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Politik

Pressestimmen von Montag, 2. Oktober 2006

Aufbau Ost/BenQ-Deutschland-Pleite

Bundeskanzlerin Merkel hat die Bürger in Westdeutschland zu einem stärkeren Engagement für den Aufbau Ost aufgerufen. Umfragen zufolge spielt für die Deutschen die Unterteilung in Ost und West immer weniger eine Rolle. Ein Thema, das anlässlich des Tags der Deutschen Einheit am Dienstag, in der deutschen Presse eine große Beachtung findet.

Dazu schreibt der Berliner TAGESSPIEGEL:

"Nur noch ein Viertel der Ostdeutschen ist mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden. In Westdeutschland ist es immerhin noch jeder Zweite. Dass die Wähler selbst es in der Hand haben, mehr Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit zu erzwingen, sollte ihnen allerdings nicht ausgerechnet die NPD beibringen. Politische Sachzwänge verlangen in einer Demokratie politischen Mut und Handlungsfähigkeit. Lügen verlangen sie nicht. Vielleicht ist es 16 Jahre nach der deutschen Einheit der richtige Zeitpunkt, daran zu erinnern."

Für die MÄRKISCHE ALLGEMEINE aus Potsdam wird der Tag der Deutschen Einheit mehr und mehr zu einem Tag der Statistik:

"Zwar sind die Träume von der Industriealisierung des Ostens nicht wahr geworden, doch kämpfen heute Belegschaften in Eisenhüt- tenstadt und Hennigsdorf genauso gegen die globale Marktbereinigung wie in München oder Rüsselsheim. Und selbst die vormalige PDS ist keine reine Regionalpartei Ost mehr, sondern auf dem Weg zu einem bundesweiten Sammelbecken linker Strömungen. Grund zum Feiern bleibt am 3. Oktober allemal: Besser, vereint an der Zukunft eines Landes zu arbeiten als in einer zersplitterten Nation."

In der HEILBRONNER STIMME heisst es:

"Viel ist seit 1990 geschehen. Und die Deutschen in Ost wie West dürfen stolz auf das Geleistete sein. Die deutsche Einheit ist so selbstverständlich, wie die Teilung im Rückblick als widernatürlich erscheint. Die Integration der fünf neuen Länder in das föderative Staatswesen ist rundum gelungen, die Herkunft der Menschen spielt im Alltag keine Rolle. Dass die politischen Verhältnisse in den Bundesländern, die auf dem Trümmerhaufen des real existierenden Sozialismus entstanden sind, stabil sind, ist keine Selbstver- ständlichkeit, wie der Blick auf andere Staaten des einstigen Ostblocks lehrt."

Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG gibt zu bedenken:

"Appelle hier, Feiern dort. Am Tag der deutschen Einheit wird es daran nicht mangeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit einer Botschaft bereits vorgelegt und im Westen mehr Bereitschaft zum Aufbau Ost angemahnt. Doch auch wenn es hart klingt: Die wird sie nicht erreichen. Denn warum sollte der Bürger mehr leisten als Übervater Staat es schon tut. Der sorgt mit Abermilliarden seit Jahren für schöne Fassaden, verbessert die Lage dahinter aber nicht wirklich. Die Bereitschaft zu zahlen jedenfalls wird nicht wachsen, sondern angesichts überall höherer Steuern eher sinken."


Themenwechsel:

Nach der Pleite der Handywerke von BenQ in Deutschland gerät der frühere Eigentümer Siemens immer stärker unter Druck. Die IG Metall drohte dem Unternehmen mit Massenklagen auf Wiedereinstellung oder Schadenersatz. Im Mittelpunkt der Kritik steht für die meisten deutschen Presse-Kommentatoren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld.

In der Münchner ABENDZEITUNG liest man dazu:

"Der Verkauf der Handysparte an Benq war ein Desaster. Nicht nur, dass Kleinfeld offenbar frühzeitig jeglichen Ehrgeiz, die Arbeitsplätze zu bewahren, fahren ließ. Wie es aussieht, hat er sich auch von den Taiwanesen gnadenlos über den Tisch ziehen lassen. Das Verhalten der Benq-Bosse ist mies. Aber Kleinfeld läuft ihnen den Rang als miesester Manager zurzeit locker ab - sowohl in professioneller als auch in menschlicher Hinsicht."

Für den WESTFÄLISCHEN ANZEIGER hätte Siemens-Chef Kleinfeld wissen müssen, dass die Asiaten überfordert werden:

"Wenn er jetzt überrascht tut, liegt das bestensfalls an schlechtem Gedächtnis. Schwerer wiegt, auch Tage nach dem Pleite-Schock, der Verdacht des abgekarteten Spiels. Diese Handy-Krise ist deshalb eine Siemens-Krise.Dass sich ein Investor für die Handy-Werke findet, ist Wunschdenken. Der einzige Käufer, der in Frage käme, ist Siemens. Wenn denn Kleinfeld Verantwortung auch nur einen Pfifferling wert wäre. Danach sieht es nicht aus."

Auch die NÜRNBERGER ZEITUNG läßt kein gutes Haar an dem Top-Manager:

"Klaus Kleinfeld kann sehr sympathisch rüberkommen, richtig kumpelhaft wirken. Schwer vorstellbar, dass der gleiche Klaus Kleinfeld nicht nur ein knallharter Kalkulator, sondern möglicherweise auch ein bösartig berechnender Stratege sein soll. Einer, der 3000 Menschen durch Insolvenz der deutschen BenQ-Tochter mutwillig ins berufliche Aus getrieben hat. Und das, ohne sich die Finger schmutzig gemacht zu haben. Ob an diesen Vorwürfen, die im Zuge der Insolvenz der ehemaligen Siemens-Handy-Sparte laut wurden, etwas dran ist, muss sich freilich erst noch zeigen. Aber fest steht bereits jetzt, dass der einstige neue Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft dabei ist, Josef Ackermann als oberstem Buhmann der deutschen Manager den Rang abzulaufen."

Die Berliner TAZ kommentiert:

"Um einen Solidaritäts-Handykauf zu bitten - das geht dann doch zu weit. Denn es ist nicht der Verbraucher, der für das traurige Kapitel BenQ-Siemens verantwortlich ist. Zunächst einmal haben die Münchener ihre Handy-Sparte durch veraltete Produkte und schlechtes Management über Jahre an die Wand gefahren. Und es war die Ausrichtung an börsenfreundlichen Renditezielen, weswegen sich Siemens gegen eine Sanierung und für die Weitergabe des Geschäfts entschieden hat."