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Politik

Pressestimmen von Samstag, 20. August 2005

Papst Benedikt XVI. im Rheinland


Die Kommentare in den deutschen Tageszeitungen am Samstag beschäftigen sich in der Mehrzahl mit dem Aufenthalt von Papst Benedikt XVI. in Deutschland. Sein Besuch in der Kölner Synagoge wird dabei besonders gewürdigt.

Dazu schreibt die ' KÖLNISCHE RUNDSCHAU':

'Erstmals in der Kirchengeschichte betrat in Köln ein Papst eine in Deutschland errichtete Synagoge, erstmals zudem ein Papst aus Deutschland - dem Land, in dem die Vernichtung des jüdischen Volkes versucht worden war. Das Treffen von weltpolitischer Dimension entwickelte sich zum ergreifenden Ereignis. Es war geprägt vom sichtbaren Bestreben beider Seiten, in vielen protokollarischen Details Symbole des guten Willens zu setzen, ohne das theologisch Trennende zu leugnen oder schwärende Wunden zu verbergen.'

' DIE WELT' aus Hamburg kritisiert, dass sich der Papst nicht zum Verhältnis zwischen Vatikan und israelischem Staat geäußert hat:

'Man wünschte sich ein Wort dazu, dass der jüdische Staat Israel das erste Opfer des Terrorismus ist - weil Rom hierzu wenig sagt, gibt es Spannungen zwischen Israel und dem Vatikan. Doch der Papst weicht nicht von der einmal in Rom festgelegten Deutung des Nahost-Konflikts ab - wie er überhaupt in Köln erkennen läßt, dass er wenig von Überraschungen hält. Man mag das unoriginell finden. Doch es ist klug, denn Benedikt XVI. sichert dadurch das Erbe seines Vorgängers und erspart der Kirche zugleich eine Neuauflage des Genialismus von Johannes Paul II.'

Versöhnlicher formuliert es die ' SÜDDEUTSCHE ZEITUNG' aus München:

'Man könnte natürlich fragen, was der Papst in der Kölner Synagoge alles "nicht" sagte und was dieses Nichtssagen zu bedeuten habe: kein Schuldbekenntnis der katholischen Kirche gegenüber den Juden, wie es Johannes Paul II. abgegeben hatte; keine Erklärung, warum der Vatikan zuletzt zu israelischen Terroropfern geschwiegen hatte. Sehr fruchtbringend wären solche Überlegungen nicht. Eine Wiederholung hätte leicht aufgesetzt wirken können. Und wenn sich auch nicht das Verhältnis des Vatikans zum Staat Israel verbessert, so doch immerhin zum Judentum an sich.'

Zur Euphorie um den Papst bemerkt die ' STUTTGARTER ZEITUNG':

'Benedikt gibt sich zwar Mühe in der Rolle des Medienstars, an sein schauspielerfahrenes Vorbild aber reicht er nicht heran. Er tanzt nicht mit und spricht mit seiner formelhaften Redeweise die Probleme der Jugendlichen bisher kaum an. Wenn er trotzdem beklatscht wird, liegt dies an der hohen Euphoriebereitschaft auf dem Mega-Event und an seinem Amt.'

Die ' HEILBRONNER STIMME' schreibt über die Begeisterung der jungen Pilger:

'Man kann den Teilnehmern und Organisatoren des Weltjugendtags sauertöpfisch vorwerfen, Teil der postmodernen Spaßkultur zu sein. Doch das ist nicht nur "uncool", sondern auch unhistorisch. Denn die katholische Kirche wusste zu allen Zeiten, Heiliges aufs Prächtigste zu inszenieren. Hunderttausende junger Menschen aus aller Welt [...] haben ein gastfreundliches Deutschland kennen gelernt. Sie sind einander begegnet und haben damit Grenzen der Kulturen überschritten. Das verdient vollmundiges Lob und nicht schmallippige Mäkelei.'

Der ' MANNHEIMER MORGEN' glaubt dagegen nicht, dass die Papst-Euphorie lange anhält:

'Die jungen Pilger jubeln beim "Papst-Gucken" dem Pontifex zu und pfeifen gleichzeitig auf die von ihm verkündeten Regeln, etwa in Fragen der Verhütung oder der sexuellen Moral. Diese Kluft wird wieder aufbrechen, wenn die derzeitige 'Wir-sind-Papst-Welle' abgeebbt ist. Auf lange Sicht wird die Kirche nur vom frischen Wind aus Köln profitieren, wenn es ihr gelingt, der Jugend dauerhaft eine Heimat zu bieten. Dazu muss sie ihr jedoch beides ermöglichen: zu glauben und zu leben. Tut sie das nicht, bleibt vom Weltjugendtag außer faszinierenden Bildern nichts übrig.'
  • Datum 19.08.2005
  • Autorin/Autor Jan Liebold
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  • Permalink http://p.dw.com/p/74Rg
  • Datum 19.08.2005
  • Autorin/Autor Jan Liebold
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