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Politik

Pressestimmen von Samstag, 07. Oktober 2005

Flüchtlinge vor den Toren Europas / Friedensnobelpreis für IAEO

Nach Tagen der innenpolitischen Diskussion widmen sich die Leitartikler diesmal wieder vornehmlich außenpolitischen Themen. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Internationale Atomenergiebehörde IAEO sowie die Ereignisse in den spanischen Exklaven Melilla und Ceuta stehen auf der Tagesordnung.

Der MANNHEIMER MORGEN sieht in der Vergabe des Friedensnobelpreises an die IAEO und ihren Chef auch ein Votum gegen US-Präsident Bush:

"Die Formel ist einfach: für Frieden, gegen Krieg. Deshalb erhält Mohammed el Baradei den Preis und eben nicht George W. Bush. Natürlich ist die Osloer Auszeichnung für die Internationale Atomenergie-Organisation IAEO und ihren ägyptischen Chef ein Tritt gegen das Schienbein der Amerikaner. Wie schon vor vier Jahren - als Kofi Annan und die UNO den Friedensnobelpreis bekamen - beweist die Jury, dass sie nichts von einer Supermacht hält, die ihren Willen notfalls gegen den Rest der Welt durchdrückt. Das Beispiel Irak soll nicht auch im Iran Schule machen."

Unideologisch möchte der SCHWARZWÄLDER BOTE aus Oberndorf die Vergabe des Preises betrachtet wissen:

"Die Arbeit Baradeis und seiner Mannschaft gegen Kernwaffen-Besitz ist aller Unterstützung wert. Nur, wer in der Preisvergabe schadenfroh einen Hieb gegen die USA sieht, sollte sich im Klaren sein, dass es wahrscheinlich auch der militärischen Macht der Amerikaner bedarf, um nicht weitere Atomstaaten aufkommen zu lassen."

Die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock würdigt die Visionen und den Mut des Ägypters:

"Mohamed El Baradei wünscht sich, dass nukleare Waffen genauso bewertet würden wie Skalverei oder Völkermord - nämlich als Tabu. Das sagte der oberste internationale Atomwächter im Jahre 2003. Eine Welt ohne Atomwaffen - zu schön, um wahr zu sein. Die globalen Spieler um die Macht auf diesem Planeten werden es ebenso zu verhindern suchen wie nukleare Schwellenstaaten oder jene Terrororganisationen, die nach der ´schmutzigen` Bombe greifen."

Ähnlich sieht es der KÖLNER STADT-ANZEIGER:

"Der Preisstifter, Alfred Nobel, hat in seinem Testament verfügt, der Friedensnobelpreis solle neben anderen Kriterien an diejenigen vergeben werden, die am meisten für die ´Abschaffung oder Reduzierung stehender Heere` geleistet haben. Nobel, der 1896 starb, konnte nicht ahnen, welche ungleich gewaltigere Vernichtungskraft eine Waffe entwickeln würde, die 1945 zwei Mal zum Einsatz kam und anschließend mehr als drei Jahrzehnte lang dank ihrer Abschreckungswirkung den Frieden in Europa sichern half. Die Ehrung der IAEO dürfte daher ganz im Sinne des Stifters sein."

Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER erinnert auch an Baradeis Vorgänger:

"Gerade unter Leitung des Ägypters Mohammed el Baradei und seines Vorgängers, des Schweden Hans Blix, ist die Behörde, auch im Zusammenhang mit der Irak-Krise und dem Atomstreit mit dem Iran, ins öffentliche Bewusstsein der Welt gerückt. Und längst schon sind aus den Beamten und Verwaltern der Behörde Fahnder und wahre Kriminalisten geworden. Das Nobelpreiskomitee hat eine gute Wahl getroffen."

Die HEILBRONNER STIMME sieht die IAEO im weltweiten Kampf gegen Atomwaffen gestärkt:

"Die USA halten den IAEO-Chef Mohammed el Baradei für zu nachgiebig gegenüber Staaten wie Irak und Iran. Diese wiederum sehen in ihm einen Erfüllungsgehilfen der USA. Beides zusammen spricht dafür, dass der Ägypter seine Arbeit gut macht: Unabhängig, unerschrocken, an Fakten orientiert. Die ihm unterstehende Behörde kann die Stärke, die sie durch den Friedensnobelpreis erhält, gut gebrauchen: Neun Staaten besitzen Nuklearwaffen, so viele wie noch nie. Der atomare Schwarzmarkthandel blüht. Nordkorea und Iran werden die Organisation noch lange beschäftigen."

Zu den Versuchen zehntausender Armutsflüchtlinge aus Mali, Niger, Guinea-Bissau und der Elfenbeinküste, in die EU zu gelangen, schreibt die BERLINER ZEITUNG:

"Es lässt sich erahnen, wie die auf Europa zukommende Völkerwanderung aussehen wird. Dass sie kommen wird, kann verdrängt, aber nicht bestritten werden. Im Jahr 1900 lebten 21 Prozent der Weltbevölkerung in Europa, heute sind es knapp zwölf Prozent, 2050 werden es nach UN- Berechnungen sieben, am Ende dieses Jahrhunderts noch vier Prozent sein. In Afrika, im Nahen und Mittleren Osten werden dann doppelt oder drei Mal so viele Menschen leben wie heute und sie werden im Durchschnitt unter 20 Jahre alt sein."

  • Datum 07.10.2005
  • Autorin/Autor Frank Gerstenberg
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7H7G
  • Datum 07.10.2005
  • Autorin/Autor Frank Gerstenberg
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