung ist. Deshalb muss vor einer Neuordnung die Schadensbegrenzung kommen. Tatsächlich dürfte selbst die Regierung Obama gar kaum Handlungsalternativen zur Überwindung dieser Weltweiten Krise bereithalten."

"Tages-Anzeiger" aus Zürich

Gruppenbild mit den Teilnehmern des G20-Treffens. (Quelle: AP)

Vertreter von Industrie- und Schwellenländern wollen eine neue Weltfinanzordnung

"Der groß angekündigte Finanzgipfel hat auf den ersten Blick wenig Konkretes gebracht. Überflüssig oder unnütz war er dennoch nicht. Vielmehr markiert das Treffen der 20 führenden Wirtschaftsnationen den Beginn eines extrem schwierigen Unterfangens, das nicht scheitern darf und das deshalb zu Recht an den künftigen, unverbrauchten US-Präsidenten weitergereicht wurde. Das Projekt mit dem Arbeitstitel "Neue Weltfinanzordnung" ist der Versuch, die Kapital- und Kreditmärkte auf eine solidere, nicht mehr menschenverachtende Basis zu stellen, ohne sie abzuwürgen. Es geht darum, aus dem Amoklauf der Finanzakteure der vergangenen Jahre die richtigen Lehren zu ziehen, ohne die Branche als Ganzes zu verteufeln oder sie zu kriminalisieren."

"El Periódico de Catalunya" aus Barcelona

"Dass die USA und deren Verbündete in Europa sich über die Mechanismen zur Regulierung der Märkte uneinig sein würden, war abzusehen. Dies schmälert aber nicht die Bedeutung des G20-Gipfels. Das Treffen in Washington war mehr als ein Fototermin. Allein die Entscheidung, im kommenden Jahr ein Folgetreffen in London abzuhalten, muss als ein Erfolg gewertet werden. Bis dahin wird auch in den USA unter dem neuen Präsidenten Barack Obama eine größere Bereitschaft herrschen, dem Staat eine wichtigere Rolle in der Wirtschaft einzuräumen. Allerdings wäre es übertrieben, von Obama eine interventionistische Politik europäischen Zuschnitts zu erwarten."

"Financial Times" aus London

"Das Treffen der Chefs der Regierungen der G20 am Wochenende in Washington war so historisch wie die Krise, um die es geht. Es könnte sich sogar als ein helles Licht in der Dunkelheit erweisen. Während sich in der G20 auch Länder mit geringer Bedeutung befinden, umfasst sie doch alle wichtigen hoch entwickelten und aufstrebenden Nationen. Die Tatsache, dass sich diese Gruppe trifft und zu einer beachtlichen Agenda und einem weiteren Treffen im April verpflichten kann, zeigt eine verspätete Anerkennung der Tatsache, dass sich das wirtschaftliche Gleichgewicht verlagert hat."

"La Stampa" aus Turin

"Es ist leicht angesichts der pompösen Kundgebungen über die 'historische' Bedeutung des G20-Treffens, über das 'neue Bretton Woods' zu lächeln. In Bretton Woods wurde das internationale Finanzmarktsystem der Nachkriegszeit neu konzipiert. In den damals geschlossenen Vereinbarungen wurde die zentrale Position der amerikanischen Finanzmärkte festgelegt (...) Nichts von derartiger Tragweite ist in den vergangenen Tagen in Washington passiert. Trotzdem hat der G20-Gipfel einen symbolischen Wert, der in der Öffnung zu Ländern wie Brasilien, China und Indien besteht - Ländern, die in der Weltwirtschaft immer mehr an Bedeutung gewinnen werden."

"Business Day" aus Johannesburg:

"Der G20-Gipfel hatte nie die Erarbeitung praktischer Maßnahmen für die Rettung der Welt von der Finanz- und Wirtschaftskrise zum Ziel. Noch war er als neues Bretton Woods konzipiert. Die Politiker von Industrie- und Schwellenländern vereinbarten (...) eine Zusammenarbeit zur Stabilisierung der Finanzmärkte und der Wiederherstellung globalen Wirtschaftswachstums. Aber sie vereinbarten nichts Konkretes und überließen alle strittigen Fragen ihren Finanzministern (...). Dennoch war der Gipfel mehr als nur eine PR-Aktion. Dass er überhaupt stattfand, war wichtig, weil er erstens anerkannte, dass die Industrieländer ihre Lösungsansätze für die Krise koordinieren müssen und dass dabei – was noch bedeutender ist – die Schwellenländer so wichtig sind wie die Industrieländer." (jnl)

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