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Politik

Pressestimmen von Samstag, 4.9.2004

Das Ende des Geiseldramas in Ossetien

Das beherrschende Thema der Kommentare deutscher Tageszeitungen ist das blutige Ende des Geiseldramas in Nordossetien. Dazu schreiben die STUTTGARTER NACHRICHTEN:

"Das erwartete Ende mit Schrecken ist eingetreten: In der Schule von Beslan hat sich eine Tragödie abgespielt, die die Welt erschauern lässt. Ein friedlicher Ausgang war nach Lage der Dinge sehr unwahrscheinlich... Mit den zu allem entschlossenen Terroristen war kein wie auch immer gearteter Kompromiss möglich. Wer mit Sprengstoffgürteln und Granaten bewaffnet in einer Schule hunderte Kinder als Geiseln nimmt und auf sie schießt, mit dem gibt es ohnehin nichts zu vereinbaren. Die russischen Sicherheitskräfte hatten letztlich keine andere Wahl."

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG betont das Dilemma des russischen Präsidenten:

"Dass Putin mit glaubwürdigen Tschetschenen verhandeln sollte, sagen viele. Auf eine völlige Unabhängigkeit Tschetscheniens würde er sich dabei ebenso wenig einlassen, wie andere Staatsführer das tun würden. Die Russische Föderation ist, nicht allein im Kaukasus, durchwoben von den Siedlungsgebieten muslimischer Völker, die mit der Zeit auf den Geschmack kommen könnten, es den tschetschenischen Irredentisten gleichzutun."

Auch die in Rostock erscheinede OSTSEE-ZEITUNHG zeigt Verständnis für Putins harte Haltung:

"Die blutige Einschulung von Beslan und ihr dramatisches Ende verdeutlichen, warum Russlands Präsident Putin bisher nicht ein einziges Mal auf Forderungen von Geiselgangstern und anderen Terroristen eingegangen ist. Denen auch nur einen Fußbreit nachzugeben, bedeutete die Kapitulation des Staates vor einem irregulären, heimtückisch agierenden und zu allem entschlossenen Feind."

Blanken Terror nennt die Kasseler HESSISCHE- NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE den Überfall:

"Dieser Terror bricht sich mit archaischer Brutalität seine Bahn, er kennt weder Regeln noch Grenzen. Beslan liegt daher überall, und wir alle sind potentielle Geiseln. Die Jünger dieses Terrors fürchten nicht den eigenen Tod, die bloße Zerstörung ist ihr Ziel, eine möglichst große Zahl von Opfern ihr Triumph. Insofern liegt in der Attacke auf eine Schule mit wehrlosen Kindern sogar eine gewisse Konsequenz. Es ist die Logik des Terrors."

Für die FRANKFURTER RUNDSCHAU zeigt das Vorgehen der Sicherheitskräfte eher eine Schwäche Putins:

"Dem Dilemma, durch ein Kommando zum Sturm das Leben von vielleicht 1500 Unschuldigen aufs Spiel zu setzen oder aber durch die Zusage freien Abzugs eine politische Niederlage einzustecken, ist Putin entkommen. Darin ist eine Schlappe enthalten, deren Tragweite noch nicht zu ermessen ist. Dass der 'starke' Staat nicht handelte, weil die Entscheidungen durch eine Kette von Zufällen herbeigeführt wurden, enthüllt seine Schwäche."

Die STUTTGARTER ZEITUNG meint:

"Die Wahrheit ist, dass Russland seit mehr als 150 Jahren auf dem Kaukasus in Kämpfe verstrickt ist, in einem Gebiet, in dem Russen nichts zu suchen haben, das sie dennoch als ihr angestammtes Reich ansehen. Erst wenn sie Tschetschenien freigeben, wird der Terror aufhören."

Ähnliche Konsequenzen sieht die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG aus München:

"Russland ist ein an den kaukasischen Rändern ausfransendes Imperium, es wird sich wohl von Tschetschenien trennen müssen. Die Loslösung unblutig zu gestalten und sicherzustellen, dass die Unabhängigkeit zu einem für Russland berechenbaren Staatswesen führt, wäre die Aufgabe des Kremlchefs. Verweigert sich der Großrusse Putin, werden er und seine Nachfolger auf Jahrzehnte mit Terror aus dem Kaukasus leben müssen."

Zum Schluss der Kölner EXPRESS, der sich den Geiseln widmet:

"Die Bilder der Überlebenden, sie lassen erahnen, welche Qualen und Ängste diese arme Menschen, die Kinder und ihre Eltern, erleiden mussten. Viele von ihnen werden fürs Leben gezeichnet sein. Die Wunden an ihren Körpern dürften bald verheilen, die an ihrer Seele nicht. Was ihnen von den skrupellosen Verbrechern angetan wurde, ist durch nichts zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Auch nicht mit der Unterdrückung des tschetschenischen Volkes durch die russischen Besatzer. Die Täter - sie sind keine Freiheitskämpfer, sondern gewissenlose Verbrecher.."

  • Datum 03.09.2004
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Gerhard M Friese
  • Schlagwörter Presse, Presseschau
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5WhE
  • Datum 03.09.2004
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