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Politik

Pressestimmen von Samstag, 24. November 2007

Fall Lea-Sophie

Fall Lea-Sophie

Der Fall Lea-Sophie, des fünfjährigen Mädchens, das in Schwerin qualvoll verhungert ist, beschäftigt weiter die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen. Diskutiert werden dabei auch Möglichkeiten zur besseren Verhinderung von Kindesvernachlässigung.

Der TAGESSPIEGEL aus Berlin führt aus:

'Anscheinend ist es so: Wenn der Einzelne an Sicherheit verliert, an Arbeit, Einkommen, Anerkennung, verliert die Gemeinschaft an Menschen, die sich an allgemein verbindliche Normen halten. Eltern eingeschlossen. Wenn das so ist, wer gewährleistet dann aber die Einhaltung von Normen und Pflichten bei der Erziehung von Kindern, wer schützt das Menschenrecht des Kindes, wenn es die Eltern nicht tun oder nicht tun können? Die Konsequenz aus Überforderung kann nicht nur Beistand sein. Auch Verpflichtung hilft.'

Im MANNHEIMER MORGEN lesen wir:

'Wer die Lea-Sophies, Kevins und Jessicas dieses Landes retten will, der muss zum einen die Jugendämter personell und finanziell stärken. Denn hinter dem Schreibtisch lässt sich kaum feststellen, ob ein Kind in Gefahr ist. Ebenso wichtig ist es aber auch, alle Institutionen, die mit Vorschulkindern in Kontakt kommen, zu vernetzen. Schon in den Geburtskliniken sollten auffällige Eltern ... unterstützt werden.'

Das in Aschaffenburg erscheinende MAIN-ECHO beurteilt den Vorschlag, Pflichtvorsorgeuntersuchungen für Kleinkinder einzuführen skeptisch:

'Regelmäßige Pflichtuntersuchungen hießen auch, dass der Staat seine Fürsorgepflicht auf die Ärzteschaft abwälzen würde. Sollen sich die Medziner neben gestiegenem Verwaltungsaufwand und Eintreiben der Praxisgebühr auch noch mit einer Pflicht-Vorsorge herumschlagen? Wie sollte ein Arzt den Überblick behalten, dass jedes Kind in seinem, Einzugsgebiet regelmäßig zur Übertprüfung kommt?'

Anders argumentiert die PFORZHEIMER ZEITUNG:

'Ärztliche Untersuchungen zur Pflicht zu machen, ist eine wichtige Initiative. Gesetzlicher Zwang kann das Problem aber nicht lösen. Kinder brauchen zu ihrem Schutz ein Netzwerk, in das alle eingebunden sind, die mit ihnen zu tun haben, die geschult sind, Probleme in Familien zu erkennen'.

Die WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN aus Münster notieren:

'Überforderte Jugenamtsmitarbeiter sind die eine Seite, wenn zudem das Umfeld wegsieht und weghört, ist das Schicksal vernachlässigter und misshandelter Kinder oft besiegelt. Pflichtuntersuchungen, die engmaschiger als bisher durchgeführt werden, wären ein Schritt, kritische Fälle leichter aufzuspüren. Das Wohl der Kinder darf keine Frage der Kosten sein.'

Der in Oberndorf erscheinende SCHWARZWÄLDER BOTE kommentiert:

'Zwar steht das Jugendamt zu Recht im Kreuzfeuer der Kritik - Arbeitsüberlastung ist eine schlechte Ausrede. Viel stärker aber versagt die Politik, wenn Sparmaßnahmen dafür sorgen, dass ein einziger Jugendamtsmitarbeiter 150 Fälle zu betreuen hat. Da liegt der Fehler im System, und dies entlarvt alle diejenigen als Heuchler, denen hinterher Lea-Sophies Schicksal so nahe geht.'

Die BERLINER ZEITUNG macht sich grundsätzliche Gedanken:

'Kindern, die in solchen prekären Verhältnissen aufwachsen, kann das Leben zur Qual werden. Auch wenn noch nicht klar ist, ob tatsächlich immer mehr Jungen und Mädchen vernachlässigt werden oder ob - glücklicherweise! - durch ein gewachsenes Unrechtsbewusstsein mehr Fälle von Vernachlässigung angezeigt werden, sicher ist, der Staat muss eingreifen und helfen, wenn eine Familie überfordert ist. Das gebietet seine Fürsorgepflicht für die Kleinsten und Hilflosen.'

Die NEUE WESTFÄLISCHE aus Bielefeld appelliert:

Die Kultur des Hinsehens ist gefragt, das hat mit Denunziantentum nichts zu tun. Denn das Wohl der Kinder geht uns alle an. Das gilt auch für alle, die im Jugenschutz professionell arbeiten. Menschlichkeit braucht keine Paragrafen.'