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Politik

Pressestimmen von Samstag, 17. November 2007

Keine Annäherung im Tarifstreit

Zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn gibt es nach wie vor keine Annäherung im Tarifstreit. Nach mehreren Streiktagen im Güter- und Personenverkehr lässt die GDL auch weiter nicht locker: Sollte die Bahn bis Montag kein neues Tarifangebot vorlegen, werde weitergestreikt. Notfalls werde sogar in den unbefristeten Ausstand getreten, so die Drohung. Um den Konflikt endlich zu lösen, fordern die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen ein Einlenken der Bahn.

So sieht die STUTTGARTER ZEITUNG Bahnchef Hartmut Mehdorn eindeutig in der Bringschuld:

"Wie gelangen die Tarifpartner nun aus der Klemme? Gegenseitig halten sich Bahn und Gewerkschaft vor, nicht ernsthaft verhandeln zu wollen. Im Grunde ist es ganz einfach: die GDL will den eigenständigen Tarifvertrag, um später unabhängig von Transnet verhandeln zu können. Erhält sie ihn, wird sie künftig wieder Vernunft walten lassen. Bei der Lohnerhöhung gibt es mehr Spielraum: zweistellig solle sie sein, heißt es nun. Der Konflikt scheint lösbar, wenn die Arbeitgeberseite ihn denn nur lösen wollte."

Die TAGESZEITUNG aus Berlin sieht das ähnlich:

"Indem Bahn-Chef Hartmut Mehdorn die Gewerkschaft auf Schadenersatz verklagt, lässt er den Konflikt weiter eskalieren. Eine Lösung ist nur möglich, wenn die Bahn den Lokführern entgegenkommt und tatsächlich mehr Geld und mehr Rechte anbietet. Doch Nachgeben ist für Mehdorn ein Fremdwort. Schon bei der Bahn-Privatisierung hat er gezeigt, dass er auf Mehrheiten und Argumente keine Rücksicht nimmt, sondern stur an seinem Kurs festhält. Es wird Zeit, den Weg frei zu machen für eine neue Bahn-Kultur. Das geht nur ohne Mehdorn."

Die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz schreibt:

"Es ist schon erstaunlich, mit welcher Gelassenheit sich die Menschen in diesem Land von einer wirklich klitzekleinen Gewerkschaft in ihrem Alltag einschränken lassen. Sicher ist: Diese Republik ist noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem so sehr gelitten wird, dass der Zorn der Betroffenen jegliche Sympathie für die eine oder andere Seite wegschwemmt. Genau deshalb wäre jetzt eine gute Zeit für Einsicht, bevor nämlich die Stimmung kippt. Geht das nicht mit Bahnchef Mehdorn und GDL-Boss Schell, dann eben mit anderen!"

Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg bemerkt:

"Bahnchef, bleibe hart? Der Aufsichtsrat hat gut reden. Millionen Pendler, Reisende und viele Firmen, die bei Eis und Schnee auf die Straßen ausweichen müssen, verlieren indes die Geduld. Wie lange kann Mehdorn noch den Kopf hinhalten für die Erzwingung der Tarifeinheit in seinem Unternehmen? Er weiß, dass das gesamte Tarifgefüge der Bahn zusammenbricht, wenn er der GDL nachgibt. Dann muss er auch seine Gewinnbilanz, mit der er den Börsengang aufhübschen wollte, zusammenstreichen."

Die OSTTHÜRINGER ZEITUNG aus Gera meint abschließend:

"Das Desaster ist längst eingetreten. Ein Unternehmen, das an die Börse will, aber einen Tarifstreit, statt flexibel zu lösen, verbissen auf die Spitze treibt, empfiehlt sich kaum für solide Geldanlagen. Ein Management, das Tarifauseinandersetzungen und damit verbundene Forderungen einer Gewerkschaft als Erpressung hinstellt, erweist sich auch nicht als seriöser Tarifpartner. Jetzt rächt sich, dass Bahnchef Mehdorn die Gewerkschaften der Branche gegeneinander ausspielen und am Ende als der mächtige Macher dastehen wollte, der die Weichen stellt. Das ist das eigentliche Desaster, und auch der Vorstand der Bahn, der Mehdorn in dieser Woche geradezu zum harten Konfrontationskurs ermunterte, hält daran eine Hauptaktie."