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Politik

Pressestimmen von Samstag, 1. März 2008

Merkel und die Ethik der Wirtschaft

Am Rande der Münchener Handwerksmesse ist Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft zusammengetroffen. Im Mittelpunkt der traditionellen Begegnung stand diesmal das Thema Wirtschaft und Ethik. Viel gebracht haben die Gespräche aber nicht, meinen jedenfalls die Kommentatoren der deutschen Tagespresse.

Nach Ansicht der STUTTGARTER ZEITUNG ist das Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft von wechselseitigem Unverständnis geprägt:

"Merkel, und mit ihr weite Teile der politischen Klasse im Lande, sind erkennbar genervt von den Eskapaden der Wirtschaft, angefangen von den Milliardenrisiken in den Bankbilanzen über die Steuerhinterziehung des Herrn Zumwinkel bis hin zu den Korruptionsskandalen und dem Arbeitsplatzabbau in einigen Großunternehmen. Umgekehrt fühlt sich die Wirtschaft unverstanden und zu Unrecht an den Pranger gestellt. Angesichts der Berliner Mindestlohnpläne und der Furcht vor Regierungsbeteiligungen der Linkspartei wünschen sich viele Wirtschaftsführer derzeit nichts sehnlicher als einen ordentlichen Reformstau."

Die Mainzer ALLGEMEINE ZEITUNG glaubt, dass sich einige Wirtschaftsvertreter Merkels Amtsvorgänger zurückwünschen:

"So richtig zufrieden dürften die Spitzen der deutschen Wirtschaft mit der Kanzlerin nicht sein. Angela Merkel und die Arbeitgebervertreter haben bei ihrem Treffen in München bekannte Positionen ausgetauscht, vorangekommen ist man in wichtigen Fragen nicht. Statt den Schulterschluss zu suchen, haben beide Seiten nur den Finger gehoben und den jeweils anderen ermahnt. Da wird manch einer der Großkopferten aus den Verbandsetagen wehmütig an Gerhard Schröder gedacht haben. Was hätte der wohl aus dem Boom gemacht, den Deutschlands Ökonomie derzeit erlebt."

Die MÄRKISCHE ALLGEMEINE ist dagegen froh, dass der "Genosse der Bosse" nichts mehr zu sagen hat, denn:

"Bei den Arbeitnehmern verdichtet sich ein Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber einer gnadenlosen Wirtschaftsmaschinerie, weshalb für die Kanzlerin eine zu große Nähe zu den Bossen heikel ist. Wirtschaftsfreundliche Reformen sind geradezu gefährlich. Ehedem verbanden doch auch kleine Leute die der Union noch immer zugewiesene Wirtschaftskompetenz mit der Hoffnung, selbst von diesem Kurs zu profitieren. Dieser Optimismus schwindet heute dahin."

Der Leitartikler der MITTELBAYERISCHEN ZEITUNG aus Regensburg hält seinen Lesern den Spiegel vor - er räsoniert:

"Wir brauchen keine neue Ethik. Die alte ist gut, bewährt, ist richtig. Wir brauchen eine Zeit der Ehrlichkeit. Wir brauchen den Mut, die Heuchler, Lügner und Betrüger zu demaskieren und auch jene, die versuchen, die Bürger durch plumpen Populismus für dumm zu verkaufen. Wir brauchen den Mut, der Fratze der Egomanie ins Gesicht zu schauen und werden nicht nur raffgierige Manager darin erkennen, sondern auch uns selbst."