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Politik

Pressestimmen von Montag, 17. März 2008

Tibet und Olympia

Chinas Militär hält Tibets Demonstranten wenige Monate vor den Olympischen Spielen nur mit äußerster Mühe in Schach. Blut fließt. Einen Boykott der Sportler aus aller Welt hält die Mehrheit der deutschen Politiker allerdings für wenig produktiv. In der Tagespresse ist diese Frage allerdings noch heiß umstritten:

'Noch besteht die Chance', schreibt etwa die FRANKFURTER RUNDSCHAU, 'die blutige Eskalation zu beenden. Im Gegensatz zum Volksaufstand in Birma, bei dem die Welt tatenlos zusehen musste, hat das Ausland gegen Peking sehr wohl politische Druckmittel. Eines sind die Olympischen Spiele: Die Weltgemeinschaft muss klarmachen, dass eine blutige Niederschlagung der Proteste in Tibet einen Boykott der Olympischen Spiele nach sich ziehen wird. Für Peking wäre das nicht nur ein Gesichtsverlust. Das langfristige Vertrauen der Welt in China steht auf dem Spiel. 1989 schickte das Regime Panzer gegen die Studenten, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking demonstrierten. Noch einmal wird die Welt der chinesischen Führung ein Massaker nicht verzeihen.'

Im HANDELSBLATT aus Düsseldorf lesen wir:

'China will die Olympischen Sommerspiele ungeachtet der Spannungen in Tibet abhalten, dagegen spricht sich nicht einmal der Dalai Lama aus. Doch sollte man China so schnell einen Freibrief geben? Möglich ist, dass die Drohung mit einem Boykott einen Solidarisierungseffekt in der Bevölkerung auslöst. Peking hätte es dann umso leichter, die These von einer tibetischen Verschwörung zu untermauern. Andererseits bietet solch eine Drohung einen wirksamen machtpolitischen Hebel. Den sollte man nicht voreilig fallenlassen. Schließlich sind die Menschenrechte Chinas wunder Punkt. Und die Spiele sind ein Mittel, um ihre Einhaltung einzufordern.'

Der Kommentator der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG aus München fragt sich wie viele andere:

'Wie soll der Rest der Welt auf die Brutalität Pekings, auf dessen anhaltende Sabotage der olympischen Idee reagieren? Einen Olympia-Boykott, wie ihn der US-Schauspieler Richard Gere unter dem Eindruck des Blutvergießens in Tibet zur Diskussion stellt, will niemand wirklich. Das wäre nicht nur all den Sportlern gegenüber unfair, die sich hart auf ihre Wettkämpfe in Peking vorbereitet haben und von einer Medaille träumen. Ein Boykott würde auch den endgültigen Verzicht auf das bedeuten, was diese Olympischen Spiele möglicherweise noch an Gutem bewirken können.'

Hier noch ein Blick auf die Meinung der STUTTGARTER ZEITUNG:

'China wird lange daran arbeiten müssen, der Welt zu beweisen, dass es sich auf friedliche Weise weiterentwickelt. Voller Entsetzen und Scham schweigen jetzt diejenigen, die das Land und seine Menschen schätzen. Aber man muss notfalls mit dem Teufel reden, hat einst der unverdächtige Willy Brandt gesagt, als er mit der Führung der Sowjetunion über die Ostverträge verhandelt hat. So ist es. Wenn wir die Spiele boykottierten, dann würde China sich trotzig verschließen, anstatt sich weiter zu öffnen.'