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Politik

Pressestimmen von Samstag, 22. März 2003

IRAK-KRIEG

Der Irak-Krieg ist erneut das zentrale Thema der deutschen Tageszeitungen. Dabei befasst sich DIE WELT zunächst mit der Berichterstattung der Medien über das Kriegsgeschehen:

'Die Illusion der Nähe ist real. Im Fernsehen wirkt der Live-Vormarsch der Amerikaner wie eine Rallye Paris-Dakar mit schwerem Gerät, und die Bilder der Luftangriffe in bleicher Nacht lassen per Surround die räumliche Ortung der Detonationen zu. Die Macht der Bilder ist bestürzend, und sie wird wachsen, je mehr sich die alliierte Offensive entfaltet. BBC unterlegt solche Aufnahmen manchmal bereits mit Popmusik. Krieg und Wohnzimmerkino sind dabei, sich zu verloben. Francis Ford Coppolas berühmter, mit Wagner-Klängen untermalter Hubschrauberangriff in 'Apocalypse Now' wird Wirklichkeit.'

In der FULDAER ZEITUNG heißt es:

'In Kriegszeiten wird es mit der Wahrheit nicht so genau genommen. Unbequeme Nachrichten werden vom Militär, das über ein Informationsmonopol verfügt, häufig unterdrückt, uminterpretiert oder ins glatte Gegenteil verkehrt. Daher kann die Berichterstattung in den Medien nicht so objektiv sein, wie es wünschenswert wäre. Aber was sollen die Medien tun? Solche Ereignisse zu ignorieren wäre eine Form von Zensur und damit inakzeptabel. Journalisten können nur berichten - nach bestem Wissen und Gewissen. Das sollten sich Leser, Zuhörer und Zuschauer immer wieder ins Gedächtnis rufen.'

Die TAZ aus Berlin schreibt:

'Je einfacher die USA siegen, desto schwerer wird es, sie für die Zukunft von ihrem völkerrechtswidrigen Konzept der 'präventiven Militärschläge' abzubringen. Kritiker haben immer wieder zu Recht auf die immensen Gefahren dieses Krieges für den Weltfrieden, die Stabilität der Region und die Menschen im Irak hingewiesen. Auch die US-Regierung weiß, dass sie überhaupt nur eine Chance für eine nachträgliche Legitimierung des Krieges in den Augen der Weltöffentlichkeit hat, wenn keines dieser Szenarien sich bewahrheitet. Schon deshalb waren die Warnungen richtig und wichtig. Wenn die Apokalypse, vor der die Kriegsgegner warnen, ausbleibt, ist das keine Bestätigung der Kriegstreiber.'

Der MANNHEIMER MORGEN kommentiert:

'Heute schon lässt sich ausrechnen, dass die Zivilbevölkerung zu den Opfern dieses Krieges zählen wird - Getötete sowieso, Überlebende, weil sie für den Rest ihres Lebens gezeichnet sein werden. Lebten die Iraker schon vor George Bushs Militärschlag im Ausnahmezustand, so wird ihre Lage mit zunehmender Dauer und Heftigkeit des Kriegs umso dramatischer werden. Bushs Wort vom 'Respekt' vor den Irakern und Tony Blairs Versprechen 'Wir sind auf Ihrer Seite' in Gottes Ohr: Um überhaupt eine Chance auf Akzeptanz zu haben, dürfen die 'Willigen' mit ihren Bomben kein einziges Mal danebentreffen. Und sie müssen im Gleichschritt mit ihren vorrückenden Truppen das Überleben der vielen namenlosen Opfer sichern - koste es, wie viel es wolle.'

Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus meint:

'Der Bundeskanzler hat in seiner gestrigen Erklärung klargemacht, dass es für unser Land Zeit ist, sich Gedanken zu machen, wie es hilft, die Trümmer zu beseitigen. Dies gilt auch für den politischen Scherbenhaufen, den der Krieg in Europa hinterlassen hat. Daran sollten sich alle in der deutschen Politik messen lassen - die Opposition genauso wie die Anhänger der Koalition, die jetzt vornehmlich damit beschäftigt sind, sich in der weit verbreiteten Empörung über den Kriegsbeginn wiederzufinden. Sie sind ja ihrerseits in der Gefahr, sich einzuigeln in einem Krieg der Argumente. Der Ausstieg aus der Logik des Krieges beginnt mit dem Nachdenken darüber, wie Europa wieder mit einer Stimme spricht. Und eine der Voraussetzungen dafür ist sicher, zu erkennen, dass dies eben nicht nur der Krieg der Amerikaner ist.'

Abschließend die B.Z. aus Berlin:

'Auch in Berlin gehen heute wieder Menschen gegen die militärische Entwaffnung des Irak auf die Straße. Und dass ist auch wirklich gut so. Man muss nicht mit den Losungen und Zielen der Demonstranten übereinstimmen. Aber auch dann ist es eine Genugtuung, so viele Menschen mit ihrer Kritik auf den Straßen und Plätzen zu sehen. Ganz besonders gilt das für die an der Operation unmittelbar beteiligten Staaten. Kann es einen größeren Beweis für die Qualität einer Demokratie geben, als die Proteste gegen die Politik der eigenen Regierung, während sich das Land selbst im Krieg befindet. Aus den Reichen der Saddams dieser Erde hat man so etwas noch nie gehört.'

  • Datum 21.03.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Helmut Schmitz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3Ps8
  • Datum 21.03.2003
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