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Politik

Pressestimmen von Montag, 21. Mai 2007

Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr / Führungswechsel bei Siemens

Der Tod von drei Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan beherrscht die Kommentarspalten deutscher Tageszeitungen.

'Der Krieg hat die Bundeswehr eingeholt', schreibt die Rostocker OSTSEE-ZEITUNG:

'Der heimtückische Selbstmord-Anschlag auf deutsche Soldaten in Kundus hat brutal die politische Selbsttäuschung jener entlarvt, die da meinen: Deutschland sei nicht Kriegspartei am Hindukusch, seine Truppen schützten ja den Wiederaufbau im recht sicheren Norden. Und die radikal-islamischen Taliban wüssten dies zu unterscheiden. Die Realität sieht anders aus. Im Herbst hat der Deutsche Bundestag über die Verlängerung des Afghanistan-Mandats für die Bundeswehr abzustimmen. Eine schwere Entscheidung angesichts der gewachsenen Gefahr für unsere Soldaten. Zur Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes gibt es dennoch keine Alternative. Ein Abzug käme der Kapitulation vor den wiedererstarkten Taliban gleich.'

Die WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU aus Dortmund stellt fest:

'Bislang artikulieren nur wenige in Berlin, was vielerorts in der Republik gedacht wird: Was haben wir in dieser gottverlassenen Ecke der Welt verloren? Doch möchte man die ebenso sensiblen wie analysestarken Geister gerne fragen, was sie lieber hätten: Einen islamischen Gottesstaat mit mittelalterlichem Rechts- und Bildungsystem unter der Fuchtel größenwahnsinniger Mullahs? Ein gigantisches Terror-Ausbildungscamp in nächster Nähe zur labilen Atommacht Pakistan und dem nach Atomwaffen strebenden Iran? Genau dies ist nämlich die Alternative zur langwierigen, aufwändigen und verlustreichen Präsenz des Westens in Afghanistan.'

Nach Ansicht der Münchner ABENDZEITUNG verfolgt die Bundeswehr die richtige Strategie in Afghanistan:

'Der deutsche Weg, auf die Bevölkerung zuzugehen, Kontakt und Vertrauen zu suchen, auf Wiederaufbau und Hilfe zu setzen statt wie eben die Amerikaner von oben Bomben zu werfen und sich ansonsten einzubunkern, ist genau der richtige. Dieser Anschlag war erst der dritte tödliche gegen die Bundeswehr binnen fünf Jahren - das ist alles andere als zynisch gemeint. Und das, obwohl die Deutschen sich täglich unters Volk mischen und mithin ein besonders leichtes Ziel sind. Wenn irgendein Weg funktioniert in Afghanistan, dann offenbar dieser.'

Und die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder meint:

'Die internationale Gemeinschaft und die Regierung Karsai bezahlt gegenwärtig für die Fehler der Vergangenheit. Denn die multinationale Schutztruppe ISAF begann zu schwach und sah zu lange tatenlos zu, wie Drogenbosse immer reicher, Warlords immer stärker wurden und die Taliban sich neu formieren konnten. Nur Entschlossenheit und massives Handeln können noch zum Erfolg führen. Das aber wird kostspieliger als geplant, mühseliger als gedacht und - gewiss - auch blutiger als befürchtet.'

Themenwechsel. Viele Namen möglicher Kandidaten für die Nachfolge von Siemens-Chef Kleinfeld geisterten in den vergangenen Wochen durch die Medien. Der Name des Pharma-Managers Peter Löscher war nicht darunter - doch genau er soll den Konzern nun aus der Krise führen.

Auch die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND hat nicht mit der Berufung des 49-Jährigen gerechnet:

'Der Spitze des Siemens-Aufsichtsrats ist eine Überraschung gelungen. Ob es eine gute ist, wird sich zeigen. Die entscheidende Frage ist: Was genau muss der neue Konzernchef mitbringen, und was hat Löscher dabei? Siemens steckt durch seinen Korruptionsskandal in einer schweren Vertrauenskrise. Hier muss der künftige Mann an der Konzernspitze sowohl als Aufklärer wie auch als Integrator nach innen und nach außen wirken. Die Insider des Unternehmens und dessen Beobachter am Kapitalmarkt sind gut beraten, wenn sie Löscher eine faire Chance zum Neustart bei Siemens geben. Zwar zählt Löscher nicht zu den Top-Schwergewichten unter den Managern. Aber ohne Zweifel ist er ein Manager von Gewicht.'

Das WESTFALEN-BLATT aus Bielefeld kommentiert:

'Sicherlich muss man nicht Löscher heißen, um die vielen Brände bei Siemens zu löschen. Und man muss auch nicht Pharmamanager sein, um die richtige Arznei mitzubringen. Die bislang unbestrittenen Qualitäten des neuen Spitzenmanns liegen auf anderer Ebene. Dass Löscher in München - noch - über keine Hausmacht verfügt, ist jetzt, da sich viele Seilschaften gezwungenermaßen aufgelöst haben, kein sehr großer Nachteil. Trotzdem steht er vor keiner leichten Aufgabe.'

Der Berliner TAGESSPIEGEL sieht Löschers Berufung so:

'Als aufrechte Persönlichkeit hat Gerhard Cromme den neuen Vorstandsvorsitzenden bezeichnet. Dass der Aufsichtsratsvorsitzende dies ausdrücklich betonen muss, zeigt die Verkommenheit der Verhältnisse bei Siemens. Wenn es wirklich so ist, dass auf manchen Märkten, in manchen Regionen ohne Schmiermittel nichts läuft, dann sollte Siemens das offenlegen und sich aus dem Bereich zurückziehen; auch wenn das erst mal Arbeitsplätze kostet. Denn illegale Geschäfte sind am Ende immer schlechte Geschäfte. Peter Löscher wird eine Menge Arbeit haben.'

Abschließend noch ein Blick in den MANNHEIMER MORGEN. Zitat:

'Eines beweist die Wahl Löschers deutlich: Siemens ist keine erste Adresse der deutschen Industrie mehr. Noch vor zwei Jahren hatten externe Manager nicht den Hauch einer Chance, auf einem der renommiertesten Chefsessel der deutschen Industrie Platz nehmen zu können. Heute lehnt das Gros der Wirtschaftsführer den Posten ab,- weil nicht absehbar ist, ob die wahre Dimension des Skandals schon offenkundig ist.'

  • Datum 20.05.2007
  • Autorin/Autor Christian Walz
  • Schlagwörter presseschau
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  • Permalink http://p.dw.com/p/AfuT
  • Datum 20.05.2007
  • Autorin/Autor Christian Walz
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