1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Pressestimmen von Montag, 17. November 2003

Anschläge auf Synagogen in Istanbul /SPD-Parteitag in Bochum

Zentrales Thema in den Kommentar-Spalten der deutschen Tages- Zeitungen an diesem Montag sind die blutigen Terroranschläge auf zwei Synagogen in Istanbul. Beachtung findet auch der Bundesparteitag der SPD in Bochum.

Zunächst zum Terror in Istanbul:

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU analysiert:

'Alles deutet darauf hin, dass die Terroristen im Namen Allahs und im Auftrag Osama bin Ladens auf dem Weg in Richtung Westen sind - mit der Botschaft, dass sich der von ihnen als heilig begriffene Krieg nicht länger an Punkten der Welt aufhalten will, die dem Westen als entlegen erscheinen. Ihr Einsatzgebiet ... und die Zielgruppen der Anschläge - in Irak vermehrt europäische Soldaten - deuten auf eine neue Dimension hin.'

Ähnlich argumentiert die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle:

'Den Tätern, die höchst wahrscheinlich dem Terrornetzwerk Osama bin Ladens angehören, geht es keineswegs einzig darum, Juden einen grauenvollen Denkzettel zu verpassen. Vielmehr haben sie eine neue Front im Terrorkrieg gegen den Westen eröffnet.'

Die in Berlin herausgegebene Tageszeitung DIE WELT schreibt:

'Der Anschlag auf zwei Synagogen in der türkischen Metropole reiht sich ein in eine Serie antiisraelischer, antijüdischer, im Grunde antiwestlicher Attentate der vergangenen anderthalb Jahre. Unter den Opfern waren Deutsche, Kenianer, Briten, Italiener, Marokkaner, Tunesier - Juden und Moslems. Die Botschaft lautet: Wir bekämpfen nicht nur Israelis und Amerikaner, sondern auch jene, die mit ihnen kooperieren.'

Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG sieht nach den Anschlägen Handlungsbedarf für die deutsche Politik:

'Für Deutschland bedeuten die Attentate, die Koalition gegen den Terror ernster zu nehmen. Zudem sollte die Türkei, die einen hohen Preis bezahlt hat für ihr Bekenntnis zu Religionsfreiheit, zu Israel und zum Westen nicht als Schmuddelkind behandelt werden.'

Im HAMBURGER ABENDBLATT heißt es:

'Ob in Indonesien, Kenia, Tunesien, Marokko, Saudi-Arabien - in ihrem fundamentalistischen Tötungswahn versuchen sich die Massen- Mörder im missbrauchten Namen Allahs gegenseitig zu überbieten ... ... als Demokratie ist die Türkei bei allen Defiziten stabiler als jedes andere islamische Land, die Bevölkerung steht in großer Mehrheit zu der freiheitlichen Grundordnung. Nein, hier wird der Funke des Hasses nicht zünden. Eine europäische Perspektive könnte in der Türkei dafür sorgen, dass das auch so bleibt.'

Die STUTTGARTER NACHRICHTEN erläutern:

'In Istanbul griffen die Attentäter Grundwerte aller zivilisierten Staaten an: die Toleranz und das Miteinander von Menschen verschiedender Religionen. Deshalb ist es für den Westen so wichtig, dass die Türkei den jetzt in ihrer Metropole Istanbul ausgebrochenen Kampf gegen die militante Intoleranz gewinnt.'

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG geht auf einen besonderen Aspekt ein:

'Kaum hinzunehmen sind die Behauptungen des israelischen Außenministers Schalom, Europa trage eine Mitschuld an den Anschlägen. Sie laufen auf eine Generalvollmacht für Israel und das Ende jeglicher Kritik hinaus. Sind auch die vier ehemaligen Chefs des israelischen Inlandsgeheimdienstes schuld? Sie fürchten, Israel eile in die Katastrophe, wenn es weitermache wie bisher.'

Themenwechsel. Vor dem Hintergrund eines Stimmungstiefs und innerparteilicher Diskussionen um die Reformagenda von Bundeskanzler Gerhard Schröder sind die Sozialdemokraten zu einem Bundesparteitag zusammengekommen.

Der TAGESSPIEGEL aus Berlin notiert:

'Der Kanzler, mit seiner SPD im tiefen, tiefen Tal der Werte, muss zuerst in den eigenen Reihen die Einsicht fördern, dass sein Weg richtig ist. Nur dann wird er die Reihen hinter sich schließen können. Und nur dann, wenn die SPD überzeugt ist, wird sie andere überzeugen.'

In der SAARBRÜCKER ZEITUNG ist zu lesen:

'Dem Parteitag bleibt ... nichts übrig, als den verordneten Kurswechsel zu schlucken. Denn jedes substanzielle Aufmucken würde den rot-grünen Untergang beschleunigen. Schröder wird in Bochum zwar siegen. Aber der Parteitag in der 'Herzkammer der SPD' wird ihm auch zeigen, dass die Grenzen der Zumutbarkeit erreicht sind.'