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Politik

Pressestimmen von Montag, 4. Juni 2007

Anti-G8-Randale

Der friedliche Protest von Globalisierungskritikern ging im Steinhagel unter. Gewalttäter aus der autonomen Szene ließen die Anti-G8-Demonstration in Rostock im Chaos versinken.

Die ortsansässige OSTSEE-ZEITUNG schreibt:

'Hunderte verletzte Demonstranten und Polizisten, in Panik flüchtende Menschen, brennende Barrikaden und Autos. Eine Gewalt, die fassungslos macht - Rostock im Schock. Schlimmer hätte der Auftakt der Protestwoche gegen den Gipfel kaum enden können. Man muss Böses befürchten für die nächsten Tage.'

Die BERLINER ZEITUNG ist der Ansicht:

'Ein Fiasko sind die Ereignisse von Rostock nicht nur für die Polizei, sondern auch für die friedliche Anti-Globalisierungsbewegung. Ihr Anliegen ist berechtigt; doch wer spricht nach Rostock noch darüber? Auch die Organisatoren der Demonstration zeigen sich jetzt vom Ausbruch der Gewalt überrascht, nun räumen sie eigene Versäumnisse ein. War ihre bisherige Kritik an vermeintlich überzogenen Sicherheitsvorkehrungen nur naiv?'

Auch der FRÄNKISCHE TAG aus Bamberg übt Kritik an den Organisatoren:

'Die Veranstalter haben es versäumt, sich von den Krawallmachern klar zu distanzieren, sie auszuschließen und nach Hause zu schicken. Blauäugig hofften sie, Linksradikale würden sich friedlich in den Demonstrationszug einreihen neben Kinderwagen und Clown-Kostümen. Das konnte nicht funktionieren, weil die Organisatoren sich lieber von diffuser Anti-G8-Stimmung treiben ließen, als eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen: Sollte gegen das alljährliche Treffen der größten Wirtschaftsnationen friedlich protestiert werden oder sollte es blockiert, ja sogar verhindert werden?

Die in Kassel erscheinende HESSISCHE-NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE kommentiert:

'Damit setzt sich fort, was von Anfang an das Problem mit dem millionenschweren Gipfel ist: Es sind die Gewalt und die Debatte, wie man ihr angemessen begegnet, die die öffentliche Diskussion bestimmen. Es sind nicht die Tausenden Kinder, die täglich verhungern, oder die Hunderttausenden, die jährlich an Aids sterben. Anstatt darüber nachzudenken, was die Mächtigen und jeder Einzelne tun können, um die Welt ein bisschen besser zu machen, beherrschen Krawalle die Schlagzeilen. Gegen die Chaoten, die aus ganz Europa anreisen, muss die Polizei mit aller Härte vorgehen.'

Die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG aus Regensburg ergänzt:

'Dennoch sind die Ereignisse von Rostock kein Grund, von der Strategie der Deeskalation abzurücken. Es bedarf weiterhin dringend der Zusammenarbeit zwischen Veranstaltern und Sicherheitskräften, egal, wo Demonstrationen stattfinden. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen G8-Kritikern hier und Polizei dort, sondern geht quer durch das Protestlager.'

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG befürchtet:

'Wenn das der angekündigte 'friedliche Auftakt' zu den G8-Demonstrationen war, wie werden dann erst die friedlichen Straßenblockaden aussehen, die zur Wochenmitte folgen sollen? Die Polizei hat ihre Deeskalationsstrategie, die offensichtlich auch darin bestand, möglichst wenig martialisch aufzutreten, mit einer hohen Verletzungsrate bezahlt. Sie darf ihren Beamten eine solche Taktik nicht ein zweites Mal zumuten.'

Im NORDKURIER aus Neubrandenburg heißt es:

'Woran hakt sich künftig das Gedächtnis fest, wenn vom 2. Juni 2007 in der Hansestadt die Rede ist? Nicht an den fantasievollen Protesten, nicht an vielen Tausend Leuten, die an die Ostsee reisten, um den Repräsentanten der G8-Staaten Gelbe und Rote Karten vor die Nase zu halten. Sondern nur an der ausufernden Gewalt, an Bildern von blutenden Demonstranten und an Jagdszenen auf einzelne Polizisten, die um ihr Leben rannten. Und so machen Hunderte Gewalttäter kaputt, was Zehntausende viele Wochen in mühevoller Kleinarbeit aufgebaut haben.'

Die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz betont:

'Diejenigen, die in Rostock gezielt Chaos anrichteten, sind keine Demonstranten, sondern Verbrecher, im Grunde Terroristen. Leidtragende sind an vorderster Front die Polizistinnen und Polizisten, die im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf hinhalten, sich trotz ihres hohen Risikos jeden angeblichen Fehler dick ankreiden lassen müssen. Langfristig hilfreich wäre in jedem Fall ein Umdenken bei der strafrechtlichen Behandlung von steinewerfenden Chaoten: Wenn sie zukünftig, falls Opfer schwer verletzt werden, mit acht bis zehn Jahren Haft zu rechnen hätten, würde sich mancher vielleicht friedlicher gebärden.'

Der MÜNCHNER MERKUR meint, auch die friedfertigen Globalisierungskritiker müssen nun über Konsequenzen nachdenken:

'Sie haben sich viel zu spät und nie ausreichend von den Krawallbrüdern distanziert. Ihre Forderung nach einem Ende des Hungers in Afrika in Ehren -- aber die Hoffnung, es werde schon nichts passieren, wirkt etwa so naiv wie die Annahme, eine Absage des G8-Gipfels löse das Armutsproblem. Jetzt ist der ganze Protest diskreditiert. Denn auf die Armen in Afrika muss der europaweite Krawalltourismus genauso dekadent wirken wie die Galadiners der Staatschefs.'

Abschließend noch ein kurzer Blick in den SCHWARZWÄLDER BOTEN. Das Blatt stellt ernüchternd fest:

'Für eine friedfertige Welt treten die G8-Gegner angeblich ein. Doch es reicht nicht mal für eine gewaltfreie Demo.'

  • Datum 03.06.2007
  • Autorin/Autor Christian Walz
  • Schlagwörter presseschau
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  • Permalink http://p.dw.com/p/Anfn
  • Datum 03.06.2007
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