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Politik

Pressestimmen von Montag, 4. Februar 2008

UNICEF: Rücktritt von Heide Simonis

Der Rücktritt von Heide Simonis als Vorsitzende von UNICEF-Deutschland ist eines der zentralen Kommentarthemen in der deutschen Tagespresse. Vereinzelt wird Kritik an der früheren Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein laut, die Mehrheit der Kommentatoren rügt aber das Kinderhilfswerk. Die Organisation war zuletzt wegen angeblicher Verschwendung von Spendengeldern in die Kritik geraten.

Dazu schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU:

"Der Schritt ist ehrenwert: Heide Simonis übernimmt politische Verantwortung. Sie tritt zurück, nicht weil sie persönlich Fehler gemacht hätte, sondern weil sie die Zustände in ihrer Organisation, der deutschen Sektion von UNICEF, nicht mehr mittragen kann. UNICEF Deutschland ruiniert nicht nur den eigenen Ruf, sondern schadet der gemeinsamen Sache aller Hilfsorganisationen."

Auch die RHEIN-ZEITUNG aus Mainz geht hart mit UNICEF ins Gericht:

"Die persönliche Niederlage für die einst beliebte Landesmutter wirft allerdings auch ein schlechtes Licht auf die amtierende UNICEF-Spitze. Nachdem eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nur wenig Kritikwürdiges zu Tage gefördert hatte, fühlt man sich dort offenbar gesellschaftlich rehabilitiert. Das angeschlagene Vertrauen in UNICEF ist damit allerdings kaum zu kitten. Die Spenden werden wohl zurückgehen."

In eine ähnliche Kerbe schlägt die BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG :

"Offenbar blieb für Simonis als Konsequenz nur der Rücktritt. Sind ihre Forderungen nach völliger Transparenz der UNICEF-Geschäfte an dem Beharrungsvermögen eines verkrusteten und eigensinnigen Apparates gescheitert, der sich nicht in die Karten lassen schauen will? Es gibt genug Beispiele für Großorganisationen, in denen sich ein weitgehend unkontrolliertes Eigenleben entfaltet und in denen Reformer lediglich als Störenfriede gelten. UNICEF muss aufklären."

Vorsichtiger dagegen gibt sich die HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE aus Kassel. Im Kommentar heißt es:

"Wer Schuld ist an den Querelen bei UNICEF, lässt sich von außen schwer beurteilen. Heide Simonis neigte stets dazu, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Ihre Isolation im Vorstand kann aber auch dafür sprechen, dass sie die Einzige war, die offensiv für mehr Transparenz im Finanzgebaren des Kinderhilfswerkes kämpfte."

In der STUTTGARTER ZEITUNG lesen wir:

"Der Rücktritt von Heide Simonis als UNICEF-Chefin - die logische Konsequenz aus dem verlorenen Machtkampf mit ihrem Geschäftsführer Dietrich Garlichs - trifft die Organisation in einem Moment, da sie ohnehin um ihre Glaubwürdigkeit kämpfen muss. Immer noch ist nicht

klar, ob es mit rechten Dingen bei der Vergabe von Beraterverträgen und Bauvorhaben zugegangen ist. Es gibt nichts Schlimmeres, was einem auf Spenden angewiesenen Hilfswerk widerfahren kann. Sollte es hier Fehler gegeben haben, sind sie gewiss nicht Heide Simonis anzulasten. Dennoch, sie hat in der Führungsrolle versagt."

Abschließend die KÖLNISCHE RUNDSCHAU - mit Kritik nicht an UNICEF, sondern an Simonis, wenn es dort heißt:

"Für die Person Heide Simonis nimmt das neuerliche Scheitern tragische Züge an. Erst stürzte sie als Ministerpräsidentin über einen Parteifreund, dann zog sie sich das Gespött der Medien über einen unglücklichen Auftritt in einer Tanzshow zu, nun scheitert sie an einem vermeintlichen Skandal. Jedes Mal ließ sie das Gespür für den richtigen Zeitpunkt des Rückzugs vermissen."