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Politik

Pressestimmen von Montag, 24. Januar 2005

NPD-Eklat / Schiedsrichter-Skandal

Der Eklat um den Auftritt der NPD-Abgeordneten im sächsischen Landtag und der Schiedsrichter-Skandal beschäftigen die Kommentatoren der deutschen Tagespresse.

Zum Verhalten der sächsischen NPD-Parlamentarier schreibt die OSTTHÜRINGER ZEITUNG aus Gera:

"Die Tirade vom 'alliierten Bomben-Holocaust' in Dresden kann nicht

durchgehen als geschmacklose, gedankenlose oder schamlose Provokation. Sie ist eine perfide Relativierung auf Kosten aller

Opfer des Faschismus. Natürlich haben auch Deutsche im Zweiten Weltkrieg gelitten. Ohne den Nationalsozialismus hätte es aber keinen

Holocaust und auch keine Bombardierungen gegeben. Diese Grundwahrheit darf niemals vergessen werden. Nach dem Landtagsschock von Dresden müsste nun eigentlich auch dem Letzten ein Licht aufgehen, wessen Geistes Kinder die NPD-Mitglieder sind."

DER TAGESSPIEGEL in Berlin greift den Gedanken nach einem Verbot der Partei auf. Zitat:

"Inzwischen hat sich die Lage deutlich verändert. Die NDP sitzt im sächsischen Landtag, sie ist dort bereits sehr wirksam. Ihre Abgeordneten führen Reden, die geeignet sind, die Grundlagen unseres Staates zu zerstören.....Jetzt brauchen wir keine V-Männer mehr, die man vor Gericht nicht vorweisen kann. Jetzt sind es die Worte und

Aktionen im vollen Licht der Öffentlichkeit, die zeigen, wes Geistes Kind diese Leute sind und welche Ziele sie verfolgen. Mit anderen Worten: Jetzt könnte sich, nach und nach, das Material für einen Verbotsantrag einstellen."

Anders sieht dies die AUGSBURGER ALLGEMEINE. Wir lesen:

"Der kurzfristige Aufschrei greift zu kurz, erst recht ist die reflexhaft erhobene Forderung nach einem Verbot der NPD das

ungeeignete Mittel. Dies wertet die Partei auf, macht ihre Propagandisten zu Märtyrern. Demokratie ist ein langwieriger und manchmal auch schmerzhafter Prozess. Anschauungen können nicht von oben verordnet werden, die Eliten von Staat und Gesellschaft sind

vielmehr gefordert, offensiv und mit allen Kräften für die Ideen von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu werben und zu überzeugen."

Die EßLINGER ZEITUNG weist darauf hin:

"Es ist ein Manko unserer Politik, dass sie sich nach kurzer Phase der Empörung meist wieder anderen Themen zuwendet, ohne eine Lösung gefunden zu haben. Da ist Paul Spiegel vom Zentralrat der Juden

zuzustimmen, wenn er kritisiert, nach den Erfolgen der Rechtsextremisten in Sachsen und Brandenburg seien die demokratischen

Parteien erschreckend schnell zur Tagesordnung übergegangen. Es liegt im vitalen Interesse der Bundesrepublik, dass sich das nicht wiederholt."

Die KÖLNISCHE RUNDSCHAU fordert:

"Was sehr wohl nötig wäre, sind ernsthafte Anstrengungen aller demokratischen Parteien, um dieser Seuche Herr zu werden. Auch die Bevölkerung ist gefordert. Wer diese Leute unterstützt oder wählt, macht sich schuldig. Der Hinweis auf rechtsradikale Entwicklungen in unseren Nachbarländern, wie er gern als Beschwichtigung vorgebracht wird, ist fehl am Platze. Unsere Nachbarn haben eine andere Vergangenheit. Wir sind Gebrannte."

Themenwechsel. Mit dem Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer, der Spiele manipuliert haben soll, befasst sich der NORDBAYERISCHE KURIER:

"Dass es im Geschäft mit dem runden Leder mittlerweile um riesige Summen geht und die Bandagen hart geworden sind, ist klar. Aber dass ein Schiedsrichter mit hoher krimineller Energie den Ausgang von Spielen beeinflusst, das rüttelt an den Grundfesten dieser Sportart. Auf den Deutschen Fußball-Bund kommt durch die Verfehlungen

- hoffentlich nur - eines Einzelnen eine Lawine zu. Schließlich scheinen reihenweise Clubs betroffen zu sein. Sie alle werden nach Schadenersatz rufen, doch wer soll den beziffern und dann leisten?"

Abschließend noch die FRANKFURTER RUNDSCHAU, die meint:

"Ein Wunder wäre vielmehr, wenn ausgerechnet im deutschen Profi-Fußball, der bekanntlich hübsche Sümmchen bewegt, eine Sauberkeit

herrschte, um die andere Bereiche - nennen wir stellvertretend die Politik - hart ringen müssen. Um ähnliche Anstrengungen wird das ballschiebende Gewerbe nicht herum kommen, und das...ist gut so. Gut wäre freilich auch das positive Gegenstück: mehr Anerkennung für die, die sich in redlicher Manier fürs Gemeinwohl nützlich machen, ob in kurzen Hosen auf grünem Rasen oder im Anzug bei der Volksvertretung."

  • Datum 23.01.2005
  • Autorin/Autor Zusammengestellt hat sie Susanne Eickenfonder
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  • Permalink http://p.dw.com/p/69gR
  • Datum 23.01.2005
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