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Politik

Pressestimmen von Samstag, 29. Juli 2006

Wahl im Kongo / Metro kauft Wal-Mart

Kurz vor der Wahl in der Demokratischen Republik Kongo sind bei Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Gruppen mehrere Menschen getötet worden. Damit rückt das zentralafrikanische Land und die Rolle europäischer, auch deutscher Sicherungstruppen dort schon jetzt in den Mittelpunkt der Pressekommentare. Ein weiteres Thema ist der Verkauf der Wal-Mart Filialen an die Metro-Gruppe.

Die Tageszeitung TAZ aus Berlin meint zur politischen Lage im Kongo: "Die sich abzeichnende Polarisierung zwischen den beiden reichsten einstigen Warlords, Präsident Joseph Kabila und Ex-Rebellenführer Jean-Pierre Bemba, offenbart, wie tief die Gräben sind, die die Kriege des vergangenen Jahrzehnts in der politische Landschaft des Landes hinterlassen haben. Zunächst ist darauf zu hoffen, dass diese Wahl zur Konsolidierung des Friedens im Kongo beiträgt und damit zur Zivilisierung seiner politischen Führer.Die jüngsten Todesopfer in Kinshasa nähren diese Hoffnung nicht."

Die THÜRINGER ALLGEMEINE befasst sich mit dem Ansehen des Westens im Kongo: "Da UN und EU 450 Millionen Dollar in die Vorbereitung dieser Wahl gesteckt haben, mutmaßen nicht wenige im Kongo, dass dies nur zugunsten einer Marionette geschieht. Joseph Kabila, der besser englisch als die Heimatsprachen spricht, gilt als solch ein Strohmann ausländischer Goldschürfer. Daher schlägt den EU-Truppen häufig Misstrauen entgegen. Andererseits sind die Erwartungen in dem ausgebluteten Land völlig überzogen, dass mit der Wahl alles besser wird. So dürfte es gleichfalls eine Illusion sein, dass die EU-Einheiten im November ihre Koffer packen können."

Dagegen schreibt die MÄRKISCHE ALLGEMEINE aus Potsdam: "Die Lage im Kongo kann unversehens eskalieren und außer Kontrolle geraten, so dass den internationalen Verbänden kaum mehr übrig bliebe, als den geordneten Rückzug anzutreten. Der Zwiespalt dieses Mandats besteht darin, dass man mit einiger Berechtigung fragen kann: Was haben europäische Truppen im Kongo verloren? und sich gleichzeitig einer Art unterlassener Hilfeleistung schuldig machte, ließe man das Land mit seinen Problemen allein. Deutschland und die EU agieren mit dieser Operation nun endgültig auf dem Terrain einer geostrategischen Ordnungsmacht."

Der WESTFÄLISCHE ANZEIGER aus Hamm bezweifelt den Sinn der Aktion: "Zu Recht fragen sich die Kongolesen, was eine gerade einmal 2000 Mann starke Truppe europäischer Soldaten in einem Land ausrichten soll, das so groß wie ganz Westeuropa ist. Die Beteuerungen, man wolle dem Kongo Starthilfe auf dem Weg zur Demokratie leisten, sind nicht mehr als symbolische Politik. Was 17.000 UN-Blauhelmsoldaten in sieben Jahren nicht geschafft haben, wird auch ein viermonatiges europäisches Pfadfinderlager nicht richten."


Themenwechsel: Die Kommentare der Tagespresse ziehen eine Bilanz des Scheiterns von Wal-Mart in Deutschland.

Die SAARBRÜCKER ZEITUNG wirft einen Blick zurück: "Als der weltgrößte Handels-Konzern Wal-Mart vor acht Jahren in Deutschland einfiel, malten viele schon das Ende des deutschen Einzelhandels an die Wand. Sie befürchteten die völlige Amerikanisierung der Handelslandschaft - so wie McDonald's und Burger King die Fast-Food-Szene aufrollten. Es kam anders: Die Amerikaner sind grandios gescheitert: Größe ist nicht alles. Die Strategie muß stimmen. Bei Wal-Mart wurde mit steigender Zahl hektischer Ladenzukäufe nur Chaos produziert."

Der KÖLNER STADTANZEIGER bemerkt: "Für das Scheitern der Amerikaner gibt es viele Gründe. Der wichtigste ist vielleicht eine gewisse Arroganz und Ignoranz des Managements: Man hatte geglaubt, binnen kürzester Zeit den hart umkämpften deutschen Markt aufrollen zu können - ohne ihn zu kennen. Ein Fehler, an dem auch andere Konzerne in Deutschland scheiterten., wie etwa Marks & Spencer aus Großbritannien oder Internetmarché aus Frankreich. Auf regionale Besonderheiten und Kundenwünsche wurde wenig Rücksicht genommen. Unterschätzt hat Wal-Mart auch die Bedeutung der Discounter in Deutschland - und deren Widerstand. Der Markteintritt Wal-Marts löste eine wahre Preisschlacht aus, die die Amerikaner am Ende verloren."

Die NORDSEE-ZEITUNG aus Bremerhaven fragt: "Wer wird über diesen Deal trauern? Vielleicht manche Marktforscher, die kritisch die wachsende Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel beäugen. Vielleicht einige Kunden, die es mögen, wenn sie ihren Kauf nicht selbst einpacken und im Auto verstauen müssen. Das ist allerdings nicht in allen Filialen Usus. Ganz bestimmt nicht trauern werden die Gewerkschaften: Sie haben Wal-Mart seit Markteintritt kritisiert. Ihnen passte die teilweise puritanische Firmenphilosophie nicht, die einerseits Mitarbeiter zu Partnern erhebt und zur Freundlichkeit erzieht, andererseits ihren privaten Umgang untereinander kontrollieren will und sie von arbeitsrechtlichen Annehmlichkeiten ausschließt."

Und die Ulmer SÜDWEST-PRESSE meint zum Käufer von Wal-Mart Deutschland: "Dass Wal-Mart die Konkurrenz völlig unterschätzt hat, kommt jetzt der Metro-Gruppe zugute. Ihre Real-Kette schwächelt gewaltig, vor alem nach dem Hackfleisch-Skandal 2005 in einigen Filialen. Jetzt kann Metro-Chef Hans-Joachim Körber auf Synergien und mehr Marktmacht bauen. Denn der Kampf in der gnadenlosen Branche geht weiter."
  • Datum 28.07.2006
  • Autorin/Autor Christoph Schmidt
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8rh7
  • Datum 28.07.2006
  • Autorin/Autor Christoph Schmidt
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