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Politik

Pressestimmen von Samstag, 5. März 2005

Opel-Sanierung / Dittrich-Affäre

Die Einigung auf ein Sanierungsprogramm beim Autobauer Opel beschäftigt die Kommentatoren der deutschen Tagespresse an diesem Samstag. Kritik findet darüber hinaus die abfälligen Bemerkungen des Chefs der Jungliberalen, Jan Dittrich, über alte Menschen.

Der WESTFÄLISCHE ANZEIGER aus Hamm schreibt zur Einigung bei Opel:

"General Motors wird zunächst in Europa kein Werk schließen. Das ist eine gute Nachricht, aber eigentlich auch die einzig gute, die nach einem über fünfmonatigen Ringen um die Opel- und Saab-Standorte herausgekommen ist. Ein Erfolg ohne Frage. Aber sicher, so wie es das große Wort «Zukunftssicherung» suggeriert, ist ein Arbeitsplatz bei Opel und Saab allenfalls auf fünf Jahre. Die beiden Werke in Bochum und Trollhättan sind gerettet. Für den Moment mehr nicht."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ergänzt:

"Die Unternehmen müssen wieder Gewinn machen, sonst verschwinden sie von der automobilen Landkarte und mit ihnen die übrigen Arbeitsplätze... Das strukturelle Problem hat der Konzern aber nicht angepackt: Er verfügt über zu viele Werke, in denen er mehr Autos bauen kann, als er verkauft. Die Absatzzahlen sind schlecht, das konjunkturelle Umfeld ist trübe. Zu glauben, die Fertigungsstätten würden bald wieder auf Hochtouren laufen und die Mitarbeiter könnten sorgenfrei durch die Werkstore gehen, das ist purer Optimismus."

Der KÖLNER STADT-ANZEIGER merkt an:

"Die Kosten werden deutlich gesenkt, was die verbliebenen Mitarbeiter schmerzlich auf ihren Gehaltszetteln feststellen werden. Ob das reichen wird, um die hohen Verluste endlich wieder abzubauen, bleibt vorerst offen. Es ist jedenfalls kein gutes Zeichen, dass Opel-Chef Hans Demant weder einen Zeitpunkt nennt, wann der Autobauer wieder Gewinne einfahren wird, noch die Kosten des Sparpakets beziffern kann."

Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg schließlich meint:

"Die amerikanischen Unternehmen sind zwar führend in der Liga der Stellenstreicher und Gewinnmaximierer, aber dumm sind sie nicht. Eine Werkschließung in Deutschland hätte möglicherweise zu einem Arbeitskampf geführt, der für General Motors viel teurer geworden wäre als eine Standortgarantie. Aber dieser Beschluss gilt nicht für alle Zeiten. Irgendwann wollen die US-Manager auch von der deutschen Tochter Opel wieder Gewinne sehen."

Themenwechsel. Der Chef der Jungen Liberalen, Jan Dittrich, hat mit seiner Bemerkung, Alte sollten den Löffel abgeben, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Dazu das OFFENBURGER TAGEBLATT:

"Das politische und gesellschaftliche Klima in der Bundesrepublik ist vergiftet wie schon lange nicht mehr. Die unverschämte Senioren- Kritik des 28 Jahre alten Bundesvorsitzenden der Jungliberalen ist nur ein Beispiel von vielen. Eine Ursache für solche verbalen Entgleisungen sind die fehlenden politischen Vorbilder. Wenn der CSU- Generalsekretär Markus Söder den Bundeskanzler im Zusammenhang mit der Visa-Affäre als Helfer von Kinderschändern und Mördern beschimpft, darf sich keiner wundern, wenn ein politischer Frischling von alten Menschen fordert, «Löffel» abzugeben."

In der Bielefelder Zeitung NEUE WESTFÄLISCHE lesen wir:

"Zumindest muss man der FDP bescheinigen, dass sie auf die unsäglichen Äußerungen des Vorsitzenden ihren Nachwuchsorganisation, Jan Dittrich, prompt und entschieden reagiert hat. Um es in seiner Diktion zu sagen: Dittrich wurde der Löffel aus der Hand genommen, bevor er überhaupt am Tisch Platz nehmen konnte. Aber auch nach der raschen Klärung muss man fragen, was für ein Klima, was für ein Geist bei den jungen Liberalen herrscht, die sich als die Führungsschicht von morgen verstehen. Wem der flotte Spruch, die zynische Pointe über alles geht, der ist bei Stefan Raab und anderen Größen der platten Comedy besser aufgehoben als in der Politik."

Abschließend einen Blick in den in Bayreuth erscheinenden NORDBAYERISCHEN KURIER:

"Ältere Menschen haben reiches Erfahrungswissen, das einzelnen Betrieben wie einem ganzen Land gut tut. Kapital, auf das nicht verzichtet werden sollte, jweil es guten Ertrag bringt. Im Sozialen, in der Wirtschaft, in der ganzen Bandbreite des täglichen Lebens. Jan Dittrich hat die Würde der Älteren mit Füßen getreten - und sich damit als politischer Repräsentant selbst disqualifiziert.

  • Datum 04.03.2005
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Barbara Zwirner
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  • Permalink http://p.dw.com/p/6KZn
  • Datum 04.03.2005
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