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Politik

Pressestimmen von Samstag, 18.Mai 2002

FDP-Antisemitismus / Tierschutz / Haarfarbe des Kanzlers

Der Streit um Möllemann und den Antisemitismus beherrschen die Kommentare der Zeitungen an diesem Samstag - Themen sind aber auch der Tierschutz und der Gerichts-Streit um des Kanzlers Haarfarbe.

Zunächst zu den Liberalen und ihrem Konflikt mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Dazu die 'Süddeutsche Zeitung':

'Bei Möllemann heiligt der Zweck den Antisemitismus. Wenn Antisemitismus dazu führt, dass die FDP Wahlerfolge einheimst wie die FPÖ in Österreich - dann ist es Möllemann recht. Er spielt auf der Klaviatur der antijüdischen Ressentiments, als habe er eine Klausur mit Jörg Haider absolviert. Es ist widerlich. Möllemann wirft den Holocaust auf dem Spieltisch, auf dem er um seine 18 Prozent würfelt.
Er hantiert mit den Versatzstücken des klassischen Antisemitismus so, wie man das bisher von Funktionären der Republikaner und der NPD kannte. ...Wo bleibt eigentlich der Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, um seinem Ziehsohn Möllemann in die Parade zu fahren?'

Und die 'Westdeutsche Zeitung' in Düsseldorf meint:

'Wenn es dem Esel zu gut geht, begibt er sich aufs Eis. Nach dem euphorischen Parteitag in Mannheim vor einer Woche sind die Liberalen plötzlich in eine schwere Krise geschliddert. Der Wechsel des Ex-Grünen-Landtagsabgeordneten Jamal Karsli zur FDP, den Landeschef Jürgen Möllemann zu nächst als Geniestreich verkaufte, hat sich inzwischen als schwere Belastungsprobe erwiesen. ...Der Fall Karsli hat sich inzwischen zu einem Fall Möllemann ausgeweitet.'

Das in Berlin erscheinende Blatt 'Die Welt' mutmaßt gar, die FDP sei jetzt mehr denn je dem politischen Gegner ausgeliefert:

'Das haben die Liberalen nicht verdient. Gleichwohl lautet die
Lehre: Wer das Äußerliche von Politik massiv aufwertet, dem schaden in diesem Lack schon kleine Kratzer plötzlich ganz erheblich – die politischen Gegner haben es erkannt und lassen nicht ab. Auch der Bundeskanzler will vor allem das Image der FDP beschädigen und weniger ihre Projekte widerlegen, wenn er der Partei eine Haiderisierung unterstellt. Wer mag da nicht alle Hoffnung fahren lassen, es könnte im Wahlkampf doch um das gehen, was hinter den Fassaden stecken müsste: die Rezepte gegen Wirtschaftskrise,
Reformstau und Über-Staatlichung in Deutschland.'

Thema-Wechsel und zum Tierschutz, der jetzt in der Verfassung verankert werden soll. Im Kölner 'Express' lesen wir:

'Eine Zivilisation kann man danach beurteilen, wie sie ihre Tiere behandelt', hat der große indische Freiheitskämpfer
MahatmaGandhi einmal gesagt. In vielen Industrieländern, darunter Deutschland, müsste das Urteil erbärmlich ausfallen. Trotz aller Liebe zu Millionen von Haustieren sind unsägliche Bedingungen bei Tierhaltung und Transport sowie groteske Tierversuche bei uns leider noch immer an der Tagesordnung. Gut, dass den Tieren in unserer Verfassung endlich ein Schutzrecht zugestanden wird. Doch kommt es jetzt vor allem darauf an, den schönen Worten auch Taten folgen zu lassen.'

Die 'Berliner Zeitung' kommentiert:

'Dieses Gesetz kann Impulse für eine Verbesserung des Tierschutzes geben. Die drei Worte im Artikel 20a '...und die Tiere' werden den Druck auf die Bauern, die Tierzüchter, die Agrarindustrie und die Forschung erhöhen, sich häufiger öffentlich für die 'Nutzung' und den 'Verbrauch' von Tieren zu rechtfertigen. ...Stets bedurfte es heftiger externer Kritik, um die Zahl der angeblich unverzichtbaren Tierversuche in den Labors zu verringern und alternative Methoden zu entwickeln. Es ist nicht anzunehmen, dass die jetzt ermutigten Tierschützer der Forschung die Frage ersparen, warum die Zahl der 'verbrauchten' Versuchstiere in den letzten Jahren wieder steigt.'

Zum Abschluss noch eine Anmerkung der 'Offenbach-Post' zur Diskussion um des Kanzlers Haarfarbe:

'Die Nation reibt sich verblüfft die Augen: Gibt es wirklich nichts Wichtigeres für den Regierungschef, als Richter und Anwälte mit seiner ach so interessanten Haarfarbe zu befassen? Es ist doch völlig wurscht, ob ein Kanzler schwarz-, rot- oder grauhaarig durch die Republik stolziert. Auch eine Glatze wäre den meisten Untertanen mit Sicherheit ziemlich egal, Hauptsache, der Mann macht einen guten Job.
... Souveränität sieht echt anders aus.

  • Datum 17.05.2002
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Hanns E.Petrik
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2ByV
  • Datum 17.05.2002
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