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Politik

Pressestimmen von Samstag, 19. April 2003

Papst-Enzyklika/ SPD-Streit/ Nachkriegs-Irak

In den Kommentaren der deutschen Tagespresse gibt es an diesem Samstag zwei zentrale Themen - den SPD-internen Streit um den Reformkurs von Kanzler Gerhard Schröder und die Papst-Enzyklika zur Ökumene. Außerdem ist nochmals die Situation im Nachkriegsirak ein Kommentarthema. Zunächst zur Enzyklika des Papstes, der sich gegen ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten ausgesprochen hat.

DER TAGESSPIEGEL meint:

'Am Beginn der Planungen für den Ökumenischen Kirchentag Ende Mai in Berlin stand eine Utopie: das gemeinsames Abendmahl als ultimatives Symbol der Zusammengehörigkeit aller Christen, mindestens aber die gegenseitige Gastfreundschaft an den immer noch getrennten Tischen des Herrn. Von der evangelischen Kirche wird sie seit Jahren ausgesprochen. Viele Katholiken hätten das nun auch von ihrer Kirche erwartet. Vorbei. ... Schon wer als Katholik gastweise an einer evangelischen Abendmahlsfeier teilnimmt und das wird doch in nennenswerter Zahl geschehen, verstößt gegen die päpstliche Anordnung. Folglich wird das Gegenteil dessen eintreten, was der Papst mit seinem Sendschreiben beabsichtigt: Die Kluft zwischen Kirchenleitung und Kirchenvolk wird nicht geschlossen, sondern vertieft.'

Der Bonner GENERAL-ANZEIGER sieht es gelassener:

'Die Kirchen sind zumindest in Deutschland längst zur Ökumene auferstanden und geben allen Religionen ein Beispiel des Friedens. In Berlin wird bald der erste ökumenische Kirchentag gefeiert, leider noch ohne Abendmahlsgemeinschaft. Die jüngste Enzyklika des Papstes sollte sie herausfordern, nun erst recht nach Einheit zu streben.'

DIE WELT weiß der Enzyklika positive Aspekte abzugewinnen. Im Kommentar heißt es:

'Papst Johannes Paul II. hat mit seiner Eucharistie-Enzyklika ein Zeichen wider einen allzu pragmatischen Ökumenismus gesetzt. Die Grundaussage lautet, dass die Eucharistie, die Feier der Gegenwart Jesu Christi in Brot und Wein, die Mitte des Wachstumsprozesses der Kirche ist und deshalb weder Zweideutigkeiten noch Minimalisierungen duldet. Man versteht Karol Wojtyla falsch, wenn man seinem Lehrschreiben antiprotestantische Intentionen unterstellt. Es richtet sich zuallererst an die katholische Kirche. In der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils trat so manche Nachlässigkeit im Umgang mit der Eucharistie zu Tage. Deshalb möchte der Papst, dass seine eigene Kirche in der Achtung und Würde gegenüber dem Geheimnis von Brot und Wein wieder erstarkt.'

Themenwechsel und zu den parteiinternen Differenzen in der SPD. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sieht die Sozialdemokraten in ihrer Identität gefährdet:

'Was ist noch sozialdemokratisch an der Schröderschen Politik? Es wird nicht reichen, wenn der Kanzler und sein Fraktionschef Müntefering ihren Sozialdemokraten die Gefahren eines Kanzlersturzes und des Machtverlustes an die Wand malen. Dass es unter einer Regierung Merkel/Westerwelle/Brüderle noch viel schlimmer käme – das Argument wird Schröder wohl reichen, um die Vertrauensfrage beim Sonderparteitag zu bestehen. Das wird aber nicht reichen, um den Niedergang der SPD aufzuhalten und Vertrauen aufzubauen. Was hilft der Triumph des Augenblicks, was hilft es, wenn man fürs erste
die Macht behält, aber dafür sozusagen die Seele verliert? Die SPD lebt von ihrer sozialen Kompetenz - und sie stirbt mit ihr.'

Auch die KIELER NACHRICHTEN sehen die SPD in einer Niedergangsphase:

'Was ist das bloß für eine unterirdische Debatte in der SPD! Der Kanzler wirft seinen Kritikern Denkfehler vor. Daraufhin schlägt das Gewerkschaftsimperium zurück: Gerhard Schröder begehe geradezu fundamentale Denkfehler. Ja, sind wir denn hier im sozialpolitischen Proseminar? Das Diskussionsniveau in der Sozialdemokratie ist erbärmlich. Dabei war die Streitkultur einst die große Stärke der SPD. Nach nicht einmal fünf Regierungsjahren ist die Partei inhaltlich so verkümmert, dass man am liebsten Hundertschaften der Polizei losschicken möchte, um sie zu suchen.'

Abschließend noch die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, die sich der Situation im Nachkriegsirak widmet:

'Es wird viel Zeit brauchen, bis dieses Land zu einer Ordnung gefunden hat, in der es Sicherheit gibt, die Menschenrechte geachtet werden und in der politische Konkurrenz mit Mitteln der Verfassung ausgetragen wird. Bis dahin ist eine robuste Präsenz der Siegermächte unerlässlich. Es wäre nicht zuletzt angesichts der Opfer und der politischen Kosten fatal, wenn der militärische Sieg im nach hinein verloren würde.'

  • Datum 18.04.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Hans Ziegler
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/3VQX
  • Datum 18.04.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Hans Ziegler
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