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Politik

Pressestimmen von Samstag, 1. September 2007

Erhebliche Mängel bei der Pflege

Der neue Prüfbericht der Krankenkassen zur Pflege alter und kranker Menschen in Deutschland sieht Verbesserungen, aber auch erhebliche Mängel bei der Versorgung. Laut Pflegebericht wurde bei rund zehn Prozent der Heimbewohner und sechs Prozent der zu Hause Gepflegten eine akut unzureichende Betreuung festgestellt. Die Tagespresse hat sich des Themas angenommen.

Das MAIN-ECHO aus Aschaffenburg schreibt:

'Im Umgang mit den Schwächsten und Hilflosesten, den Kindern und den Alten, den Armen und den Gebrechlichen offenbart sich das wahre Wesen einer Gesellschaft, ihr Charakter. In der Bundesrepublik scheint da etwas schief zu laufen, die soziale Balance stimmt nicht mehr, wie sowohl die rapide Zunahme der Kinderarmut wie die Missstände in der Pflege belegen.'

Kritisch bewertet auch der KÖLNER STADT-ANZEIGER die aktuelle Situation:

'Es ist schon bezeichnend: Wenn Experten einen Störfall im Atomkraftwerk melden, gerät die Gesellschaft blitzartig in kollektive Hysterie. Wenn es zum wiederholten Mal schwere Missstände in Pflegeheimen zu beklagen gibt löst das in der Öffentlichkeit meist nur ein leichtes Säuseln aus. Als hätte sich ein Teil der Gesellschaft mit der etablierten Lieblosigkeit hinter den dicken Heim-Mauern abgefunden. Stirnrunzelnd muss man feststellen: Das Betreiben von Pflegeheimen ist ein auf Gewinn ausgerichtetes Gewerbe wie ein x-beliebiges Geschäft geworden.'

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sucht Lösungsansätze:

'Ambulante und vor allem stationäre Betreuungseinrichtungen müssen häufiger, unabhängiger und vor allem verstärkt unangekündigt kontrolliert werden. Ebenso kann es nicht angehen, dass Heime oder Dienste sich weiterhin selbst zertifizieren, will heißen: Gütesiegel verleihen können. Und wie für Produkte oder Fluggesellschaften sollte es schwarze Listen geben, auf die all jene gehören, die miese Arbeit abliefern. Bleibt etwas, was kein Gesetzgeber regeln kann: Zuwendung, Nähe und Zeit tun jedem Pflegebedürftigen gut.'

Ein Blick in die LÜBECKER NACHRICHTEN:

'Nach dem Bericht über steigende Kinderarmut und andauernde Missstände in Pflegeheimen scheint es mit der Humanität in Deutschland nicht weit her zu sein. Schaut man aber mal genauer hin, finden sich auch Lichtblicke. Es gab im vergangenen Jahr zwar weiterhin Mängel in den Pflegeheimen und bei der ambulanten Pflege. Aber zum Glück immer weniger schwerwiegende Skandale. In vielen Bereichen geht es aufwärts bei der Pflege und das trotz immer knapperen Geldes.'

Die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz ist der Ansicht:

'Wenn jetzt eine Pflege-Katastrophe beschworen wird, ist das nicht nur objektiv falsch, es bleibt auch außer Acht, dass sich der Bereich der Pflege vor allem alter Menschen trotz sprunghaften Anwachsens der Bedürftigen gewiss nicht zum Schlechten entwickelt hat. Was aber fehlt, sind schärfere Standards für die Alten-Betreuung, zumal dies auch ein Wirtschaftszweig ist, der sich explosionsartig entwickelt.'