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Politik

Pressestimmen von Montag, 11. August 2003

Versöhnungsgeste von US-Präsident Bush / Extremwetter in Deutschland

Die versöhnlichen Töne von US-Präsident George W. Bush gegenüber Bundeskanzler Gerhard Schröder sind das beliebteste Kommentarthema in den Montagsausgaben der Tageszeitungen. Die SAARBRÜCKER ZEITUNG meint:

"Bush demonstriert mit seiner Geste nicht nur, dass er über seinen Schatten springen kann, wenn die Lage es erfordert. Er weiß auch Deutschlands Beitrag im Kampf gegen den Terrorismus zu würdigen. In der Tat leistet die Bundeswehr hervorragende Arbeit in Afghanistan. Die Bereitschaft, über Kabul hinaus Verantwortung übernehmen zu wollen, wird Berlins Ansehen in der Welt weiter stärken. Der eigentliche Grund für Bushs Entgegenkommen ist aber ein anderer: Die große Supermacht braucht die Mittelmacht Europas, weil Amerika alleine im Irak nicht mehr zurechtkommt. Eine späte Genugtuung für Gerhard Schröder, der seit seinem Antikriegs-Feldzug von den USA zeitweise wie ein Aussätziger behandelt wurde."

Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus wundert sich über die Form der Annäherung:

"Klüger geworden durch die Nachkriegs-Erfahrungen im Irak, hat US-Präsident Bush seine Trotzphase beendet und dem Bundeskanzler die Hand zur Versöhnung gereicht. Der Kriegsherr dankt dem Friedensfürst, wer hätte das gedacht! Überraschend ist neben dem Zeitpunkt vor allem die überschwängliche Art, mit der Bush das internationale Engagement des ungeliebten Quertreibers aus 'old Europe' lobpreiste. Damit ist klar: Man will sich wieder arrangieren."

Für die Berliner Zeitung NEUES DEUTSCHLAND ist die Wiederannäherung der beiden Regierungen keine Überraschung:

"Von Anfang an war klar, dass beide Regierungen irgendwann wieder aufeinander zugehen würden. Die Bundesregierung hat ja auch lange genug um gute Laune gebettelt und sich dabei allerhand gefallen lassen. Was jetzt von politischen Kaffeesatzlesern akribisch untersucht wird, ist eine pure Notwendigkeit: Es wächst wieder zusammen, was zusammengehört... Selbst der US-Präsident muss zur Kenntnis nehmen, dass diese Welt auch mit noch so großer militärischer Überlegenheit nicht im Handumdrehen umzukrempeln ist.
Er braucht dabei auch die Deutschen, die froh sind, wieder mitspielen zu dürfen und vor Begeisterung gleich mit einem
Irak-Einsatz liebäugeln."

Die STUTTGARTER NACHRICHTEN machen innenpolitische Gründe für die Charme-Offensive des US-Präsidenten verantwortlich:

"Was ist passiert, dass George W. Bush plötzlich den Drang verspürt, Gutes über Deutschland und den Kanzler zu sagen? Die Vermutung liegt nahe, dass der US-Präsident seine Friedenssignale aus innenpolitischen Erwägungen ausgesandt hat. Die Bush-Administration gerät in Sachen Irak-Krieg nachträglich unter immer stärkeren Erklärungsdruck. Da scheint es vernünftig, sich mit Deutschland, einem der hartnäckigsten Kritiker des Truppenaufmarschs am Golf zu versöhnen, zumal die rot-grüne Regierung sogar bereit wäre, sich an einem Nato-Mandat im Irak zu beteiligen. Dem Kanzler kann's recht
sein. Er braucht nun in Washington nicht zu Kreuze zu kriechen, sondern darf demnächst aufrechten Gangs nach Amerika reisen..."

Auch der Bonner GENERAL-ANZEIGER vermutet wahlttaktische Motive:

"Noch hält die Mehrzahl der US-Bürger den Irak-Krieg für gerechtfertigt. Aber die Zustimmung schwindet; die Fragen, wo denn eigentlich die Massenvernichtungswaffen sind, die man angeblich unschädlich machen wollte, werden lauter. In weniger als anderthalb Jahren muss sich George Bush erneut zur Wahl stellen. Sich in dieser Lage auswärtiger Hilfe zu vergewissern, erscheint nur vernünftig."

Zum Schluss noch eine Pressestimme zu der extremen Wetterlage in Deutschland. Die OFFENBACH-POST greift dieses Thema auf:

"Langsam beginnen wir zu ahnen, dass die augenblicklichen Wetterkapriolen vielleicht doch mehr sein könnten, als nur ein - für die einen mehr, für die anderen weniger - angenehmer Ausrutscher der geschundenen Natur; dass sich womöglich eine Klimaänderung anbahnt, vor der die Wissenschaft immer wieder gewarnt hatte. Im vorigen Jahr just zur gleichen Zeit die Jahrhundert-Flut, dieses Mal ein Jahrhundert-, zumindest ein Rekord-Sommer. Und im nächsten Jahr? Was kommt da auf uns zu? Eins ist klar: So ganz normal ist dieser Sommer nicht, wenigstens nach unseren bisherigen Maßstäben."

  • Datum 13.08.2003
  • Autorin/Autor zusammengestellt von Walter Lausch
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/3yOt
  • Datum 13.08.2003
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