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Politik

Pressestimmen von Samstag, 6. August 2005

Debatte über Reform des Weltsicherheitsrats / Übernahme des ProSieben-Sat1-Medienkonzerns durch Springer / 60. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima


Sind die Chancen Deutschlands gesunken, im Zuge einer UN-Reform einen Sitz im Sicherheitsrat zu bekommen? Mit dieser Frage befassen sich etliche Kommentare in der deutschen Presse. Weitere Themen sind die geplante Übernahme des TV-Konzerns ProSieben-Sat1 durch den Springer-Konzern und der 60. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima.

Zunächst zitieren wir die FRANKFURTER RUNDSCHAU zur UN-Reform:

"Sicher war er den Deutschen nie, der ständige Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Jetzt ist es noch unwahrscheinlicher geworden, dass Deutschland ihn einnimmt. Gleich von drei Seiten kommt der Gegenwind. Die USA verbünden sich mit China zur Abwehr des Anlaufs der «G4», zu denen Deutschland gehört. Die Opposition zuhause in Berlin lässt keine Gelegenheit aus, ihr Desinteresse an der G4-Initiative zu zeigen (...). Drittens bricht jetzt auch die einkalkulierte afrikanische Unterstützung weg ... Für die UN kann man nur hoffen, dass die absehbare Hängepartie nicht die sonstige dringende Reform der Vereinten Nationen blockiert."

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG befasst sich mit der UN-Reform aus afrikanischer Sicht:

"Leider ist bei vielen Afrikanern der Eindruck entstanden, dass ihnen die Welt, wie so oft in ihrer leidvollen Geschichte, wieder etwas aufzwingen will; dass andere formulieren, was für die Afrikaner gut sein soll; dass sie nur als Mittel zum Zweck dienen, und nicht als eigenständige Akteure ernst genommen werden. Diese gefühlte Bevormundung kratzt an der Würde, historische Erfahrungen des Kontinents haben die Verletzlichkeit gesteigert. Je mehr die Afrikaner nun von außen unter Druck gesetzt werden, umso stärker ist der Reflex, sich ganz zu verweigern. Vermutlich haben die G-4-Länder diese trotzige Befindlichkeit unterschätzt."


Zur angepeilten 'Elefantenhochzeit' in der deutschen Medienszene lesen wir in der BERLINER ZEITUNG:

"Tatsächlich handelt es sich um einen Zuwachs an konservativer Meinungsmacht. Das mag einigen nicht gefallen, verboten ist es nicht. Andererseits lieferte der Springer-Verlag in der Vergangenheit immer Anlass für Bedenken. Nicht selten wird die Berichterstattung den Interessen des eigenen Hauses untergeordnet, oft werden Kampagnen gefahren, gern auch in mehreren Blättern gleichzeitig."

Bedenken äußert auch die FRANKFURTER ALLGEMEINE:

"Springer übernimmt die Sender nicht nur, er verleibt sie sich ein, die Unternehmen verschmelzen, es entsteht ein publizistischer Koloss, wie es ihn nur noch einmal - eine Dimension größer - mit Bertelsmann gibt. (...) Was am Freitag in München verkündet wurde, ist nicht nur der späte Triumph Springers über Kirch, errungen vom Springer-Vorstandsvorsitzenden Döpfner; es ist ein Vorgang, der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erreicht."


Und nun zum Abwurf der ersten Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima, der sich zum 60. Mal jährt. Die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG aus Regensburg schreibt:

"Mit einem gleißenden Lichtblitz startete vor genau 60 Jahren ein neues Zeitalter. Ein über eine Million Grad heißer Feuerball und 140.000 Menschen, die einen Grauen erregenden Tod starben, markierten den Beginn der nuklearen Epoche. In Hiroshima wurde die ultimative Waffe geboren, welche den Weltenlauf änderte wie keine zuvor: militärisch, politisch und moralisch. Nach der atomaren Apokalypse von Hiroshima und Nagasaki konnte die Menschheit eine Vernichtungskraft einsetzen, wie sie bis dahin nur göttliche Mächte zur Verfügung hatten. Sogar die Selbstausrottung der menschlichen Spezies ist seitdem keine Fiktion mehr."

Die SÄCHSISCHE ZEITUNG aus Dresden befasst sich dagegen eher mit gegenwärtigen Atom-Ängsten:

"In der Zeit des Kalten Krieges funktionierte das Gleichgewicht des atomaren Schreckens: Die Westdeutschen lebten unter dem Schutzschild der amerikanischen, die Ostdeutschen unter dem der sowjetischen Atomraketen. Doch die Welt ist seit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums nicht sicherer geworden. Das Risiko, dass Diktatoren in Nordkorea oder Pakistan eines Tages die Bombe skrupellos einsetzen, ist größer geworden. Nicht auszudenken, was passiert, wenn solche Waffen in die Hände von Terroristen wie Osama bin-Laden fallen."
  • Datum 05.08.2005
  • Autorin/Autor Reinhard Kleber
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  • Permalink http://p.dw.com/p/70MA
  • Datum 05.08.2005
  • Autorin/Autor Reinhard Kleber
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