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Politik

Pressestimmen von Samstag, 9. Februar 2008

Geschäftsführer von UNICEF-Deutschland gibt auf

Nun hat er doch die Konsequenzen gezogen: Der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Garlichs, hat dem Vorstand in der Affäre um veruntreute Spendengelder seinen Rücktritt angeboten. Noch vor Tagen hatte er das mit der Begründung abgelehnt, dies bedeute ein Schuldeingeständnis.

Die STUTTGARTER ZEITUNG sieht in dem Rücktrittsangebot nur einen Anfang:

"Auch nach Garlichs Abgang steht Unicef vor einem Scherbenhaufen, denn die übrigen Vorstandsmitglieder haben sich als seine willfährigen Handlanger präsentiert. Statt die Verfehlungen beim Namen zu nennen und auf schnelle und schonungslose Aufklärung zu dringen, haben sie sich auch die Seite des Geschäftsführers geschlagen und Heide Simonis zum alleinigen Sündenbock gemacht. Der gesamte Vorstand sollte deshalb den Weg für einen Neuanfang frei machen. Der wird auch so schwer genug. Die frühere Ministerpräsidentin hat zweifellos teils fragwürdig, zumindest nicht geschickt agiert. Aber in der Sache hatte sie Recht: Die Spender und die ehrenamtlich arbeitende Basis haben ein Recht auf größte Transparenz und Korrektheit. Dies muss Unicef jetzt unter Beweis stellen."

Für den KÖLNER STADT-ANZEIGER ist der Abgang Garlichs nach dem Rücktritt der UNICEF-Vorstandschefin Simonis nur logisch:

"Heide Simonis und Dietrich Garlichs saßen bei Unicef zuletzt wie auf einer Wippe. Da war es ein Fehler, zu glauben, der Vorstand brauche nur Simonis vom Vorsitz zu schubsen und bekomme Unicef so wieder ins Gleichgewicht. Auf der Wippe krachte Garlichs erst recht nach unten durch, denn längst hatte sich der Eindruck verdichtet, der Geschäftsführer sei Teil der Krise.... Was Garlichs beschwichtigend als «Schlamperei» bezeichnet hat, ist in Wahrheit bereits die Katastrophe. Sein Rücktritt ist eine notwendige Konsequenz. Das Aufräumen bei Unicef kann und muss jetzt beginnen."

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU hat dafür bereits einen Vorschlag:

"Die neue Geschäftsführung muss die Kumpanei der alten Seilschaft aufbrechen, finanzielle Transparenz herstellen und dafür sorgen, dass der Anteil der Spendengelder, die für die Verwaltung, für Öffentlichkeitsarbeit und andere interne Zwecke ausgegeben wird, erkennbar geringer wird. Der bisherigen Führung fehlte dazu nicht nur die Kraft, sondern bereits die Einsicht in die Notwendigkeit. Die Affäre Unicef ist mit dem Rücktritt Garlichs nicht beendet. Aber der Rücktritt markiert immerhin den Anfang vom Ende dieser unappetitlichen Affäre."

Die NEUE WESTFÄLISCHE aus Bielefeld betrachtet den ethischen Aspekt der Affäre. Tausende Dauerspender hatten sich von UNICEF zurückgezogen - Großspender drohten damit. Das Blatt schreibt:

"Nirgendwo ist niedergelegt, an welchen ethischen Maßstäben sich die Spendensammler messen lassen müssen und wie transparent ihr Tun sein sollte. Dem jetzt drohenden Vertrauensverlust kann nur eine umfassende Vereinbarung, ein Ethik-Kodex der gesamten Branche vorbeugen, an dessen Regeln sich Spender orientieren können."