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Politik

Pressestimmen von Samstag, 7. Juli 2007

Unruhen in Pakistan / Tour de France

Zentrales Kommentarthema deutscher Tageszeitungen ist an diesem Samstag der Machtkampf zwischen der pakistanischen Führung und radikalen Islamisten.

Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz erläutert:

'Um die Spannungen in Pakistan zu verstehen, muss man zweierlei wissen. Erstens: Die Islamisten, so laut ihr Geschrei auch tönt, sind nur eine kleine Minderheit. Zweitens: Staatspräsident Musharraf und die Generäle unterstützen sie teilweise sogar, damit sie ein gutes Argument haben, nicht zur Demokratie zurückkehren zu müssen. Wirklich freie Wahlen könnten die Islamisten durchaus entzaubern. Und ihrem wachsenden propagandistischen Widerstand gegen den 'US-Knecht' Musharraf den Wind aus den Segeln nehmen.'

Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder schreibt:

'Pakistan ist von ganz besonderer Bedeutung für die Fundamentalisten. Das Land besitzt die Atombombe. Die Verfügungsgewalt darüber würde den Terroristen Optionen eröffnen, die weit über die von Selbstmordattentaten und Sprengfallen hinausgehen. Immer mehr in die Enge getrieben, verfährt Präsident Musharraf jetzt nach der Losung 'Ich oder das Chaos' und zeigt Härte im Konflikt mit den renitenten Koranschülern in Islamabads Roter Moschee. Aber das Ausheben des extremistischen Nestes könnte sich als Pyrrhussieg erweisen und die islamistische Revolte das ganze Land erfassen - mit unabsehbaren Folgen.'

Die NÜRNBERGER ZEITUNG glaubt:

'Präsident Musharrafs Aktionismus könnte einmal mehr rein egoistischer Natur sein. Für den Oktober hat der Präsident freie Parlamentswahlen in Aussicht gestellt. Bis dahin müsste er, wie zugesagt, sein Amt als Oberbefehlshaber zur Verfügung stellen - ein Versprechen, das ihm inzwischen Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Sollten die gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Koranschülern und ihren Hintermännern jedoch anhalten oder noch schlimmer werden - wofür die Durchhalteparolen der islamischen Einpeitscher sprechen - ist an einen Machtverzicht des Generals wohl nicht zu denken.'

Auch der KÖLNER STADT-ANZEIGER kommentiert die Lage in Pakistan:

'Pakistans Präsident General Musharraf mag ein guter General gewesen sein, ein guter Politiker ist Musharraf mit Sicherheit nicht. Einerseits drückt Musharraf Gesetze durch, die Stellung der Frau in Pakistan zu verbessern. Andererseits schaut er viel zu lange dem monatelangen Treiben zweier rabiater Mullahs zu, die zwei Kilometer von seinem Amtssitz entfernt in der roten Moschee das Regime provozieren und die Einführung der Scharia verlangen. Doch eine überzeugende Alternative zu Musharraf ist weder in den Reihen der Generäle noch der zivilen Politiker in Sicht. Pakistan, der wichtigste Verbündete im Krieg gegen den Terror, schickt sich an, für den Westen ein echtes Problem zu werden.'


Themenwechsel. Etliche Zeitungen nehmen den Start der Tour de France an diesem Samstag zum Anlass, das Thema Doping im Radsport in den Mittelpunkt ihrer Kommentare zu stellen.

Die KÖLNISCHE RUNDSCHAU ist der Ansicht:

'Die Tour der Leiden fordert längst auch vom Betrachter in dem Maße Tribut, wie sie ihren Zauber einbüßt. Denn spätestens nach den jüngsten Enthüllungen und Geständnissen müsste jedem klar sein, dass offenbar nur mit unlauteren Methoden gewonnen wird. Wer vorne dabei sein will, muss seinen ohnehin schnellen Beinen noch mit Eigenblutdoping, Wachstumshormonen, Epo, Sexualhormonen und, und, und nachgeholfen haben. Glaubt man jedoch den Fahrern, dann gehen an diesem Samstag nur 'saubere' Sportler an den Start. Jeder von ihnen hat schließlich eine Ehrenerklärung unterschrieben. Rein rechtlich gilt für sie alle die Unschuldsvermutung. Das haben wir Medienvertreter zu respektieren. Allerdings werden wir das sportliche Geschehen kritisch beleuchten und kriminelle Machenschaften nicht ausklammern.'

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU analysiert das weltweit größte Radsportereignis so:

'Die Tour de France ist ein Paradebeispiel für Brot und Spiele der Neuzeit - moderne Gladiatorenkämpfe auf zwei Rädern. Wer einmal die schwerste Rundfahrt der Welt gewinnt, mache sich unsterblich, heißt es. Eine schöne Mär, an die die 'Helden der Landstraße' gern glauben möchten. Der Preis für Ruhm und Ehre ist medizinisch aber unkalkulierbar. Der Betrug am Kollegen ist im Radsport systemimmanent. Die Protagonisten dieser Freakshow bewegen sich in Parallelwelten. Das zu erkennen, brauchte es nicht die jüngste Geständniswelle alternder Radprofis.'

Die BERLINER MORGENPOST stellt fest:

'Viele werden sich die Tour de France anschauen, ob Schaulustige oder Unbelehrbare. Diesmal aber wird es auch Zuschauer geben, die abschalten. Irgendwann auf einer der zwanzig Etappen vielleicht, denn es könnte langweilig werden. Kaum Ausrissversuche, weil man sich als Fahrer dadurch nur verdächtig macht. Und Heldenstatus kann auf dieser Tour ohnehin niemand mehr erreichen.'

Abschließend noch ein Blick in den NORDBAYERISCHEN KURIER. Die Zeitung aus Bayreuth fragt:

'Augen zu und durch? Das wäre sicher nicht das richtige Rezept. Und so kann man es auch nur begrüßen, dass die TV-Sender sich nicht ausblenden, sondern extrem kritisch hinschauen wollen. Dabei geht es ja viel, viel weniger als sonst um die Frage, wer sich auf den Radsport-Thron schwingt. Vielmehr absolvieren in den nächsten drei Wochen die höchsten Repräsentanten ihres Berufsstandes ein Rennen auf Bewährung. Und jedermann ist sich darüber im Klaren, dass eine Tour ohne jeden Dopingfall noch lange nicht bedeutet, dass der Profi-Radsport nun die Kurve gekriegt hat.'