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Politik

Pressestimmen von Montag, 11. Juni 2007

Evangelischer Kirchentag / Becks Kritik am Koalitionspartner

Der Evangelische Kirchentag und die neuen Vorwürfe von SPD-Chef Beck gegen die Union sind Themen der folgenden Pressestimmen. Zunächst zum Protestantentreffen. Fünf Tage lang haben in Köln evangelische Christen ihren Kirchentag begangen. Nicht zuletzt wegen seiner Parallellität zum G8-Gipfel in Heiligendamm war d as Protestantentreffen auch durch politische Diskussionen geprägt.

Dazu schreibt die WESTFALENPOST aus Hagen:

'Das war ein richtig guter Kirchentag. Im ökumenischen Miteinander konnte der Kirchentag im katholischen Köln den Normalzustand an der Basis weiter festigen (...) Viel interessanter erscheint hingegen jetzt der Blick auf den Islam. (...) Nach einer langen Phase des Verdrängens folgt offenbar nun die Zeit des Erkennens und vielleicht auch des Anerkennens.'

Die STUTTGARTER ZEITUNG äußert sich enttäuscht über die Resultate des Kirchentages:

'Ähnlich politisiert wie die von der Nachrüstungsdebatte geprägten Kirchentage früher war das Großereignis am Rhein gleichwohl nicht. Damals wurde mit kämpferischen Resolutionen basisdemokratischer Widerstandsgeist gezeigt. Doch die Zeiten sind vorbei. In Köln begnügte sich das Publikum oft mit Applaus oder Missfallensbekundungen.'

Dem widerspricht die BERLINER MORGENPOST:

'Der Kirchentag, im vergangenen Jahrhundert Ort heftigen politischen Streit s, war keineswegs, wie von manchen beklagt wurde, entpolitisiert. Er hat sich in der G8- und Globalisierungsdebatte vernehmlich artikuliert. (...) Und von Köln geht das Signal für eine entschiedene Position gegenüber dem Islam aus: Bei den Themen Religionsfreiheit, Freiheit des Religionswechsels und Gleichberechtigung von Mann und Frau wird sich die Kirche niemals auf die Schiene des Appeasement begeben. Die Zeit der interreligiösen Nettigkeiten ist vorbei.'

Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder fordert die Kirche zu mehr Auseinandersetzung mit sich selbst auf:

'Sicher, als eine moralische Instanz muss auch die Kirche ihre Stimme erheben. Doch bei allem 'Brücken bauen' sollte nicht vergessen werden, dass man nicht einmal in Zeiten nach wie vor schwindender Mitgliederzahlen und Kirchensteuerbeiträge unter seinesgleichen eine stabile Einheit schafft (...). Wie die evangelischen Landeskirchen angesichts ihrer Probleme künftig mit dem anhaltenden Zulauf zu evangelikalen Bewegungen, charismatischen Gl aubensgemeinschaften und Sekten umgehen wollen, darüber hätte man gerne mehr erfahren (...). Die Welt können viele retten, doch die Evangelische Kirche kann sich nur selber retten.'

Zum Abschluss der MÜNCHNER MERKUR:

'Es wird höchste Zeit, dass beide großen Kirchen im Dialog mit der Politik wieder stärker als Korrektiv auftreten. Die Sorge um die Armen und die Bewahrung der Schöpfung sind klassische Themen, mit denen sich die Christen zurückmelden können. Nur sollte man sich mit radikalen Forderungen zurückhalten: Der Appell von Kirchentagspräsident Höppner, sich mit Taliban und Terroristen an einen Tisch zu setzen, ist denn doch des Guten zu viel.' Zum zweiten Thema. SPD-Chef Beck hat mit dem Vorwurf, die Union sei neoliberal, die Kritik seiner Partei am Koalitionspartner verschärft. Das wird auch in der deutschen Tagespresse kommentiert:

Die Münchner ABENDZEITUNG glaubt:

'Ein solches lautes Geschrei samt wildem Trommeln auf der Brust pflegt nun auch der SPD-Mensch, wenn er - ausgerechnet in der 'FAZ', dem Leib- und Magenblatt der Konservativen - über den 'Neoliberalismus' seines Koalitionspartners herfällt. Becks Philippika ist peinlich und deplatziert: Man kann der Union gewiss vieles vorwerfen, aber nicht, dass sie sich generell, eiskalt und unsolidarisch vor den sozialen Herausforderungen drückt.'

Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf geht auf das Verhältnis zwischen Beck und der Kanzlerin ein:

'Der Angriff auf die 'Gipfel-Stürmerin' kommt nicht von ungefähr: Getrieben von der Linkspart ei und genervt von schlechten Umfragewerten agiert die SPD-Spitze zunehmend nervöser. Merkel hingegen schwimmt zur Halbzeit der Legislaturperiode auf einer Sympathiewelle. (...) Kurt Beck, erster Anwärter auf die SPD-Spitzenkandidatur 2009, tut sich mit seiner Profilierung schwer. (...) Zu allem Übel für Beck würden die Deutschen lieber Außenminister Frank-Walter Steinmeier als Merkel-Herausforderer sehen.'

In der THÜRINGER ALLGEMEINE aus Erfurt heißt es:

'Seufzend dürfte sich Angela Merkel daran erin nern, wie leicht es dagegen war, einen Bush oder Putin im lauschigen Strandkorb zu bezirzen. Die schlechten Umfragewerte der SPD zwingen die Parteigrößen verstärkt auf Konfrontationskurs in der Koalition. (...) Alles in der Hoffnung, den Höhenflug der Kanzlerin zu bremsen und den eigenen Spitzenmann Kurt Beck nicht als etwas tölpelhaften Provinzler dastehenzulassen.'

Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg ist der Ansicht:

'Wenn der Sozialdemokrat der Union unterstellt, neoliberalem Gedankengut nachzuhängen , ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Denn verhielte es sich wirklich so, (...) erwüchse der SPD endlich wieder ein Gegner, dessen Bekämpfung die eigene Anhängerschar befeuern könnte. (...) Wie man mit einer mutlosen Partei eines Tages der Kanzlerin das Amt abjagen soll, die mit guten Wirtschaftsdaten, sinkender Arbeitslosigkeit und internationalen Erfolgen punktet, ist ein Rätsel, das die SPD-Spitze um Beck noch nicht gelöst hat.'

Abschließend analysiert die LANDESZEITUNG aus Lüneburg:

'Schade, dass Kurt Beck nicht am Konferenztisch in Heiligendamm gesessen hat. Dank des weltgewandten Pfälzers hätte die Welt gewiss strengste Vorgaben zur CO2-Reduzierung - und natürlich eine wirkungsvolle Kontrolle der Hedgefonds bzw. weltumspannender Finanzströme. Vermutlich aber weiß Beck selbst sehr genau, dass er auch nicht mehr erreicht hätte in der Gipfelrunde der Mächtigen, womöglich sogar weniger als seine Gegenspielerin, die in der Großen Koalition bis 2009 an sich doch seine Partnerin sein sollte.'

Ursula Kissel