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Politik

Pressestimmen von Samstag, 05. Februar 2005

Deutsche Bank-Entlassungen / US-Außenministerin in Berlin


Die Leitartikler der deutschen Tagespresse befassen sich vor allem mit der Deutschen Bank, die trotz großer Gewinne etwa 6.000 Mitarbeitern kündigen will. Ein weiteres Thema ist der Besuch von US-Außenministerin Ryce in Berlin.

Zu den geplanten Kündigungen bemerkt die TAGESPOST aus Würzburg:

"Der DB-Chef ist auf gutem Wege, das Ansehen seines Hauses vollends zu verspielen. War da nicht die Peanuts-Äußerung seines Vorgängers Hilmar Kopper? Und war es nicht Ackermann, der sich beim Auftakt des Mannesmann-Prozesses siegessicher mit dem V-Zeichen gab? Es ist diese Arroganz der Macht, die einen ganzen Berufsstand - Spitzenmanager - zunehmend in Verruf bringt. Sich gemütlich zu Weltwirtschaftsforen in Davos treffen, dort schön über Ethik reden - und zu Hause die eigenen Leute entlassen: das passt einfach nicht zusammen."

Die Münchener SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt:

"Wer die Zukunft seines Betriebs sichern will, muss auch neue Märkte erschließen, und sei es durch Übernahmen und zudem auf den Einsatzwillen und die Fantasie der Mitarbeiter vertrauen - auch dies kann den Gewinn steigern. Wer seine Belegschaft klar machen will, dass sie Verzicht üben muss, um ihre Jobs zu erhalten, muss selber verzichten können. Wer von Infrastruktur und sozialem Frieden in diesem Lande profitieren will, darf sich nicht nur an überzogenen Renditezielen orientieren, die es bei keinem normalen Investment gibt."

In der FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG lesen wir:

"Nach Abzug der gespielten Empörung professioneller Betroffenheitspolitiker bleiben berechtigte Fragen: Wie viel muss die Deutsche Bank verdienen, damit auf Entlassungen verzichtet wird? In der Debatte über die Gewinne der Deutschen Bank spiegelt sich auch die Unsicherheit über das richtige Verhältnis von Marktwirtschaft zu Sozialpolitik in einer globalisierten Welt. Jeder weiß, dass nur dann in Arbeitsplätze investiert wird, wenn Gewinne gemacht werden. Und alle Steuerzahler spüren, dass die Abgaben für den deutschen Sozialstaat die Menschen überfordert."

Die TZ aus München kommentiert:

"Manager begründen gerne wortreich, warum Entlassungen nötig seien - 'bedauerlicherweise' auch, wenn die Angestellten gerade 2,5 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet haben. Zweifel sind erlaubt an der Notwendigkeit, trotz um 87 Prozent gestiegenen Jahresüberschusses 6400 Menschen 'abzubauen'. Hintergrund der Geschäftspolitik des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann sind weniger rationale Überlegungen als purer Zahlen-Voodoo: Die 'heilige Zahl' 25 hat er sich zum persönlichen Ziel gesetzt - eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern. Kein Konkurrent zwingt ihn zum Zahlen- Fetischismus, dem nun 6400 Menschen geopfert werden."

Themenwechsel. Zum Besuch der neuen US-Außenministerin schreibt NEUES DEUTSCHLAND aus Berlin:

"Während sich London, Paris und Berlin bemühen, mit dem Mittel des Dialogs einen Kalten Krieg mit Teheran zu vermeiden, bleibt die Supermacht letztlich bei ihrer Drohung mit einem heißen, sollte sich Iran im Streit um sein Atomprogramm nicht bedingungslos fügen. Auch die Differenzen über eine mögliche Aufhebung des EU-Waffenembargos gegen China konnten nicht aus der Welt geschafft werden, nicht einmal mit Lieblingspartner Tony Blair. Mit Blick auf Irak und den Nahen Osten fordern die USA zwar einen größeren finanziellen und materiellen Beitrag der Europäer, doch das Heft des politischen Handelns wollen sie offensichtlich nicht aus der Hand geben."

Im GENERAL-ANZEIGER aus Bonn heißt es:

"Es ist weit mehr als eine Charme-Offensive, die die neue US- Außenministerin nach Berlin geführt hat. Washington hat sehr genau erkannt, dass die Demokratisierung des Irak weit über die militärische Dimension hinausgeht. Das Angebot Berlins, noch mehr für die Stabilisierung des Irak zu tun, kam deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt und wurde von Condoleezza Rice dankbar aufgenommen."

Abschließend noch ein Blick in die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock:

"Allerdings sind neue Töne zwischen den USA und Europa zwar hilfreich und überfällig, aber kein Wert an sich. Die Nagelprobe auf eine Harmonisierung der Außenpolitik der Verbündeten wird darin bestehen, ob die Bush-Administration die Krisendiplomatie der Europäer gegen Teheran akzeptiert oder nicht. Noch ist aus Bushs harten Worten an die Mullahs kein Kurswechsel abzulesen. Der Präsident hält die militärische Karte weiterhin in der Hand."

  • Datum 04.02.2005
  • Autorin/Autor Bernhard Kuemmerling
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/6CkO
  • Datum 04.02.2005
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