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Politik

Pressestimmen von Montag, 28. Juli 2003

Gesundheitskompromiss weiter in der Diskussion / Deutschland im 'Tour de France' Fieber

Der zwischen Regierung und Opposition ausgehandelte Kompromiss in der Gesundheitsreform hat die Debatte über die Zukunft der Sozialsysteme nicht beenden können. Mit den Ergebnissen der bisherigen Verhandlungen beschäftigen sich die Kommentatoren der deutschen Tagespresse ausführlich, aber auch mit dem Abschluss der 'Tour des France' und Jan Ullrichs Comeback.

Zur Reform des Gesundheitswesens schreibt die WESTDEUTSCHE ZEITUNG aus Düsseldorf:

"So lange der wirkliche Knackpunkt nicht angepackt wird, der die Krankenversicherung ebenso wie das Rentensystem betrifft, werden alle Reformen bleiben, was schon 50 Kostendämpfungsgesetze seit 1977 waren: Flickwerk. Immer weniger junge Menschen müssen für immer mehr alte Menschen aufkommen. Unser System stimmt nicht mehr, aber wer das den heute Alten anhängen will, vergisst zweierlei: Dass die ja schon für die Vor-Generation aufgekommen sind, und dass auch die heute Jungen alt werden. Wer, fragt sich der Bürger, setzt die Kommission ein, die in Ruhe und Kompetenz die Dinge neu ordnet - und deren Denker allen Wahlterminen zum Trotz so lange ihre Gedanken bei sich behalten, bis ein konsensfähiger großer Wurf herausgekommen ist?"

In der MÄRKISCHEN ODERZEITUNG aus Frankfurt an der Oder heißt es:

"Was man im Skatspiel eine Lusche nennt, heißt bei Ulla Schmidt und Horst Seehofer 'Gesundheitsreform'. ... Spätestens im Jahre 2010, so ließ Ministerin Schmidt wissen, müsse eine Reform der Reform her, da der mit der Opposition ausgehandelte Kompromiss nicht länger hält. Dann nämlich wird das Geld erneut knapp, weil die Wirkungen des Kostensenkungsprogramms verpufft sind. Mit anderen Worten: Die große Koalition, die sich großsprecherisch aufgemacht hatte, das Gesundheitswesen zu reformieren, entpuppte sich als große Koalition der Abzocker, die Patienten und Versicherte einseitig zur Kasse bittet."

In der OFFENBACH-POST ist zu lesen:

"Wenn die Union bei diesem Thema inzwischen ebenso gespalten da steht wie die Regierungsparteien, und die Menschen, einmal mehr besorgt um ihre Zukunftsaussichten, voller Angst auf den nächsten Coup aus Berlin warten, dann taugt das Ergebnis des so genannten Gesundheitskompromisses schlicht und ergreifend nichts. Es ist, wohlwollend betrachtet, allenfalls ein klitzekleiner Anfang. Die Probleme freilich jetzt bis 2007 weiter vor sich herzuschieben bedeutete, sehenden Auges eine Verschärfung der ohnehin schlimmen Situation in Kauf zu nehmen. Dafür brauchen wir keine Politiker."

Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND kritisiert:

"Das Gewürge um die Reform zeigt, dass das System der gesetzlichen Krankenversicherung, das ausschließlich auf dem Arbeitslohn basiert, schon früher ausgetauscht werden muss. Mit der Bürgerversicherung und der Gesundheitsprämie gibt es zwei überzeugende Alternativen. ... Am problematischsten an der Bürgerversicherung ist aber, dass sie jeglichen Wettbewerb im Gesundheitssystem zunichte machen würde. Eine Einheitskasse für alle, mit Einheitsbeiträgen für alle. Das hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun. Zu erwarten ist deshalb, dass sich im Zuge der Diskussion das kompliziertere Modell der Gesundheitsprämien in den Vordergrund schiebt."

Den Abschluss der 'Tour de France' mit Jan Ullrich auf dem zweiten Platz kommentiert der MANNHEIMER MORGEN:

"Jan Ullrich hat nicht nur einmal mehr sein einzigartiges Talent unter Beweis gestellt, sondern er hat innerhalb von nur drei Wochen wieder eine immense Radsport-Begeisterung ausgelöst, die wohl nur der Rostocker entfachen kann. Das liegt einerseits an seinem enormen sportlichen Potenzial, aber vielleicht noch mehr an seinen menschlichen Schwächen, die den 29-jährigen Ausnahmekönner immer auch irgendwie mit 'Otto Normalsportler' in Berührung bringen."

Die Tageszeitung DIE WELT meint:

"Jan Ullrich kämpfte als Stellvertreter einer Nation, die zuletzt in ähnliche Abgründe blicken musste wie er. Es ist erst ein Jahr her, dass Ullrich, einst strahlender Held und Tour-Sieger, ganz unten war; und nicht wenige meinten, er würde den Weg wieder hinauf nicht mehr finden. Doch das System Ullrich fand die richtigen Stellschrauben in Richtung Erfolg: Er wechselte das Team, den Wohnort, vor allem aber sein Denken. Er warf Traditionen über Bord, die ihm einst den Erfolg brachten, ihn zuletzt aber nur noch lähmten. ... Millionen Deutsche bewunderten diese doppelte Kehrtwende, die sie sich auch für ihr Land und ganz Europa ersehnen. Sie sahen: Der Weg nach oben ist zu schaffen. Es muss ja nicht gleich die Bergankunft sein."

Soweit die Presseschau.

  • Datum 27.07.2003
  • Autorin/Autor Ulrike Quast.
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3vFO
  • Datum 27.07.2003
  • Autorin/Autor Ulrike Quast.
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