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Politik

Pressestimmen von Samstag, 19. Juli 2003

Neue Peinlichkeit bei der IG Metall / Mysteriöse Vorgänge an der Downing Street

Die IG Metall kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Überraschend sagte die Gewerkschaft eine Pressekonferenz zur Führungskrise ab. In der Außenpolitik befassen sich die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen mit dem Irak-Krieg und mysteriösen Ereignissen an der Downing Street.

Der MANNHEIMER MORGEN schreibt zur IG Metall:

"Alle Versuche Zwickels, den Dogmatiker Peters als Nachfolger zu verhindern, bewirkten das Gegenteil. Vorläufiger Höhepunkt war die geheimnisumwitterte Pressekonferenz, die Zwickel kurzfristig absagen musste. Angeblich war ihm das Kaninchen, das er aus dem Hut zaubern wollte, spontan davongelaufen. Nun sollte der gescheiterte Stratege den Reformern einen Gefallen tun - und vorzeitig gehen. Sonst wird Peters beim Gewerkschaftstag wieder in Zwickels Schatten strahlen."

In der KÖLNISCHEN RUNDSCHAU heißt es:

"Wer soll da noch durchblicken? Was sich hinter den verschlossenen Türen in der Frankfurter IG-Metall-Zentrale wirklich abspielt, weiß niemand. Die 2,6 Millionen zahlenden Mitglieder können das schon gar nicht verstehen. Sie wissen nicht, wohin die Reise geht. Sie stehen vor einem Scherbenhaufen mit dramatischem Wachstum. Er wird weiter von Männern aufgehäuft, die vorgeben, Führungsqualität zu besitzen und erfahrene Strategen zu sein. Die mächtigen Bezirksleiter sind vom Vorstand ernannt und wurden nicht von unten geschickt. Dieses System muss versagen, wenn das eingefahrene Rollenspiel zwischen Vorsitzendem und seinem Stellvertreter ausgesetzt ist."

Auch das FREIE WORT aus Suhl stellt fest:

"Die Krise der IG Metall ist zunächst eine Krise ihrer Führung. Die ist heillos zerstritten und macht den Eindruck, eher an der Verunglimpfung von Gegnern interessiert zu sein als an Zukunftskonzepten. Ein wirklicher Neuanfang ist nur mit neuen unverbrauchten Köpfen möglich."

Nach Ansicht der MÄRKISCHEN ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder herrscht bei der IG Metall das "blanke Chaos". Das Blatt bemerkt:


"Nur an die Arbeitnehmer, deren Interessen sie eigentlich vertreten sollen, denken die Herren in der Gewerkschaftszentrale in Frankfurt/Main offenbar nicht. Nichts zu hören war bislang von inhaltlichen Konsequenzen aus dem ostdeutschen Streikdesaster. Nicht in Sicht ist ein glaubwürdiger Neuanfang."

Die Zeitung DIE WELT schließlich urteilt:

"Mit Zwickels Namen wird der unaufhaltsame Niedergang der mächtigsten Industriegewerkschaft der Welt für immer verknüpft bleiben. Er kritisierte öffentlich die Betonfraktion um seinen Vize Jürgen Peters, die die Basis gegen die Reformagenda 2010 zu mobilisieren versuchte. Das Vorhaben endete ebenso kläglich wie der Versuch, dem Osten gegen jede ökonomische Vernunft die 35-Stunden-Woche aufzuzwingen. Auch von diesem Arbeitskampf hatte Zwickel eindringlich abgeraten. Doch die späten Einsichten des Gewerkschaftsbosses mussten an einer Organisation scheitern, die stets an den Nimbus ihrer Unbesiegbarkeit geglaubt und deshalb den Blick für die Realitäten verloren hat."

Der in Berlin erscheinende TAGESSPIEGEL wendet sich dem Irak-Krieg zu:

"Amerikas Oberbefehlshaber im Irak schockt die Nation mit dem Wort Guerillakrieg. Präsident Bush und Premier Blair beharren auf einer Kriegsbegründung, die ihnen kaum einer abnimmt. Deutschland rätselt über die wahre Bilanz der USA-Reise des Außenministers Fischer: Geht die Bundeswehr doch noch in den Irak, falls Amerika einem UN-Mandat zustimmt? Und jetzt dieser brisante Leichenfund - der mutmaßliche Kronzeuge der BBC für den Kriegslügen-Vorwurf gegen Tony Blair? Das Irak-Dossier wird immer verwirrender, blutiger, schmutziger. Der Verdacht, die britische Regierung könnte in einen Mord an einem unbequemen Zeugen verwickelt sein - nein, der ist so ungeheuerlich, dass man ihn bis zum Beweis des Gegenteils von sich weisen muss."

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU wirft Tony Blair Nibelungentreue zu US-Präsident Bush vor:

"Zu Hause, wo visionäre Überflüge nicht mehr verfangen, wird Blair weder Bush noch die ganz aufs amerikanische Publikum zugeschnittene Performance vor dem Kongress weiterhelfen. Er ist in der Sache ja zurückgerudert und hat erstmals eingeräumt, dass er sich in der Bedrohungsanalyse geirrt haben könnte. Das allein zählt an der Themse, vor allem, wenn die Leiche bei Abindon aus der 45-Minuten-Affäre um mögliche Kriegslügen einen düsteren Politkrimi oder handfesten Skandal machen sollte."

  • Datum 18.07.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Frank Gerstenberg
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3sFz
  • Datum 18.07.2003
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