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Politik

Pressestimmen von Samstag, 14. Januar 2006

USA-Besuch von Merkel / Absage der WM-Eröffnungsgala

Der Antrittsbesuch von Bundeskanzlerin Merkel bei US-Präsident Bush ist Thema der meisten deutschen Tageszeitungen. Aber auch auf die überraschende Absage der WM-Eröffnungsgala gehen viele Kommentatoren ein.

Zum ersten Thema notiert die Berliner TAGESZEITUNG (TAZ):

"Die außenpolitischen Koordinaten waren schon vor Beginn der Visite von Angela Merkel in Washington markiert worden: Beide Seiten haben derzeit ein großes Interesse an einem freundlichen Gesprächsklima. Nicht nur, aber auch, weil bestimmte Themen - Stichwort: Atomprogramm des Iran - keinen Aufschub dulden und weil alle Beteiligten darin übereinstimmen, dass ein gemeinsamer Kurs wünschenswert wäre. Vor einem solchen Hintergrund werden freundliche Fernsehaufnahmen produziert. Und nichts sagende Statements."

Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt an der Oder ergänzt:

"Wenn die Verwerfungen nicht noch größer werden sollen, müssen sich alle beteiligten Seiten bewegen. Ein prima Klima, um das sich sowohl Merkel als auch Bush am Freitag in Washington bemühten, kann dabei nicht schaden. Der US-Präsident ist im Irak gescheitert. Mit dem Iran wartet jetzt eine Herausforderung, die geschlossenes Handeln erfordert. Wenn die Supermacht die Europäer als Partner und nicht als willfährige Hilfstruppe begreift, kann ein Neuanfang gelingen."

In der in Rostock erscheinenden OSTSEE-ZEITUNG heißt es:

"Die US-Regierung weiß inzwischen, dass sie nicht mehr ohne Rücksichten auf ihre Bündnispartner handeln kann. Merkel dürfte klar sein, selbstbewusste Partnerschaft nicht mit blinder Gefolgschaft zu verwechseln. Bei allen gemeinsamen Werten mit Amerika wird es immer auch unterschiedliche politische und wirtschaftliche Interessen geben. Im Atomstreit mit dem Iran etwa werden sich die neuen transatlantischen Bande bewähren müssen. Krieg und Sanktionen sollten für Deutschland dabei keine reale Option sein."

Das HAMBURGER ABENDBLATT führt aus:

"Zur Verblüffung ihrer Kritiker hat die Kanzlerin sehr deutliche Worte bezüglich des bisweilen lässigen Umgangs der Bush-Administration mit dem Völker- und Menschenrecht gefunden. Doch bei allen Meinungsunterschieden darf der Kern der Partnerschaft nicht vergessen werden: Im Abwehrkampf gegen globale Terrornetze und aggressive Despotien stehen die Demokratien Deutschland und die USA auf derselben Seite."

Der in Neubrandenburg herausgegebene NORDKURIER schließlich kommt zu folgender Einschätzung:

"Deutschland braucht sich gegenüber den USA weder demütig noch forsch-fordernd zu geben. Auch wenn die Politik George Bushs im transatlantischen Verhältnis viel Porzellan zerschlagen hat, auch wenn der derzeitige amerikanische Präsident von vielen Europäern als eine Last empfunden wird, die man wohl oder übel noch ein paar Jahre politisch ertragen muss: Das, was Amerika und Europa verbindet, ist eine über mehr als zwei Jahrhunderte gewachsene zivilisatorische Gemeinsamkeit in Denken, Fühlen und Handeln. Sie lässt sich durch zwei Amtszeiten eines amerikanischen Präsidenten, der für die Europäer der Un-Sympath schlechthin ist, nicht erschüttern."

Und damit Themenwechsel: Nur noch Kopfschütteln haben die Zeitungskommentatoren für die jüngste Pleite bei den WM-Vorbereitungen übrig, nämlich die Absage der Eröffnungsgala im Berliner Olympia-Stadion.

So konstatiert etwa die BERLINER ZEITUNG:

"Deutschland blamiert sich mit seinem ambitionierten Projekt der Fußball-Weltmeisterschaft derzeit, wo es kann. Verbraucherschützer rügen die absonderliche Vergabepraxis der WM-Tickets, die Stiftung Warentest stellt Sicherheitsmängel in hochmodernen Arenen fest und die Stadiongala entpuppt sich als undurchführbarer Flop. In Deutschland, dem selbsternannten Land der Ideen, setzt, wenn es um Fußball geht, mittlerweile flächendeckend das Denken aus."

Auch die OFFENBACH-POST ist der Ansicht:

"Was für eine Blamage für Deutschland und was für eine peinliche Woche für die Organisatoren im Land des Organisations-Weltmeisters: Wenige Tage, nachdem aufgeregte Warentester modernste Arenen in Grund und Boden geschrieben haben, hat der Weltfußballverband FIFA André Hellers gigantische WM-Eröffnungsgala 'ein Fest des Staunens' abgeblasen. Offizielle Begründung: Probleme mit dem Rasen im Berliner Olympiastadion, der nach dem Gala-Stress für das erste Spiel sechs Tage später nicht wieder hergerichtet werden könne. Das ist wahrlich zum Staunen. Die wahren Gründe für die Notbremse dürften nämlich woanders liegen: Insider gehen davon aus, dass die 25-Millionen-Sause der FIFA zu teuer wurde."

Die BERLINER MORGENPOST weist in diesem Zusammenhang auf folgenden Aspekt hin:

"Tatsächlich hatte die Fifa für ihre Gala gerade einmal 5000 Karten verkauft. Vielen schien das Preis-Leistungsverhältnis der Veranstaltung nicht attraktiv. Vom weit entfernten Oberring einen Blick auf Ex- Weltmeister wie Pelé oder Maradona zu erhaschen, ein bisschen Ethno- Musik zu hören und Formationstänze zu betrachten das ist den Berlinern eben doch nicht Mondpreise von 100 bis 750 Euro wert. Die Tarife seien moderat, behauptet die Fifa. Das mag im reichen Zürich gelten. Im armen Osten Deutschlands ist das anders."

Und die TZ aus München resümiert:

"Fünf Jahre konnte sich Deutschland auf 'seine' WM vorbereiten - um dann exakt 146 Tage vor dem Anpfiff die große Eröffnungs-Gala abzusagen. Das ist nicht nur äußerst peinlich, sondern auch ein fatales Signal! Plötzlich sind da diese endlosen Diskussionen um angeblich unsichere und teils nicht funktionsfähige Stadien. Dazu der Ärger um den Kartenverkauf, die Misswirtschaft beim Münchner Fußball-Kongress (1,56 Millionen Euro Miese), die Absage von Events. Südafrika, unser Konkurrent bei der WM-Vergabe, hätte es wohl auch nicht dilettantischer hingekriegt."

  • Datum 13.01.2006
  • Autorin/Autor Stephan Stickelmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7mng
  • Datum 13.01.2006
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