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Politik

Pressestimmen von Montag, 30. Juli 2007

US-Aufrüstungpläne für Nahost / Tour de France-Bilanz

Die US-Regierung plant angeblich milliardenschwere Waffengeschäfte mit Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten. Der Wert dieser Rüstungslieferungen in den nächsten zehn Jahren soll sich auf 20 Milliarden Dollar belaufen. Die Initiative zielt dem Vernehmen nach vor allem darauf ab, den Einfluss des Iran im Nahen Osten einzudämmen. Unser zweites Thema ist die von Affären überschattete Tour de France. Beide Themen fanden bei den Leitartiklern der deutschen Presse ein lebhaftes Echo. Zunächst aber zu den amerikanischen Rüstungsplänen.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU meint dazu:

„Mit seinem Krieg im Irak hat Washington die Machtbalance am Persischen Golf verschoben. ... Also sucht man nach Wegen, den Geist wieder in die Flasche zu stopfen: Iranischen Einfluss in der Region zurückzudrängen, ist das neue Leitmotiv der US-Politik im Nahen und Mittleren Osten. Einen Weg glaubt die Bush-Regierung jetzt gefunden zu haben: Israel und jene arabischen Regimes, die man in Washington gemäßigt nennt, sollen massiv aufgerüstet werden. ... Dass ein Rüstungswettlauf in Nahost eine kluge Strategie ist, um iranischen Einfluss einzudämmen, kann nur glauben, wer an andere Mittel nicht mehr glaubt. Es ist die Logik derer, die Feuer mit Öl löschen wollen.“

Auch der KÖLNER STADT-ANZEIGER zeigt sich skeptisch:

„Dass die USA nun Saudi-Arabien und andere Staaten im Nahen und Mittleren Osten weiter aufrüsten wollen, ist eine Art flankierende Maßnahme für den unvermeidlichen Rückzug der USA aus dem Irak. Denn in der Logik der Regierung Bush besteht die größte Gefahr nach einem Abzug nicht darin, dass der Irak einen entfesselten Bürgerkrieg erleben wird, sondern darin, dass der Iran zur dominanten Regionalmacht aufsteigen könnte. Das muss als Verzweiflungstat gewertet werden. Denn gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Saudis kein vertrauenswürdiger Partner sind.“

Das NEUE DEUTSCHLAND aus Berlin gibt zu bedenken:

„Für Entspannung in der Region taugen Bushs Baupläne nicht. Dass mit immer mehr Waffen weder die Irak-Krise beizulegen, noch Iran im Zaum zu halten oder die Gewalt im palästinensisch-israelischen Konflikt einzudämmen sind, braucht nicht mehr belegt zu werden. Belegt ist dagegen, dass Washington militärischen den Vorrang vor politischen Lösungen gibt. Und das ist nicht neu.“

Zum Abschluss zitieren wir die ABENDZEITUNG aus München, die einen Blick zurück wirft:

„Wie clever die US-Strategie ist, vermeintliche Verbündete gegen vermeintliche gemeinsame Feinde hochzurüsten, kann man exemplarisch an zwei Fällen der jüngeren Vergangenheit ablesen: Washington hat Saddam Hussein hochgepäppelt im Kampf gegen den Iran; und die Taliban und andere «Gotteskrieger» im Kampf gegen Moskau. Man wird sehen, ob vor allem die saudischen Wahhabiten vertrauenswürdigere Empfänger sind - 15 der 19 Attentäter vom 11. September waren Saudis. Es ist erschreckend, dass die Lernfähigkeit der größten Macht der Welt offenbar so unterentwickelt ist.“

Themenwechsel. Die Tour de France 2007 ist beendet. In ihrer bisherigen Form, dem Wettrennen von verlogenen Dopern gegen chancenlose Ehrlich-Fahrer, ist die Rundfahrt auch grundsätzlich am Ende – das zumindest meinen skeptische Beobachter. Doch wie sehen das die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen? Ein Überblick.

Die SÜDWEST-PRESSE aus Ulm zieht eine durchweg düstere Bilanz:

„Sie hat mächtig Staub aufgewirbelt, diese Tour de France 2007. Und es war kein Feinstaub, sondern richtig massiver Dreck. Liebevoll, andächtig wurde das Radsportspektakel in Frankreich oft als Tour der Leiden bezeichnet und von nicht wenigen Dichtern als solche besungen. Diesmal wurde daraus eine Tour der Leiden ganz anderer Art. Nicht nur die Fahrer litten, wenn sie ihre Leistungsgrenzen erreichten, es litten die Fans, die Funktionäre, die Sponsoren, ja sogar die Politiker an einem auch von Skeptikern nicht möglich gehaltenen Gemisch aus Lügen, Betrug, Scheinheiligkeit, Bunkermentalität, Egoismus und Erpressung. Diese Tour war eine einzige Skandal- oder Kriminalgeschichte.“

Auch der MÜNCHNER MERKUR kommt zu einem pessimistischen Resümee:

„Die 104-jährige Tour kennt viele Sünder, und früher hätten die Rasmussens und Winokurows zwar für gewaltige Aufregung gesorgt, an dem Monument der Sportgeschichte, und das ist der Trip durch Frankreich, hätten diese Strolche aber nicht rütteln können. Zur dramatischen Verschärfung der Lage führte nun die Summe aller Dopingfälle der letzten Jahre. Ein schon lange schwelendes Unbehagen eskalierte zum absoluten Verdruss. Es verdichtete sich der deprimierende Eindruck: der Radsport ist nicht kurierbar, seine selbstzerstörerischen Kräfte lassen sich nicht bändigen.“

Ganz anders die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus:

„(…) Die Schleife durch Frankreich hat eines so deutlich wie nie zuvor gezeigt: Betrug lohnt sich nicht, Doper werden gnadenlos ohne jedes Ansehen überführt, Lügner rausgeworfen und vom Publikum ausgepfiffen. Jetzt müssen Sportler, Trainer, Verbände, Politik und die Medien weiter gemeinsam an einem Strang ziehen und alle möglichen Wege für einen fairen und sauberen Radsport ausloten. Dann kann der Profi-Radsport überleben und die Tour ihre mythische Anziehungskraft zurückgewinnen.“

Abschließend noch die STUTTGARTER NACHRICHTEN, die einen Blick in die Zukunft werfen:

„Der Radsport braucht einen radikalen Neuanfang mit vertrauenswürdigen und unabhängigen Köpfen, die alles daransetzen, dass eine faszinierende Sportart überleben kann. Die Weltmeisterschaft in Stuttgart könnte eine Chance dazu sein. Die Signale dazu müssen vom Weltradsportverband kommen - mit personellen, inhaltlichen und konzeptionellen Einschnitten. Ansonsten droht in der europäischen Sporthauptstadt 2007 die Fortsetzung der unsäglichen Spritz-Tour durch Frankreich mit anderen Mitteln.“