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Politik

Pressestimmen von Montag, 27.Dezember 2004

Seebeben in Asien

Das verheerende Seebeben in Asien, das Tausende Menschen in den Tod gerissen hat, beherrscht die Kommentare der deutschen Tageszeitungen an diesem Montag.

DIE WELT aus Berlin schreibt:

"Ein Tsunami hat die Welt aus weihnachtlicher Beschaulichkeit gerissen. Tausende Menschen wurden in Asien durch eine gigantische Flutwelle getötet. Nicht nur das Ausmaß der Katastrophe läßt uns erschrecken, sondern auch die völlige Hilflosigkeit, mit der wir solchen Naturereignissen ausgeliefert sind. Hier kann kein menschliches Versagen oder Fehlverhalten, kein defektes Bauteil und keine feindliche Einwirkung als Erklärung dienen. Das Erdbeben und die dadurch ausgelöste Flutwelle rufen in Erinnerung, daß der Planet Erde eine gewaltige Eigendynamik besitzt, deren Kräfte nicht vom Menschen beherrscht werden können."

Der WIESBADENER KURIER merkt an:

"Bis die von den Erdstößen ausgelösten Meereswellen über hunderte von Kilometern ihre Ziele erreichten und die Menschen in Sri Lanka und auf Phuket hinwegspülten, vergingen Stunden. Stunden, in denen es keine Warnung gab. Stunden, in denen sich die meisten hätten retten können. Über die jüngsten Börsenkurse sind wir im Zeitalter der Globalisierung in Sekundenschnelle informiert, über existenzielle Bedrohungen: Fehlanzeige. In Japan oder in Hawaii gibt es Beobachtungs- und Warnsysteme für die so genannten Tsunamis, aber offenkundig nicht in den weniger entwickelten Regionen rund um den Indischen Ozean. Eine Schande!"

Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG sieht das etwas anders:

"Auch Warnsysteme vor einer mit Flugzeuggeschwindigkeit heranrauschenden Riesenwelle, wie es sie etwa im pazifischen Raum gibt, taugen nur bedingt zur Katastrophenverhinderung. Voreilige Kritik an der mangelhaften Ausstattung mit Seismographen im Indischen Ozean ist deshalb fehl am Platz und nicht mehr als überflüssiges Geschwätz aus sicherer Entfernung von der Unglücksregion. Die Augustflut 2002 in Sachsen hat gezeigt, dass selbst in modernen Industrieregionen nicht jede Naturkatastrophe komplett zu beherrschen ist."

Der KÖLNER STADT-ANZEIGER bemerkt:

"Nachher ist man immer klüger. Die Besserwisser, die nun von der Unvernunft sprechen, auf den Maldiven Hotels für den Fremdenverkehr zu errichten, machen es sich ebenso zu leicht wie die Geschäftsleute, die Strände ohne Rücksicht auf Gefahren bebauen ließen. Denn schließlich kommen alle diese Anlagen dem Bedürfnis der Bevölkerung in nördlichen Breitengraden nach, im Sommer Sonne, Strand und blaues Meer zu erleben. Doch die Natur zeigt sich eben nicht immer nur von der Bilderbuchseite. Das vergessen auch Touristen gerne."

Der EXPRESS aus Köln gibt zu bedenken:

"Was kann uns noch erschüttern? Der Mensch hat alles getan, alles erreicht. Die höchsten Berge erklommen, die größten Tiefen erforscht. Unsere Technik macht uns unfehlbar, unser Wissen unverwundbar. Wirklich? Nicht wirklich! Das Beben in 40 Kilometern Tiefe konnte niemand vorausahnen, niemand verhindern und die daraus resultierende Megawelle niemand mehr stoppen. Nach ersten Schätzungen wurden die Leben von Tausenden von Menschen ausgelöscht - binnen Sekunden. Was ist unsere Technik plötzlich noch wert? Nichts! Wir können nicht alles beherrschen. Vor allem nicht die Urgewalt der Natur. Was jetzt bleibt, sind zwei Gedanken: Wir müssen helfen! Und wir müssen mehr Demut finden. Nicht alles ist erforschbar, nicht alles abwendbar. Eine bittere Wahrheit. Gewöhnen wir uns daran."

Abschließend heißt es in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG:

"Bewähren könnten sich in dieser Situation regionale Staatenbündnisse wie der Verband südostasiatischer Nationen, Asean, und die südasiatische Gemeinschaft für regionale Zusammenarbeit, Saarc. Nachbarn sollten besser als andere wissen, was wo wie zu tun ist. Es ist nicht nur eine Frage der Moral, dass diejenigen, die jetzt davongekommen sind, sich nicht als Krisengewinnler aufspielen und den zerstörten Gebieten Wirtschaftskraft entziehen. Sowohl Asean als auch Saarc sollen - so zumindest die Theorie - die regionale Solidarität fördern. Wenn jetzt einer dem anderen hilft, könnte im Unterbewusstsein vieler Leute so manches Feindbild, das die Regierenden hingebungsvoll pflegen, blass werden. Dann hätte die Katastrophe, so furchtbar sie ist, die Konsequenz pragmatischer Vernunft."

  • Datum 26.12.2004
  • Autorin/Autor Zusammengestellt von Annamaria Sigrist
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  • Permalink http://p.dw.com/p/62bE
  • Datum 26.12.2004
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