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Politik

Pressestimmen von Montag, 25. September 2006

Lehrermangel / Zustand der Großen Koalition

Der vom deutschen Deutsche Philologenverband beklagte immmer deramatisch werdende Lehrermangel und der Zustand der Großen Koalition sind an diesem Montag zentrale Themen auf den Kommentarseiten deutscher Tageszeitungen.

Zunächst zum Thema Lehrermangel.

Dazu schreibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

"Schülerzahlen und die Altersstruktur der Lehrerschaft lassen sich frühzeitig berechnen. Allerdings haben die zuständigen Minister in den vergangenen Jahren schon allzu häufig an den politischen Stellschrauben wie Klassengröße, Unterrichtsverpflichtung der Lehrer und Wochenstundentafel für Schüler gedreht. Die Spielräume sind ausgereizt. Auch eine pauschale Lehrerwerbung bringt keine Lösung: Ein Lehrer braucht mindestens drei, höchstens sieben Jahre für seine Ausbildung. Doch wer will Lehrer werden? Die Pisa-Studie hat Deutschland immer wieder bescheinigt, daß die Lehrer hierzulande geringen Rückhalt in der Gesellschaft genießen."

Auch der MANNHEIMER MORGEN sieht die Ursache bei der Politik:

"Vor wenigen Tagen erst nannte Bundespräsident Horst Köhler sie 'Helden des Alltags'. Doch es gibt sie immer weniger: Deutschland gehen die Lehrer aus. Die Alarmrufe sind nicht neu - so richtig ernst genommen haben die Kultusbürokraten der Länder sie aber noch nie... Stattdessen feixten Politiker wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder lieber über die 'faulen Säcke'. Die bereiten heute Jugendliche an Problemschulen auf ihre Perspektivlosigkeit vor, müssen Kinder mit Zappelphilipp-Syndrom bändigen und sich für schlechte Noten gegenüber den Eltern rechtfertigen. Wen wundert es da, dass auf dem Weg der Schule von der Wissensvermittlung zum sozialen Reparaturbetrieb die Helden abhanden kommen?"

Die FULDAER ZEITUNG bemerkt:

"Der Hauptgrund liegt im kleinstaatlichen Bildungsföderalismus und dem Hang der Länderregierungen, nur kurzatmig von einer Legislaturperiode zur nächsten zu schauen. Dabei ließen sich Schülerströme anhand der Bevölkerungsstatistik leicht auf ein Jahrzehnt im Voraus abschätzen, ebenso die Bedarfsplanungen bei einem Blick auf die Altersstruktur der Lehrer."

Die Bielefelder NEUE WESTFÄLISCHE meint:

"So lange die Politik glaubt, mit Quereinsteigern dem Lehrermangel begegnen zu können, wertet sie den Beruf ab. Pädagogik ist das A und O für guten Unterricht. Ein Beruf, den man quasi nebenbei erlernen kann, ist wenig attraktiv, schon gar nicht für die Besten."

Und in der WILHELMSHAVENER ZEITUNG lesen wir:

"In den vergangenen Jahren sind die Lehrer als Teil des öffentlichen Dienstes in den Ländern vor allem das Ziel von Sparmaßnahmen gewesen. Dass das weder die Motivation der Pädagogen steigert noch Anreiz bietet, in diesen Beruf überhaupt erst einzusteigen, ist verständlich."


Themenwechsel: Im Streit um die Gesundheitsreform hat Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) die Ministerpräsidenten der unionsregierten Länder scharf angegriffen. SPD-Chef Kurt Beck sprach gar von einer schwierigen Sitution der Koalition. Da sind die Angebote der FDP nach einem Koalitionswechsel ein willkommener Anlass, sich mit Stil und Zustand von Schwarz-Rot zu beschäftigen.

Die DRESDNER NEUSTE NACHRICHTEN meinen:

"In der Sache hat Franz Müntefering recht. Die Querschüsse der Unions-Ministerpräsidenten Wulff, Koch und so weiter sind tatsächlich nicht dazu angetan, den gordischen Knoten um die Gesundheitsreform zu zerschlagen. Nur wird die Handlungsfähigkeit der Koalition nicht eben dadurch gestärkt, dass man weiteres Öl ins Feuer gießt. Das weiß auch Müntefering."

In der FRANKFURTER NEUE PRESSE heißt es dazu:

"Mit dem offenen Angriff von Vizekanzler Franz Müntefering auf die Unions-Ministerpräsidenten hat die SPD dem Koalitionspartner den Fehdehandschuh hingeworfen. Die SPD glaubt es sich leisten zu können. Denn anders als bei der Union stehen potenzielle Koalitionspartner Schlange. FDP-Vize Rainer Brüderle, den mit SPD-Chef Kurt Beck seit den gemeinsamen Koalitionszeiten in Rheinland-Pfalz eine Freundschaft verbindet, hat den Sozialdemokraten jetzt deutliche Avancen gemacht. Die Ampel mit SPD, FDP und Grünen wäre also durchaus möglich."

Dazu merkt der KÖLNER STADT-ANZEIGER an:

"Das ist ein Planspiel mit mehr Spiel als Plan... Gerade den Liberalen bietet das Flirten in Richtung SPD maximale Gelegenheit, die Union zu ärgern. Diese hat auf 30-Prozent-Niveau keine Chance auf ein Bäumchen-wechsel-dich. Nach dem Rechenexempel hat es sich dann aber auch schon mit den Spielereien. In der Sozial-, Steuer- oder Wirtschaftspolitik gibt es für die Liberalen mit Becks SPD derzeit keinen echten gemeinsamen Nenner. Nicht umsonst wollte Westerwelle vor einem Jahr noch nicht einmal mit der SPD über eine 'Ampel' reden. Jetzt redet die FDP. Handeln muss sie vorerst auch nicht."

Auch die NÜRNBERGER NACHRICHTEN winken ab:

"Wenn SPD, FDP und Grüne Angela Merkel stürzen und Kurt Beck zum Kanzler wählen würden - dann begänne für den Dreierpakt eine gewaltige Leidensphase. In der auch zwischen Union und SPD so umstrittenen Sozialpolitik gäbe es kaum Gemeinsamkeiten. Und die schwarzen Landesfürsten könnten mit ihrer Mehrheit im Bundesrat die Ampel auf Dauer-Rot stellen: Kaum zu erwarten, dass sie mit deren Plänen konstruktiver umgingen als mit den Vorhaben aus dem eigenen Lager."

Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg zieht als Fazit:

"In der Rolle des Verführers hat die FDP eine gewisse Tradition. Doch nach erst zehn Monaten Großer Koalition gilt der Satz: Wer zu früh geht, den bestraft das Leben auch. Nichts, was die FDP oder eine um die Grünen erweiterte Ampel bei der Gesundheitsreform besser machen könnten. Der vorgelegte Entwurf von Schwarz-Rot geht so nicht auf, weil er unpraktikabel scheint. Die Lösung heißt aber nicht Koalitionswechsel. Sondern Nachbesserung."
  • Datum 24.09.2006
  • Autorin/Autor Gerhard M Friese
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  • Permalink http://p.dw.com/p/99xi
  • Datum 24.09.2006
  • Autorin/Autor Gerhard M Friese
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