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Politik

Pressestimmen von Montag, 18. September 2006

Papst-Äußerungen zum Islam / Afghanistan-Einsatz der NATO

Der Afghanistan-Einsatz der Nato sowie die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zum Islam sind Thema in den Kommentarspalten der internationalen Zeitungen.

Der KURIER aus Wien stellt zu den Aussagen des Papstes fest:

'Zugegeben, dass Benedikt XVI. bei seiner Vorlesung in Regensburg einen christlichen Kaiser aus dem Mittelalter mit den Worten zitiert, Mohammed habe nur Schlechtes hervorgebracht, ist für Moslems starker Tobak. Der Pontifex maximus hätte darauf verzichten sollen, weil die Aussage auch in der Sache falsch ist. Doch der reflexartige Aufruhr in Teilen der moslemischen Welt ist eine bewusste Fehlinterpretation der Intention des Vatikans. Und er zeigt vor allem eines: Wie weit der Kampf der Kulturen bereits fortgeschritten ist.'

Ähnlich äußert sich die TIMES aus Großbritannien:

'Es scheint fast mittelalterlich, wenn heute eine Diskussion über die Theologie des Mittelalters einen globalen Sturm des Protests erregen kann. Der Papst kann kaum erwartet haben, dass seine Vorlesung an der Universität in Regensburg zu solchem Aufruhr führen würde in Teilen der muslimischen Welt, die nun eine Entschuldigung fordert und Vergleiche zu Hitler und Mussolini zieht. Die genaue Betrachtung der Rede zeigt: Wenn eine Gruppe offen kritisiert oder 'beleidigt' wurde, dann waren es westliche Materialisten.'

Eine gänzlich andere Meinung vertritt die BASLER ZEITUNG aus der Schweiz:

'Dieser Papst ist ein ausgefuchster Rhetoriker. Der wiegt seine Worte genau. Der weiß um ihre Wirkung. Also hat Benedikt XVI. an der Universität von Regensburg, an seiner alten Wirkungsstätte als Dogmatik-Professor, eine gezielte Provokation in die Welt gesetzt, geschickt gekleidet in die Worte eines byzantinischen Kaisers. Aber diesmal sind es nicht unbedacht dahingestrichelte Mohammed-Karikaturen, die den Funkenflug des islamischen Zorns verbreiten. Sondern wohl gesetzte Worte eines Kirchenfürsten, dessen Institution bei der Durchsetzung von Glaubensinhalten mittels Gebetbuch und Gewalt ja keineswegs ohne eigene Erfahrung ist.'

Die indische Zeitung HINDUSTAN TIMES relativiert die Äußerungen:

'Es ist noch in Ordnung, wenn der Papst die Rechtfertigung des Terrors durch den extremistischen Islam beklagt. Unverhohlen düster aber klingt es, wenn er einen christlichen Kaiser des Byzantinischen Reiches zitiert mit den Worten, der Prophet Mohammed habe schlimmes und unmenschliches Verhalten eingeführt. Dass gerade eine Institution das behauptet, die einst selbst einen Heiligen Krieg führte und den Begriff Inquisition zu einer Vokabel des Terrors machte, ist unerhört. Der Papst führt eine heterogene Gemeinschaft an, die dem Islam gegenüber nervös genug ist. Folglich muss er Ängste bekämpfen statt sie zu schüren. In seiner Aufgabe als Mann des Dialoges aber hat er versagt.'

Der GUARDIAN aus London kommentiert den NATO-Einsatz in Afghanistan:

'Der Afghanistan-Einsatz ist für NATO-Generalsekretär Scheffer eine Frage der Glaubwürdigkeit. Daher auch seine Anstrengungen, mehr Truppen zusammenzubringen, damit die Last der Aufgabe in der südafghanischen Provinz Helmand geteilt werden kann, wo sich die Briten massivem Widerstand von Taliban-Kämpfern gegenüber sehen. Was als Aktion angelegt war, die Stabilität und Wiederaufbau garantieren sollte, ist plötzlich zu einem vollständigen Guerillakrieg geworden.'

In der russischen Zeitung KOMMERSANT heißt es:

'Das NATO-Treffen hat deutlich gezeigt, dass die meisten Mitglieder nicht den Wunsch haben, ihre Beteiligung an der gefährlichen Afghanistan-Mission auszuweiten. Der Grund für diese Zurückhaltung ist klar: Die Zahl der Angriffe von Seiten der Taliban ist in letzter Zeit in die Höhe geschnellt und hat zu einem traurigen Rekord geführt. Innerhalb von weniger als zwei Monaten sind im Süden Afghanistans 35 NATO-Soldaten getötet worden. Diese Trauer-Statistik wollen die NATO-Länder nicht noch stärker mit den Namen ihrer Bürger füllen.'

Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT bemerkt:

'Für die internationale Stabilität und für die afghanische Bevölkerung wäre es schlecht, wenn die Taliban erneut die Oberhand gewännen. Auch die Existenzberechtigung der NATO würde erneut in Frage gestellt, wenn sie ihren größten Einsatz seit dem Ende des Kalten Krieges nicht erfolgreich abschließen würde. 'Die Taliban können nicht gewinnen', sagte NATO-Generalsekretär Scheffer. Das ist gar nicht so sicher, auch wenn er sich noch so entschlossen zeigt. Sicher ist dagegen, dass es sich die NATO nicht leisten kann, in Afghanistan zu verlieren.'

Die in Warschau erscheinende Zeitung RZECZPOSPOLITA stellt den Beitrag Polens in den Mittelpunkt:

'Auf die polnischen Soldaten in Afghanistan können viel größere Gefahren lauern als im Irak. Als die Mission vor einem Jahr begann, bestand kein Grund zu besonderer Unruhe. Heute beginnt die Situation im Osten des Landes jedoch immer mehr an das zu erinnern, was in dem von den Taliban beherrschten Süden des Landes geschieht. Gute Nachrichten für das Kontingent im Osten gibt es kaum.'

Und die Tageszeitung NEPSZABADSAG aus Budapest sieht Gefahren für die ungarischen Soldaten in Afghanistan:

'Wir müssen in dem geographisch fernen Krieg mit Angriffen, Verwundungen und Heldentoten rechnen. Noch gravierender aber ist es, dass nicht nur wir, sondern auch die europäischen Großmächte nicht im Stande sind, mehr Soldaten hinzuschicken. Wenn wir den islamistischen Extremismus in Afghanistan nicht besiegen können, werden wir ihm des öfteren in Europa begegnen.'

  • Datum 17.09.2006
  • Autorin/Autor Frank Wörner
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  • Permalink http://p.dw.com/p/98Fj
  • Datum 17.09.2006
  • Autorin/Autor Frank Wörner
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