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Politik

Pressestimmen von Montag, 6. August 2007

Lokführer-Streik in Deutschland/Maul- und Klauenseuche in Großbritannien

Der drohende Lokführer-Streik in Deutschland und der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien - das sind die beiden Themen dieses Blickes auf die Kommentarseiten der deutschen Tageszeitungen.

Zuächst Stimmen zum Streik. Viele Kommentatoren führen die Zuspitzung auf die Rivalität zwischen den beiden Hauptkontrahenten zurück. Die in Hamm erscheinende Tageszeitung WESTFÄLISCHER ANZEIGER meint:

'Vor dem Streik der Lokführer: Vielleicht würde es helfen, wenn sich die beiden Haupt-Gegner ein wenig zurücknehmen. Bahn-Chef Mehdorn und Lokführer Schell kämpfen, jeweils am Ende ihrer Karriere, einen ungewöhnlich brutalen Kampf. Normalerweise liegt nach so einem Duell einer der Kontrahenten im Dreck. Das können sich beide Seiten nicht leisten. Am Ende dieser Auseinandersetzung werden Sieger und Verlierer nicht exakt auszumachen sein - es sei denn, die Bahn hätte insgesamt verloren.'

Ähnlich äußert sich die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle:

'Bahnchef Mehdorn will sein Lebenswerk mit dem Börsengang des Verkehrs-Giganten krönen und braucht einen Konzern, bei dem es rollt. Und Lokführer-Gewerkschaftschef Schell nutzt die Gunst dieser Stunde, um noch einmal so viel wie möglich für seine Mitglieder herauszuholen. Das Duell der beiden Herren ist gefährlich. Es führt zum Streik. Und der schadet der Bahn, deren Fahrgästen und der gesamten Volkswirtschaft'

Die HEILBRONNER STIMME nimmt vor allem Manfred Schell aufs Korn:

'Der Chef der Lokführergewerkschaft manövriert seine Kollegen geradewegs aufs Abstellgleis. Nicht einmal in Gewerkschaftskreisen hat man mehr Verständnis für das Ausscheren aus der Tarifgemeinschaft. Sicher, die Lokführer zählen nicht zu den Großverdienern und sind anderen Belastungen ausgesetzt als ein Bahnhofsmitarbeiter. Aber die Forderung nach 31 Prozent mehr Gehalt ist völlig überzogen. Die Lokführer-Gewerkschaft sollte ihren Chef Manfred Schell zur Räson rufen und den Weg frei machen für eine vernünftige Lösung. Denn der Vertrauensverlust bei den Reisenden gefährdet die Zukunftsperspektiven aller Bahnmitarbeiter. '

Der SCHWARZWÄLDER BOTE hofft noch auf die Vernunft der Verhandlungspartner:

Die Bahnkunden müssen chaotische Wochen befürchten. Zu allem Überfluss heizen Zurufe aus der Politik den Konflikt eher an, als dass sie die mentalen Feststellbremsen lockern würden. Die

Signale also stehen auf Arbeitskampf. Wenn aber Züge stehen bleiben und der Güterverkehr kollabiert, schadet dies der Wirtschaft. Dabei müsste es bei Vernunft auf beiden Seiten doch möglich sein, das Lohngefüge bei den Bahnbeschäftigten auf den Stand eines High-Tech-Unternehmens zu bringen. Ohne dass abertausende Bahnkunden sich rot und weiß ärgern müssen.

Die in Koblenz und Mainz erscheinende RHEIN-ZEITUNG weist noch einmal auf die Problematik der Lokführer-Forderungen hin:

' Finanziell ist das Zugpersonal sicher nicht auf Rosen gebettet. Der Verweis auf die besondere berufliche Verantwortung zieht jedoch nur bedingt. Mit der gleichen Logik könnten auch Brummi-Fahrer, Krankenschwestern oder Pflegekräfte in den Streik treten.'

Auch der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien wird von vielen Kommentatoren als Thema aufgegriffen. Der WIESBADENER KURIER zeigt sich positiv überrascht über die ersten Reaktionen:

'Statt Hysterie gibt es nun ein Krisenmanagement, das nicht nur auf der Ins

el Wirkung zeigt. Denn innerhalb kurzer Zeit war auch den Behörden in Deutschland bekannt, welche Bauernhöfe vorsorglich gesperrt werden mussten, da dort in den vergangenen 30 Tagen Tiere aus England angeliefert worden waren. Die Transport-Daten scheinen besser vernetzt zu sein, die offiziellen Stellen arbeiten endlich effektiver zusammen. Je näher die Märkte weltweit zusammenrücken, je mehr sich die Landwirtschaft spezialisiert, desto wichtiger wird es, im Katastrophenfall ohne Verzögerung handeln zu können.'

Schnelles Handeln fordert auch die ESSLINGER ZEITUNG:

'Bei der Entwicklung von Impfstoffen ist es normal, dass die Virenstämme in Hochsicherheitslabors gelagert werden. Weniger normal ist es, wenn trotz strengster Sicherheitsauflagen ein Leck entsteht. Die britische Regierung, der 2001 beim damaligen Seuchenausbruch Zögerlichkeit und schwere Versäumnisse vorgeworfen worden waren, steht nun gehörig unter Druck. Angesichts der global weitverzweigten Fleisch-Transportwege ist rasches Handeln notwendig, damit sich die Seuche

nicht weiter ausbreitet.'

Die DRESDENER NEUESTEN NACHRICHTEN beschäftigen sich mit den Folgen für den Agrarmarkt:

'Das Labor-Leck in Südengland lässt auch hochfliegende Träume der europäischen Bauern zerplatzen. Hatten sie in der Vorwoche noch auf dauerhaft steigende Agrarpreise gehofft, geht nun wieder die Seuchenangst um. Der letzte verheerende Ausbruch 2001 hinterließ beim Verbraucher angesichts brennender Kadaverberge eine längere Appetitlosigkeit auf saftige Rindersteaks. Ungeachtet der neuen Hiobsbotschaft für gebeutelte Landwirte dämmert dem Supermarktkunden immer mehr, dass die Luft für Schnäppchenjäger dünner wird. Qualitätsprodukte, die unterm Erzeugerpreis verkauft werden, sind auf Dauer nicht zu haben. Lebensmittel sind eben doch mehr als die reine Kalorienzufuhr.'

Die LANDESZEITUNG LÜNEBURG stellt grundsätzliche Fragen:

'Wollen wir uns weiter eine Massentierhaltung leisten, die ohne vorsorgliche Massentötungen gesunder Tiere offenbar nicht funktioniert? Kann sich die EU weiter die Aufrechterhaltung des Verbotes der Impfung gegen Maul- und Klauenseuche von 1992 leisten? Beide Antworten lauten: Nein. Die Maul- und Klauenseuche ist keine moderne Pest, sondern nur eine Profitseuche. Sie schmälert den Verdienst, den der Mensch durch die Ausbeutung anderer Kreaturen erzielt. Mahatma Ghandis Messlatte für den Wert von Gesellschaften lautete: 'Eine Zivilisation kann man danach beurteilen, wie sie ihre Tiere behandelt.' Lassen wir weiter den Götzen Mammon bestimmen,

wie unsere Tierhaltung aussieht, reißen wir diese Messlatte.'