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Politik

Pressestimmen von Samstag, 11. August 2007

Finanz-Turbulenzen wegen US-Hypothekenkrise

Weil viele Eigenheimbesitzer in den USA ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können, sind bereits zahlreiche Banken in arge Schwierigkeiten geraten, und auch die internationalen Finanzmärkte reagierten zuletzt mit heftigen Turbulenzen. Um ein Übergreifen der Hypothekenkrise auf Europa zu verhindern, versorgte die Europäische Zentralbank am Freitag den Markt erneut mit einer milliardenschweren Finanzspritze. Die Kommentatoren der deutschen Tagespresse beschäftigen sich vor allem mit der Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

In der FRANKFURTER RUNDSCHAU heißt es dazu:

'Dieser Wahnsinn deutet auf ein fatales Versagen der Finanzaufsicht hin. Es zeigt sich nicht nur bei der leichtfertigen Vergabe von Hypotheken in den USA. Vielmehr ist das gesamte System außer Kontrolle geraten. Offenkundig gingen Liberalisierung und De-Regulierung der Finanzmärkte zu weit. Staatliche und supranationale Institutionen sind gut beraten, die Schrauben fester anzuziehen. Das würde zwar die Geschäftsmöglichkeiten der Finanzdienstleister beschneiden. Dies wäre indes ein geringer Preis angesichts der gesellschaftlichen Kosten, die bei einer richtigen Wirtschaftskrise drohen.'

Für den Leitartikler des NORDBAYERISCHEN KURIERS aus Bayreuth ist eine globale Wirtschaftskrise vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten gar kein so abwegiges Szenario:

'Die Geldtransfers der EZB bestätigen Befürchtungen, dass die Lage schlimmer als gedacht ist. An den Börsen herrscht Alarmstimmung, es ist Feuer unterm Dach. Viele Anleger wollen raus aus dem Risiko. Mit ihren Stützungsmaßnahmen versuchen die Zentralbanken in Europa, den USA und Japan, eine internationale Bankenkrise unter allen Umständen zu verhindern. Nach dem Verfall der Immobilienpreise in den USA haben die Geldinstitute massenweise faule Kredite in ihren Büchern stehen. Es droht die globale Kreditklemme, die die Weltwirtschaft aus der Bahn werfen würde.'

Das HAMBURGER ABENDBLATT stellt fest:

'Nur weil in den USA sich zu viele Menschen zu viel Geld gepumpt haben, geraten inzwischen sogar europäische Banken so unter Druck, dass die Europäische Zentralbank Milliarden an billigem, also niedrig verzinstem Geld, auf den Markt werfen musste, um die Banken liquide zu halten. Die Finanzkrise könnte ein Anlass sein, nachzudenken. Vor allem aber über bessere Kontrollmaßnahmen. Die sieben wichtigsten Industriestaaten der G7 sollten auf ihrem nächsten Treffen die Finanzmärkte erneut zum Thema machen. Wenn diese Märkte global handeln, muss auch die Geldpolitik der wichtigsten Staaten global besser abgestimmt werden. Ansonsten kann es immer wieder vorkommen, dass Beschlüsse der Notenbank eines mächtigen Landes Auswirkungen haben, die danach die ganze Welt ausbaden muss.'

Die Heidelberger RHEIN-NECKAR-ZEITUNG meint zur Ursache des Problems:

'In den vergangenen Jahren sind die Immobilienpreise in den USA ungesund stark gestiegen. Die Banken haben vielen Kunden neue Kredite mehr oder weniger aufgedrängt: Mr. Smith könnte sich ja jetzt, wo sein Haus doppelt so viel wert ist wie vor fünf Jahren, auch noch eine kleine Yacht kaufen. Erst wenn Mr. Smith mehr als die Hälfte seines Einkommens für Zins und Tilgung aufbringen muss, gilt er nicht mehr als erstklassiger Schuldner. Aber neue Kredite hat er trotzdem bekommen. Diese Kredite werden jetzt faul, weil die Immobilienpreise fallen. Das gesamte globale Finanzsystem gerät dadurch ins Wanken. Man kann nur hoffen, dass das (...) Eingreifen der Zentralbanken Wirkung zeigt.'

Abschließend noch ein Blick in die BERLINER MORGENPOST:

'Die Währungshüter können nur ein Symptom der Malaise kurieren: die Liquiditätsnot im Bankensystem. Der Kern des Problems bleibt: das verloren gegangene Vertrauen. Im Moment hegt in den Etagen der Hochfinanz fast jeder Zweifel an der Bonität eines jeden und behält damit sein Geld lieber für sich. Und dies kann fatale Folgen für die Realwirtschaft und damit auch die Konjunktur in Deutschland haben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es auch in den kommenden Tagen und Wochen an den Börsen ruppig zugehen wird. Denn nicht die finanziell überforderten US-Häuslebauer sind die Ursache der Misere, sondern die Tatsache, dass in der Welt der modernen Finanzprodukte selbst Insider kaum noch überblicken können, wer nun welches Kreditrisiko zu tragen hat.'