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Politik

Pressestimmen von Samstag, 29. September 2007

Abschied von CSU-Chef Stoiber

Der CSU-Parteitag in München war am ersten Tag von zwei Ereignissen geprägt. Die Delegierten verabschiedeten ein neues Grundsatzprogramm. Und sie verabschiedeten sich vom scheidenden Vorsitzenden Edmund Stoiber. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel würdigte auf dem Parteitag dessen politische Lebensleistung. Auch die Leitartikler der deutschen Tageszeitungen zücken dazu die Griffel.

Die KIELER NACHRICHTEN schreiben:

„Für Bayern hat kein Regierungschef so viel erreicht wie Stoiber. Im krassen Gegensatz dazu steht seine bundespolitische Bedeutung. Sie wuchs bis zu seiner Kanzlerkandidatur 2002. Von da an ging es bergab. Stoibers rasanter Verfall der Macht hat tragische Züge. Von einem der bedeutendsten Politiker der Republik bleibt am Ende vor allem der Eindruck eines Zauderers, der den richtigen Zeitpunkt für einen ruhmreichen Abgang verpasste. Das hat er mit den Kanzlern Adenauer und Kohl gemeinsam. Auch sie hielten sich für unersetzlich.“

Der KÖLNER STADT-ANZEIGER meint zu Stoibers Leistungen:

„Seine zuweilen mit unzähligen Ähs und sprachlichen Kuriositäten gespickte Sicht der Welt sorgte stets für Lacher und auch Häme. Doch Edmund Stoiber nur auf einen unterhaltsamen «Problembären» der deutschen Politik zu reduzieren, wäre unredlich und unfair zu gleich. Unter den Ministerpräsidenten war er der kantigste: einer der gern provozierte und lächelnd mit dem Holzhammer zuschlug, aber auch einer, der sein Geschäft verstand - getrieben von seinem unbändigen Ehrgeiz, Bayern und sich in die Champions League zu puschen. Ersteres gelang ihm bravourös. Als Kanzlerkandidat aber griff er vergebens nach den Sternen - wie schon sein Ziehvater Strauß. Und zuletzt machte er Fehler, die seinen nicht ganz freiwilligen Abschied besiegelten. Die Flucht aus Merkels Kabinett war der Anfang vom Ende. «König» Edmund hatte keine Chance mehr, die Palastrevolte zu stoppen. Aber es ehrt ihn, dass er sich in das Unvermeidliche fügte -diszipliniert und pflichtbewusst bis zum Schlussakkord seiner Ära.“

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG aus München merkt an:

„Als Feindbild bemühte Stoiber das alte Klischee von denAchtundsechzigern und den Grünen, die seiner Meinung nach für alles Schlechte auf der Welt und insbesondere für den Verfall der Werte verantwortlich sind. Die CSU setze dagegen auf Familie, Glaube und Heimat, wie Stoiber nicht müde wurde zu wiederholen. All das ist nicht neu, es gehört zum Standardrepertoire. Nur die Betonung zeigt, dass sich die Partei nach all den Jahren der ungebremsten Technologiebegeisterung wieder auf ihre wertkonservativen Wurzeln besinnen möchte.“

In der BERLINER MORGENPOST ist zu lesen:

„Bei aller Ehrfurcht vor dem politischen Verdienst des bayerischen Ministerpräsidenten gerät Stoibers milliardenschwere Abschieds-Show zum monarchischen Spektakel. Und alle spielen mit. Zwei Milliarden Euro für eine Spielzeugeisenbahn als Abschiedsgeschenk, das ist selbst für einen wie Stoiber übertrieben. Pensionär Schröder lässt sich Reisen und Repräsentation wenigstens von der Privatwirtschaft bezahlen. Immerhin: Stoibers letzte Monate hatten einen hohen Unterhaltungswert. Das wird sich mit seinen Nachfolgern, den etwas eckigen Volksvertretern Huber und Beckstein, dramatisch ändern. Die beiden Herrschaften sind selbst im Doppelpack so glamourös wie die A92 bei Deggendorf.“

Zum Schluss lassen wir die THÜRINGER ALLGEMEINE zu Wort kommen:

„Edmund Stoiber wird benetzt mit Krokodilstränen. Sie fließen zum Abschied in Strömen und gipfeln in das Angebot, nach seinem Sturz den CSU-Ehrenvorsitz anzunehmen. Wenn er sich nun aufmacht, als neue Aufgabe die Bürokratie in Europa zu verfolgen, begleiten ihn freilich auch spöttische Erfolgswünsche. Denn selbst das Amt des Kommissionspräsidenten hätte in Reichweite gelegen. Einen Stoßseufzer der Erleichterung sendet ihm Angela Merkel nach. Vor Beckstein und Huber dürfte sie sich kaum fürchten.“